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The Travel Episodes

Vom Allgäu bis nach Jordanien

Allgäu Orient Rallye

Ein alter Volvo aus dem letzten Jahrhundert ist mein zuhause für drei Wochen, auf dem Weg von Oberstaufen bis nach Amman. Und auf einmal scheint der Nahe Osten doch näher als gedacht. Von Elisa Model.

„Was wollt ihr denn dort? Ist das nicht viel zu gefährlich? Also ich würde mich das ja nicht trauen.“ Daran denke ich gerade, als ich in dem 21 Jahre alten Volvo sitze, vor mir eine blockierte Kreuzung in Amman, an deren Verstopfung ausnahmsweise mal nicht wir Schuld sind. Und ich muss über die absurde Situation vor mir und auch über die schon fast vorwurfsvollen Kommentare meist weitläufiger Bekannter in der Vergangenheit lachen. Ja, wir hatten absolut keine Ahnung von dem, was uns erwarten würde.

Korruption, Pannen und Diebstahl?

Das dachten sicherlich die Bekannten, die deswegen eben nur Bekanntschaften sind. Menschlichkeit, atemberaubende Landschaften und das Ausreizen unserer eigenen Grenzen? Das war eher das, was wir uns erhofft und gewünscht haben.

Der Roadtrip nach Jordanien erfüllte mir persönlich einen Traum, von dem ich nicht gewusst habe, dass ich ihn jemals hatte. Ich kenne zwar die Freiheiten, die die Straßen dieser Welt mir bieten, da ich schon einige Länder auf diese Art und Weise bereist habe. Nur diesmal war es ein Gefühl, ganz tief in mir drin und wirklich schwer zu beschreiben, das mich vor allem in den Wochen nach meiner Reise täglich an jeden einzelnen Moment erinnern ließ. An die oft doch sehr holprigen Straßen in Rumänien. An die Hilfsbereitschaft in der Türkei, die mich von allen Vorurteilen befreit hat. An Israel, das ich mir komplett anders vorgestellt habe. Und an die erbarmungslose Hitze in Jordanien.
 

Ich habe an der Allgäu-Orient-Rallye teilgenommen (mittlerweile in Europa-Orient-Rallye umbenanntet), die von sich selbst behauptet, eines der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt zu sein.

A̱ben·teu·er
Substantiv [das]: ein Unternehmen, das aufregend und manchmal auch gefährlich ist und sich stark vom Alltag unterscheidet.

Startpunkt war im Jahr 2017 Oberstaufen im Allgäu, unser Ziel lag in Amman in Jordanien. Und dazwischen befanden sich rund 8000 km Nebenstraßen, eine Fähre, ein Flug, 7 Grenzübertritte, 5 Abende am Lagerfeuer und 20 Nächte in der Natur. Das alles mit Autos, die älter als 20 Jahre waren oder, falls jünger, nicht mehr wie 1111,11€ gekostet haben dürfen. Ohne Navi, ohne Autobahnen und ohne Mautstraßen, aufgeteilt in Teams mit drei Autos und sechs Fahrern. So die grobe Vorgabe bei der Anmeldung, die wir als „Team BorderCross“ liebend gern erfüllt haben. Vier Jungs und zwei Mädels, ein Magirus-Deutz namens Elmo aus dem Jahre 1981, ein Peugeot Boxer namens Bertha mit Baujahr 1994 und ein Volvo 850 namens Ole von 1996 waren dabei die Fahrzeuge unserer Wahl. Meinem Freund und mir gehörte der alte Schwede.
 
 

 
 
Die Autos haben wir nicht behalten. Am Ende der langen Fahrt übergaben wir alle Fahrzeuge dem jordanischen Staat. Ausgeschlachtet und in Einzelteile zerlegt, wurde mit dem Erlös aus dem Verkauf eine Schule für jordanische Kinder und syrische Flüchtlinge unterstützt. Ein Roadbook war unsere Richtlinie für die gesamte Zeit, nur wer alle Aufgaben daraus erfüllt hatte, konnte gewinnen und den ersten Preis sein Eigen nennen – Ruhm, Ehre und ein echtes Kamel. Kurz vorneweg: Wir haben nicht gewonnen. Aber das tut hier auch nicht zur Sache.

Mai 2017. Zehn Monate nach unserer Anmeldung stehen wir in Oberstaufen, unsere Autos aufgereiht in der Innenstadt. Wir trinken zu viel Bier und hören schlechte Musik, das eine bedingt irgendwie das andere. Der Regen prasselt auf das Dach von Ole. Ich schlafe spät ein und es wird eine unruhige Nacht.

 

* * *

Kapitel 1

Europa

„Das Leben ist wie eine große Autobahn, lass uns nicht lange überlegen sondern losfahren“

Die Nacht war kurz, kalt und regnerisch. Draußen hängen die Wolken tief und versperren die Sicht auf die Berge – ein typisch deutscher Frühlingstag Anfang Mai. Ich gähne im Minutentakt und freue mich schon auf die warmen Nächte, die im Süden bald folgen werden. Aus den Autos um uns herum kriechen immer mehr Rallye-Teilnehmer, in deren Gesichtern man die Vorfreude, aber auch die fehlenden Stunden Schlaf ablesen kann.

„Kaffee?!“ – zu mehr Kommunikation und dem Bilden vollständiger Sätze sind wir jetzt noch nicht fähig. Der Cappuccino vom Bäcker gegenüber wärmt und weckt so langsam die müden Lebensgeister. Irgendwo wird eine Musikanlage angeschmissen und um diverse geöffnete Motorhauben versammeln sich kleine Menschentrauben. Ein Schauspiel, das wir in den nächsten Wochen noch das eine oder andere Mal erleben werden. Im Zelt, in dem ein paar Stunden zuvor noch die Party in vollem Gange war, findet gerade ein Gottesdienst mit einem Pfarrer, einem Rabbi und einem Imam statt. Von jetzt an dauert es nicht mehr lange und schon bald haben wir den Moment erreicht, auf den wir fast ein Jahr hingearbeitet haben. Die Müdigkeit weicht einem fetten Grinsen.

Wir starten die Motoren, reihen uns in die Schlange der wartenden Autos und … haben eine Panne.

Nicht Ole, der Volvo, ist das Problem, obwohl zwei Drittel unseres Teams seit Wochen darauf gewettet haben, dass es ihn als erstes erwischen wird. Berthas Bremsleitung ist gerissen, genau in dem Augenblick, als der Startschuss viel. Karma? Pech? Murphys Gesetz? Von fehlenden Dokumenten ganz zu schweigen, ist das etwas, womit wir zu diesem Zeitpunkt am wenigsten gerechnet haben. „Das Abenteuer kann doch nicht schon vorbei sein, bevor es überhaupt angefangen hat!“, denke ich mir, spreche es aber nicht aus.

Ein Schlachtplan muss her. Grundkenntnisse in KFZ-Mechanik sollten bei der Teilnahme an einer Rallye vorhanden sein, ebenso die Fähigkeit Probleme mit Ruhe und Gelassenheit angehen zu können. Also wird die Bremsleitung zu Hause im Unterallgäu provisorisch geflickt, während der Rest von uns das Roadbook ergattert. Ein paar Stunden später und einige Kilometer weiter östlich treffen wir alle wieder an der Grenze zu Österreich aufeinander. Jetzt kann die Reise endlich beginnen.
 
 

 
 
Noch 2,5 Tage für 2000 km bis nach Istanbul. Die Nacht endet zeitig, ein Umstand, der sich durch die nächsten 3 Wochen ziehen wird. Vier Stunden später erreichen wir bereits die ungarische Grenze, am Mittag gönnen wir uns eine kurze Pause und halten die Füße in den noch kalten Balaton. Mein Platz wechselt kurz darauf vom Fahrersitz zum Beifahrersitz ins Bett im hinteren Teil von Ole. Nach Schweißausbrüchen folgt Übelkeit und der starke Drang nach einer Toilette. Wenn ich da schon gewusst hätte, dass das auch die nächsten 10 Tage so weitergehen wird, dann hätte ich mich wohl noch um einiges tiefer in die Decken verkrochen.

Die Straßen werden schlechter und es gibt nicht mehr viel, an was ich mich in den wachen Momenten erinnern kann. Nur der weiße reiterlose Gaul, der neben uns her galoppiert, plötzlich auf die Straße springt und nach einem kurzen Stolpler zwischen uns und Bertha wieder auf der nächsten Weide verschwindet, ist mir noch im Gedächtnis geblieben. Oder war es nur ein Traum?

Nach Rumänien mit einer Tonne Übergewicht.

Elmo muss auf die Waage. Wir stehen an der Grenze zu Rumänien und die Maut, die hier für alle Straßen zu zahlen ist, muss berechnet werden. Ganze 8,5 Tonnen wiegt die Feuerwehr, eine Tonne mehr, als bei entsprechender Führerscheinklasse und laut Zulassung erlaubt. Spätestens ab hier interessiert das aber sowieso niemanden mehr und falls doch, dann haben wir immer noch ein paar Geldscheine extra in der Hosentasche.

Dank des GPS-Trackers in Ole, funktionierendem Internet und zahlreichen WhatsApp-Nachrichten von Freunden und Familie wissen wir, dass wir gerade den ersten Platz in der Rallyewertung belegen. Etwas, mit dem wohl niemand gerechnet hätte, wir am allerwenigsten. Wir beschließen die Nacht auf einem Campingplatz bei Arad zu verbringen, zusammen mit dem Team Fehlzündung, die sich zufällig gerade auch „in der Gegend“ aufhalten. Die Welt ist eben doch ein Dorf und alle Straßen führen nach Arad. Oder wie ging das Sprichwort noch gleich?
 
 


 
 
Wir sitzen in einem Zimmer im Kindernest Rumänien, einem Hilfswerk für Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, und lauschen den traurigen Erzählungen von Robert. Vor der Rallye hatten wir zu Sachspenden aufgerufen und mit der Einrichtung einen dankbaren, wenn auch etwas distanzierten Abnehmer gefunden. In der nächste Stunde laden wir Karton um Karton aus Elmo, der somit seinem Normalgewicht wieder nahekommt, und überreichen Spielsachen und Kleidungen einigen helfenden Händen. Kurz darauf sind wir aber schon wieder unterwegs und fahren weiter, bis weit in die Dunkelheit. Über einsame Straßen, die schwere Feuerwehr vorneweg und aufgrund der verursachten Erschütterungen Alarme bei Banken und Autos am Straßenrand auslösend.

Mittlerweile nähern wir uns in großen Schritten der Türkei.

Wir nutzen die Donaufähre bei Călărași, um nach Burgarien überzusetzen. Endlich kämpft sich die Sonne durch die dicke Wolkenschicht und wärmt uns nach einer kalten Nacht. Wir kommen gut voran, also nutzen wir die Pause für ein Mittagessen in einem kleinen Restaurant in einem für uns namenlosen Ort. Als wir die Inhaberin, eine rundliche Bulgarin, fragen, wo sie denn Deutsch gelernt hat, lächelt sie nur verschmitzt und stellt uns eine weitere Portion Pommes auf den Tisch. Eigentlich mag ich Pommes, rot-weiß, aber nachdem ich die letzten Tage nichts anderes gegessen habe, bin ich dem frittierten Gold langsam überdrüssig. Bald schon erreichen wir aber die Türkei, mit all den Köstlichkeiten der türkischen Küche, wahren Geschmacksexplosionen und einer Wohltat für Magen und Seele … Ich kann gerade an nichts anderes mehr denken.

Der unfreundliche Grenzbeamte auf der bulgarischen Seite, der uns grimmig Sätze entgegen brummt, füllt ein paar Formulare aus und wirft uns unsere Pässe entgegen. Die Wolken hängen tief und ein leichter Nieselregen setzt ein. Mit einem jungen Kollegen, der seine Ausbildung in Deutschland absolviert hat, kommen wir ins Gespräch und verkürzen uns ein wenig die Wartezeit auf die vollständigen Dokumente. Wir müssen Mautgebühren nachzahlen und sind froh darüber, dass unsere Unwissenheit keine Konsequenzen hat. Auf der türkischen Seite treffen wir auf weitere Rallyeteams und tauschen während der Einreiseformalitäten unsere Erfahrungen der letzten Tage aus. Noch 250km bis Istanbul.

 

* * *

Kapitel 2

Türkei

„Reisen ist das Entdecken, dass alle unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken.“
Aldous Huxley

Ich muss gestehen, dass ich so einige Vorurteile vor dem Roadtrip durch die Türkei hatte. Hirngespinste, die sich irgendwie über die Jahre in meinem Kopf manifestiert hatten. Aber auch Meinungen wegen dem, was vor allem die Monate vor unserer Reise durch die Medien geisterte und besorgte Fragen von Freunden und Familie nach sich zog. Freiwillig wäre ich wohl nie in das Land gereist. Nur dem glücklichen Umstand der Allgäu-Orient-Rallye ist es zu verdanken, dass ich nach knapp 1,5 Wochen feststellen konnte, dass das definitiv nicht meine letzte Reise durch die Türkei gewesen sein wird.

Istanbul und die Magie eines neuen Landes.

Jedem Anfang wohnt eine gewisse Magie inne, so auch jedem neuen Land, in das ich meine Füße setze. Wir bahnen uns den Weg durch den Verkehr der türkischen Millionenmetropole. Über 15 Millionen Einwohner hat Istanbul und es scheint, als wären alle zur gleichen Zeit auf den Straßen unterwegs. Kein Navi, keine Karte und keine Ahnung – eine schlechte Kombination nach bereits knapp 700km Fahrt am heutigen Tag.

Auch wenn wir CB-Funkgeräte in unseren Autos montiert haben und darüber kommunizieren können, dürfen wir uns nicht verlieren, denn im bunten Straßengewirr würden wir uns wohl nicht mehr wiederfinden. Elmo fährt vorneweg, danach kommen wir mit Ole, Bertha bildet das Ende unserer kleinen Kolonne. Wir machen die zusätzlich auf dem Dach montierten Scheinwerfer an, damit Elmo uns im Rückspiegel sofort erkennen kann. Sonst wären wir nur ein kleines Licht von vielen.

Überall um uns herum blinken große Reklametafeln, Einkaufszentren wechseln sich mit Tankstellen und Möbelhäusern ab. Reizüberflutung im Überfluss. An einer der Tankstellen, an der wir Halt machen, bekommen wir die Hilfe des Besitzers angeboten. Er schickt einen seiner Mitarbeiter in seinem weißen Porsche Cayenne vorneweg, aber bereits nach kurzer Fahrt und sicherlich auch dem Desinteresse des Mannes geschuldet, verlieren wir ihn im Verkehr der Großstadt. Also alles auf Anfang. Schlussendlich fahren wir einige Brücken und Kreuzungen mehrmals, wechseln die Kontinente, sehen Elmo auf einmal auf der Straße rechts über uns, warten, hupen, blinken und drängeln. Irgendwann finden wir die richtige Straße und landen kurz vor Mitternacht auf dem Parkplatz, den wir uns mit allen anderen Rallyeteilnehmern teilen. Das erste Etappenziel wird natürlich gebührend gefeiert.
 

Der erste Morgen in Istanbul beginnt ähnlich, wie die Nacht zuvor endete: Mit Sorgen um Elmos Kupplung. Die rutscht seit einigen Hundert Kilometern und macht das Schalten vor allem im 3. Gang manchmal unmöglich. Eine denkbar schlechte Ausgangslage für weitere 6000km auf unserem Weg nach Jordanien.

Elmo hat mittlerweile 36 Jahre auf dem Buckel, die Produktion der Marke Magirus-Deutz wurde nach Übernahme durch Iveco in den 80er Jahren eingestellt. Ein Fakt, der nicht unbedingt weiterhilft, um auf dem türkischen Markt Ersatzteile oder sogar eine neue Kupplung aufzutreiben. Durch Kontakte der Rallye-Leitung können die Jungs einen Werkstatttermin in einem der Vororte ausmachen. Wir Mädels bleiben mit Ole zurück und nutzen die Zeit für etwas Koffein in Form von Kaffee und Cola, tauschen Geld, besorgen eine SIM-Karte und ärgern uns doch sehr darüber, dass wir nicht mitgefahren sind. Allemal besser, als in der Sonne auf dem asphaltierten Platz zu sitzen, in meinem Fall mal wieder im 10-Minuten-Takt zwischen Schattenplatz und Toilettensitz hin und her zu wechseln und die anderen Rallye-Teilnehmer im Autokorso ziehen zu lassen.

Mittlerweile flimmert der Asphalt in der Hitze der Frühlingssonne – es wird Zeit aufzubrechen.

Nach einer Weile des Wartens machen wir uns dann doch auf den Weg zum Fahrerlager für die Nacht, einem Parkplatz neben dem Trainingsgelände des türkischen Fußballverbands in Riva. Dort soll heute noch ein Freundschaftsspiel zwischen einer Auswahl der türkischen Nationalmannschaft und einigen Teilnehmern der Allgäu-Orient-Rallye stattfinden.

Ich setze mich ans Steuer von Ole und bin froh über eine Erfahrung, die ich erst 2 Monate davor während eines Roadtrips durch Marokko machen durfte. Damals steckte ich mit meinem Mietwagen mitten in der Medina von Marrakech fest, wo eigentlich keine Autos erlaubt sind, umgeben von Menschen, Mopeds und der ein oder anderen Ziege. Ich bin also emotional für den Straßenverkehr einer orientalischen Großstadt gewappnet und wir reihen uns in die Blechlawine, die Stoßstange an Stoßstange durch Istanbul rollt.

Ich mag diese Art des Verkehrs, sehr sogar. Es ist spannend und man benötigt seine ganze Konzentration. Trotzdem findet man hier nicht das aggressive Fahrverhalten einiger Mitmenschen aus Deutschland, die Hupe ist kein Aufschrei der Entrüstung, sondern nur eine kleine Geste der Aufmerksamkeit. Drängeln gehört zum guten Ton, niemand beharrt auf seinem Recht und in jeder Lücke in der Größe eines Smarts ist Platz für einen Volvo 850.

So brauchen wir für die knapp 30km fast 1,5 Stunden. Erst, als die Sonne schon am Untergehen ist, finden unsere Teamkollegen getrennt voneinander den Weg nach Riva. Bei einem kühlen Feierabendbier und mit müden Gesichtern erfahren wir dann die Kurzfassung der ganzen Aktion: Nach mehreren Anläufen haben sie eine passende Werkstatt für Elmos Größe gefunden … Trotzdem haben sich die Mechaniker nicht an die Feuerwehr herangetraut, die Jungs stattdessen aber mit frischem Tee und Gebäck versorgt … Also wurde selbst Hand angelegt, das Getriebe ein Stück weit ausgebaut, um dann festzustellen, dass sich die Kupplung doch nachstellen lässt … Trotz gegenteiliger Aussage von Iveco … Ende.

Wir haben zwar das Fußballspiel verpasst, sitzen aber gemütlich an der Feuerschale, aus der uns das Lagerfeuer wärmt und leise vor sich hin prasselt. Und jetzt endlich habe ich das Gefühl, auf unserer Reise angekommen zu sein.
 

Die Feuerwehr fällt auf. Mit Elmo und Bertha haben wir die beiden größten Fahrzeuge der Rallye im Team, mit Elmos Sirene dazu noch das lauteste. War er also gestern schon Gesprächsstoff einiger Unterhaltungen aufgrund des Werkstatttermins, macht er heute von sich reden, als er am aufblasbaren Torbogen, der jeden Morgen und Abend am Fahrerlager aufgestellt wird, hängenbleibt und beide Blaulichter unter einem lauten Knacken verliert. C’est la vie.

Ziel der Kolonne ist das Zentrum von Istanbul.

Wir dürfen mit unseren Autos direkt neben der Blauen Moschee parken, in Sichtweite der Hagia Sophia. Ich muss mich in dem Moment an mein Studium erinnern und an eins meiner Lieblingsfächer damals: Architektur- und Baugeschichte. Auch wenn ich den Professor nicht leiden konnte, hat er es nicht geschafft, mir meine Faszination für die Vergangenheit zu nehmen. Die beiden Gebäude, allen voran die Hagia Sophia, gehören zu Meilensteinen der Architekturgeschichte, bis heute einzigartig und unnachahmlich. Istanbuls spannende Bauwelt muss trotzdem aber auf einen erneuten Besuch meinerseits warten.
 
 

 
 
Das ist ja immer so eine Sache, mit den Regeln und den Vorschriften. Sich danach richten möchte man sich nicht, zum Brechen fehlt aber manchmal der Mut. Wie gut, wenn letzteres von einer anderen Person übernommen wird und man sich im Fall der Fälle einfach darauf berufen kann. So fahren wir also ohne Beachtung jeglicher Verkehrsregeln – natürlich auf Anweisung – durch die Straßen Istanbuls, bilden eine kilometerlange Kolonne und blockieren schlussendlich eine der Bosporus-Brücken. Reifen quietschen, Kupplungen stinken und die ganze Szenerie erinnert mich ein bisschen an „Fast & Furious“ in der Light-Version. Nur sitzen wir hier in keinen 500PS-Boliden, sondern in schrottreifen Karren mit mindestens 20 Jahren auf dem Buckel, an denen der Zahn der Zeit ziemlich offensichtlich schon genagt hat.

Die ganze Aktion macht einen wahnsinnigen Spaß und wäre so in Deutschland sicherlich niemals möglich gewesen. Es ist wohl etwas, das wir nicht noch einmal erleben werden und später gebührend am Lagerfeuer mit Bier und Wein bis tief in die Nacht hinein Revue passieren lassen. Wie gut, dass ein ordentlicher Rausch unter freiem Sternenhimmel nicht die Nachwehen hat, wie einer in einer stickigen Großstadt.

Gas geben, Kupplung treten, schalten und die Abgase der Feuerwehr für weitere Stunden einatmen. Rund 600km östlich von uns liegt das Tagesziel mitten in Zentralanatolien. Ein Tag auf den Straßen dieser Welt, der unspannender nicht hätte sein können. Die Landschaft zieht an uns vorbei, der Asphalt unter den Rädern wechselt von Dunkelgrau zu Mausgrau und wieder zurück. Wir kommen nur langsam voran. Ein kurzer Abstecher zu einer Werkstatt, um Elmos rechten Vorderreifen mit Reifendichtmittel zu versorgen, fällt dabei kaum mehr ins Gewicht.

Boğazkale ist ein kleiner Ort im Zentrum der Türkei …

… und bekannt für eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten der Hethiter, einem kleinasiatischen Volk des Altertums. Das aber nur am Rande, denn so eine Rallye ermöglicht zwar den Austausch der Kulturen, weniger aber das Ergründen der Geschichte vor Ort. So sitzen wir wieder in unseren Fahrzeugen und bahnen uns durch das teilweise unbefestigte Gelände, vorbei an halbverfallenen Häusern.

Bertha und Elmo schlagen sich auf den Feldwegen gut, Ole jedoch machen die Bodenwellen und Steinbrocken zu schaffen. Es kracht und rumpelt und nach einem besonders lauten Schlag schleift der Unterbodenschutz auch schon auf der Erde. Kurzerhand fährt mein Freund seitlich auf die Böschung, nutzt das Gefälle als Wagenheber und entfernt das Blech so fachmännisch, wie man eben im Gelände einen Unterbodenschutz entfernen kann. Auch wenn ich mir unter einer Offroad-Fahrt noch etwas mehr „Off“ und weniger „Road“ vorgestellt habe, war die ganze Aktion ein doch recht lustiges Erlebnis.
 
 

 
 
Auf dem weiteren Weg nach Ankara verfahren wir uns im diesmal eigentlich gar nicht so wirren Straßengewirr und werden freundlicherweise von einer Polizeistreife auf einem Motorrad eskortiert. So fühlt man sich gleich besonders wichtig, mit einem Repräsentanten der Staatsgewalt vorneweg. Es wäre aber auch schade gewesen, hätten wir das folgende Rennen auf einem abgesperrten Militärgelände mitten in der türkischen Hauptstadt verpasst.

Auf uns und unsere Autos wartet ein LeMans-Rennen, bei dessen Start sich die Fahrer nicht im Fahrzeug befinden, sondern ein paar Meter davon entfernt stehen, losrennen und die Wagen im Sprung hinein starten. Unzählige Reifen quietschen bei riskanten Bremsmanövern und das Geräusch aufheulender Motoren durchdringt die staubige Luft. Sieger sind wir nicht, obwohl man den Respekt vor der Feuerwehr den Überholenden ansehen konnte. Masse glänzt eben nicht unbedingt durch Tempo, deswegen gewinnt die Kombination aus Beschleunigung und Wahnsinn des israelischen Teams.

Was die Bewältigung der im Roadbook stehenden Aufgaben angeht, sind wir … nun ja, drücken wir es mal so aus: Wir sind da eher nicht so die Streber. Von Anfang an hatten wir nicht die Absicht, die Rallye zu gewinnen. Zu viel Ehrgeiz schadet in dem Fall dem Ganzen und das Ganze ist die Liebe zum Reisen und zur Natur. Auf die Art und Weise der für mich schönste Weg, Landschaften und Menschen zu erleben. Vierundzwanzig Stunden draußen, an sieben Tagen in der Woche. Und Dank diverser Defekte an den Autos, kommen wir auch öfter in den Genuss der Gastfreundschaft der Türken vor Ort.

„Rrrriiimmmm, rrrrriiiiiiiiimmmm.“

Der Abgaskrümmer ist gerissen und der Geräuschpegel des Auspuffs erhöht sich gerade mit jedem gefahrenen Kilometer und Tritt auf das Gaspedal. Eigentlich wollten wir den Tag im Gelände verbringen, denn die Eintönigkeit der Schnellstraßen zerrt doch etwas an der guten Laune. Stattdessen müssen wir uns aber auf die Suche nach einer weiteren Werkstatt für Elmo machen. In Sındırgı, einem kleinen Ort an der Çaygören-Talsperre, werden wir nach drei Anläufen fündig. Und wir bereuen keine einzige Minute unserer gezwungenermaßen alternativen Tagesbeschäftigung.

Die Werkstatt befindet sich abseits des Zentrums, in einer Art Industriegebiet, am Ende einer staubigen Straße voller weiterer Werkstätten für jede Art von mechanischen Alltagsgegenständen. Repariert wird vor dem Gebäude, drinnen wäre aufgrund der vielen Einzelteile sowieso kein Platz gewesen. Ein großer Raum, vielleicht um die 60qm groß, erstreckt sich über 2 niedrige Geschosse. Es scheint, als wären Boden und Wände mal Weiß gewesen, mittlerweile haben sie aber die Farbe von Öl und Abgasen angenommen, genauso wie die Hände des kleinen Mechanikers. Eine schmale Treppe ohne Geländer und weit entfernt von einer deutschen Treppennorm gebaut, führt auf der Längsseite nach oben. Die Unordnung hier drinnen scheint System zu haben und allemal fühle ich mich wohler, als in einer steril ausgeleuchteten Markenwerkstatt.

Innerhalb der nächsten Stunden bekommen wir einen neuen Flansch für den Krümmer, inklusive Schweißarbeiten, Einbau und jeder Menge frischer Backwaren und Getränke. Um einen alten Schreibtisch herum wird extra für uns sechs Platz gemacht und aus jeder Ecke der Werkstatt werden mehr oder weniger ölfreie Stühle aufgetrieben. Höflich werden wir schon fast genötigt, so viel zu essen, bis wir irgendwann lachend und abwinkend auf unsere vollen Bäuche zeigen müssen. Die Verständigung mit den Mitarbeitern findet meistens mit Händen und Füßen oder wahlweise auch mit dem Google Translator statt. Ich war ja bereits in so einigen Ländern dieser Welt unterwegs, aber eine solche bedingungslose Gastfreundschaft habe ich noch nirgends erlebt. Teşekkürler! Dafür und für den Beweis, das alle unserer Bedenken total unbegründet waren.
 

Einer der letzten Tage in der Türkei bricht an. Und, um es Salopp zu sagen, es ist ein Tag für den Arsch. Einigermaßen spannend ist noch der Morgen, als wir an Ole beide Vorderreifen wechseln müssen. Meine etwas unangepasste Fahrweise vom Vortag, mit Gas geben, bremsen, Kurven schneiden, zu dichtem Auffahren, Anlauf holen und die Straßenverhältnisse voll und ganz ausreizen, hat einige größere Blasen auf dem linken Reifen entstehen lassen. Und da wir aus Versehen eine andere Größe als Ersatzreifen mitgenommen haben, muss der rechte Vorderreifen zwangsläufig auch ausgetauscht werden. Wir müssen in dem Moment schmunzeln, als ein paar Jungs aus einem anderen Rallyeteam uns raten, den Reifendruck doch gleich mal auf 4,0 bar zu erhöhen.

Der eigentliche Horror folgt aber spätestens am Abend.

Es hätte bei mir schon beim Namen „Side“ klingeln müssen, einem der größten und bekanntesten Urlaubsorte der türkischen Mittelmeerküste. Naiv frage ich noch, was das denn für ein Vergnügungspark sei, der dort im Dunkeln so leuchtet. Leuchtreklamen in Deutsch, Preise in Euro und Hotelanlagen, die direkt aus einem Walt-Disney-Film entsprungen sein könnten, sind eigentlich genau die Dinge, die man bei so einer Reise nicht erwartet. Wir aber stecken mit Elmo, Bertha und Ole mittendrin. Hier zeigt sich die Türkei von einer komplett anderen Seite, wahrscheinlich aber von der, die die meisten Pauschaltouristen zu Gesicht bekommen.

Das Bier ist schal und teuer, meine Laune ist auf einem Tiefpunkt angekommen und ich verschwinde beizeiten im Bett. Währenddessen versuchen die Jungs das Beste aus der Situation zu machen und versumpfen im Moloch aus All-Inklusive-Bändern, Eimersaufen und Irish Pubs mit „Woo-Girls“. Der Alkoholpegel lässt bekanntlich auch Hemmschwellen sinken und so können sie den DJ, der seine Musik über aneinandergereihte YouTube-Videos laufen lässt, dazu bringen, einige Titel von Jan Böhmermann zu spielen.
 

Gezeichnet vom Hangover der letzten Nacht, fällt das Aufstehen vier von sechs Personen unseres Teams wahnsinnig schwer. Ein Wolkenbruch, der kurzzeitig alle Straßen überschwemmt, verschafft ihnen noch ein bisschen Zeit, bevor wir die Weiterfahrt antreten müssen. Denn wir haben um 21.00 Uhr einen Termin, der nicht verschiebbar ist und keinerlei Spielraum für Kopfweh, alkoholbedingter Dehydration und Nachwehen lässt.

Es sind nur knapp 400km bis zum Hafen in Mersin, trotzdem brauchen wir dafür fast 10 Stunden. Die Straße schlängelt sich elegant mal auf Meereshöhe, mal ein paar 100 Meter darüber an der Küste entlang und kurvenreich macht sie ein Überholen in Kolonne unmöglich. So kommt es, dass wir auch mal getrennt voneinander 20 – 30 Minuten hinter langsamen LKWs festhängen. Das macht aber nichts, denn die Aussicht genießt man eh am besten in Schrittgeschwindigkeit.

 

Angekommen in Mersin, pünktlich auf die Minute, laden wir die Autos bis tief in die Nacht hinein auf ein RoRo-Schiff, das sie bis nach Israel bringen wird. Denn zwischen hier und dort liegt Syrien, das seit 2012 nicht mehr befahren und bereist werden kann. Ein paar Klamotten und Hygieneartikel für die nächsten zwei Nächte verschwinden im Handgepäck, der Rest bleibt in verschiedenen Kisten verstaut in den Fahrzeugen. Die Zollbeamten ziehen stichprobenartig Autos aus der wartenden Schlange, für eine komplette Durchleuchtung, wir sind aber nicht dabei. So kommt es, dass schnell ein paar Päckchen Haschisch dem Mittelmeer preisgegeben werden und wir gegen 3.00 Uhr in der Nacht endlich in Richtung Hotel aufbrechen.

Es ist der letzte Tag in der Türkei und ich sitze in einem Hotelzimmer in Adana. Passend zur Stimmung regnet es die ganze Zeit und große Wassertropfen prasseln taktvoll an das Fenster. Oh, du süße Melancholie.

 

* * *

Kapitel 3

Israel

Ein Roadtrip durch ein Land, dessen Vergangenheit noch immer unsere Gegenwart prägt. Und das selbst bei mir, einer überzeugten Atheistin, eine Gänsehaut auslöst.

Ich glaube … nein, das ist in dem Zusammenhang eher das falsche Wort … Ich denke, es gibt kaum ein geschichtsträchtigeres Land auf unserem Planeten. Ein Land, das jeder glaubt zu kennen, doch keiner wirklich versteht. Nur wer einmal in Israel war, der kann sich mit seinen eigenen Augen ein Bild von all dem machen, was uns sonst in den Medien meist unverständlich und zusammenhangslos vorgesetzt wird. Ich war nur kurz da, zu kurz, und habe in den paar Tagen gemerkt, wie wenig ich doch über all das weiß.

Über Glaube, Religion und die Menschen dahinter.

Wir steigen schon kurz nach Sonnenaufgang in die Chartermaschine, die uns vom türkischen Adana nach Tel Aviv bringen soll. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „soll“, denn seine Aufgabe erfüllt der Pilot erst im zweiten Anflug. Beim ersten drehen wir auf Höhe Zypern um und landen wieder in der Türkei. Warum, das weiß keiner, die Gerüchteküche aber brodelt und reicht von vergessenen Einreiseformalitäten bis hin zu Stempeln in Pässen, die dort nicht hätten sein dürfen. Schlussendlich und leicht nervös, denn der israelischen Grenzkontrolle eilt ihr Ruf voraus, passieren wir aber alle Schalter am Flughafen Ben Gurion ohne Probleme.
 
 

 
 
Schon der erste Eindruck von Israel ist komplett anders, als ich es mir immer vorgestellt habe. Westlich und modern, aufgeschlossen und keinesfalls prüde. Was habe ich denn aber auch erwartet? Ich weiß es nicht. Vielleicht mehr Verschleierung und weniger Minirock, mehr Klischee und weniger von dem Offensichtlichen. Naiv von mir? Vielleicht. Ignorant? Sicherlich.

Ich muss mich einige Male verdutzt umblicken, als wir im klimatisierten Zug nach Haifa sitzen. Israelische Soldatinnen und Soldaten, kaum in der Volljährigkeit angekommen, stehen neben uns in Uniform und mit Maschinengewehren im Anschlag, vertieft in ihre Smartphones oder in Gespräche mit ihren Kameraden. Und ich ertappe mich dabei, wie ich sie fast schon penetrant anstarre. Eigentlich ist die ganze Szenerie eine beiläufige Situation, die in Deutschland ein Grund zur Besorgnis wäre. Hier aber ist es der gewöhnliche Alltag und unsicher fühle ich mich zu keinem einzigen Zeitpunkt.

Im Hafen von Haifa, dem größten internationalen Seehafen Israels, warten wir noch Stunden auf das Schiff mit unseren Autos.

Gegen Abend erreichen wir wieder Tel Aviv und kampieren am alten Hafen in Jaffa.

Was wir in den letzten zwei Wochen gemerkt haben, ist, dass die Tour kein Roadtrip im klassischen Sinn ist, sondern nunmal eine Rallye. Per Definitionem – erklärtermaßen. Es bleibt wenig Zeit für Sightseeing und für Abstecher abseits der schnellsten Verbindung von A nach B. Was sicherlich auch unseren langsamen Fahrzeugen geschuldet ist. Unter Elmos Motorhaube schnurren zwar 176PS, bei 90km/h ist aber Schluss. Berthas 68PS lassen sie öfter mal zurückfallen und Ole läuft mit seinen 140PS durch einen Defekt in der Einspritzung nur im Notprogramm. Nichtsdestotrotz nehmen wir uns manchmal die Zeit für kleine Auszeiten, auch wenn wir dabei eben nicht alle Aufgaben aus dem Roadbook erfüllen können.

 

Die Städte werden kleiner, die Bebauungen weniger, bis wir uns schließlich in der Wüste Negev im Süden Israels befinden. Krüppelige Gewächse trotzen der sengenden Hitze, ansonsten findet sich hier nur noch wenig Leben. Und wir? Wir feiern in der Nacht ein rauschendes Fest, organisiert vom israelischen Rallyeteam, 50km entfernt vom Gazastreifen. Laute Musik dröhnt durch die sternenklare Nacht, der Alkohol fließt in Strömen und wir tanzen barfuß im staubigen Wüstensand zu Liedfett, The Offspring, Backstreet Boys und Fettes Brot.

Ich habe Spaß, jede Menge sogar, und schäme mich ein bisschen dafür. Nicht weit von uns entfernt regiert hinter einer 200m breiten Sperrzone der Terror. Bei dem Gedanken an das Zusammenspiel von Politik, Geschichte, Glauben, Vertreibung, Fanatismus, Machtgehabe, Recht oder Unrecht (haben), Religion, Gerüchten, Fakten und Tatsachenverdrehungen auf so engem Raum, wird mir schwindelig. Und ich frage mich, ob ich in Anbetracht dessen überhaupt das Recht habe, hier zu feiern und dem Leben zu frönen.

 

Die Nacht war kurz, der Morgen ist dafür umso zäher. Es ist unfassbar heiß und die Sonne treibt uns bald schon aus den überhitzten Autos. Nur die erhoffte Abkühlung im Toten Meer macht das Aufstehen einigermaßen erträglich. „Warum haben wir eigentlich nicht die Türen und Fenster in der Nacht offen gelassen?“ – „Na wegen der Skorpione!“ Stimmt, da war ja was.

Wir fahren wieder Richtung Norden, raus aus der Wüste, hinein ins Westjordanland. Vorbei an einer Landschaft, die absolut surreal wirkt. Etwas ähnliches habe ich auf meinen vielen Reisen davor noch nicht gesehen. Auch das ist unser Planet! Normalerweise zieht es mich eher in die Berge, wo sich die Farben Grau und Grün abwechseln und schroffe Bergspitzen in den Himmel ragen. Hier aber stehe ich auf einem kleinen Hügel, die Straße hinter mir und vor mir eine karge und trostlose Landschaft, über die sich ein staubig-milchiger Farbfilter gelegt hat. Ein Gemälde, wie es nur Mutter Erde zeichnen kann. Ich bin verliebt.

Erst am nördlichen Ende des Toten Meeres finden wir einen offiziellen Strandabschnitt. Entlang der Zufahrtsstraße steht ein alter Wasserpark, der spärlichen Natur überlassen, und wir passieren einige leerstehende Baracken mit Einschusslöchern in der bröckelnden Fassade. Überbleibsel einer jordanischen Siedlung, die dem Sechstagekrieg im Juni 1967 zum Opfer gefallen ist. Zwischen 1948, seit dem Palästinakrieg, und 1967 wurde damals das Westjordanland und die Altstadt Jerusalems von Jordanien besetzt und illegal annektiert.

 

Nach ein paar Metern stehen wir vor dem Eingang zum Kalia Beach, um uns herum ein ordentliches Gewusel aus allen möglichen Sprachen, Hautfarben und Herkünften. Das 30 Grad warme Salzwasser stellt zwar nicht unbedingt die erhoffte Abkühlung dar, trotzdem genieße ich das schwerelose Vergnügen auf immerhin 420 Metern unter Normalnull. Noch mehr aber die darauf folgende und bitter nötige Dusche.

Und dann stehen wir auf einmal neben Donald. Donald Trump. Höchstwahrscheinlich zumindest.

Unser Tagesziel ist die Innenstadt Jerusalems, die wir über die karge Landstraße 1 erreichen. Wir fahren in Ole vorneweg, Elmo und Bertha folgen uns ohne Abstand im dichten Straßenverkehr. Plötzlich sehen wir im Rückspiegel, dass beide Autos an einer Kreuzung abbiegen, mit keinerlei Reaktion auf unsere anschließenden Funksprüche. Wir sind etwas genervt von dem Alleingang der Vier, schließlich wissen weder wir noch sie, wo es langgeht und wie wir uns wiederfinden sollen.

Also fahren wir rechts ran, warten und sind auf einmal komplett alleine auf einer Straße in Jerusalem, mitten zur Rush Hour. Einzig drei schwarze und gepanzerte Karossen mit ausländischen Nummernschildern ziehen in dem Moment an uns vorbei, als wir zum weiterfahren ansetzen wollen. Der amerikanische Präsident Trump beendet gerade seinen Staatsbesuch in Israel und ist auf dem Weg zum Flughafen nach Tel Aviv. Unsere Teamkollegen wurden umgeleitet und durften uns nicht folgen, die Begegnung ist auch eine Erklärung für den in dem Moment blockierten CB-Funk.

Jerusalem – der Ort, wo so vieles begann.

Jerusalem klingt eigentlich wie Musik in den Ohren. Wie ein Lied, das Ruhe und Würde ausstrahlt, mit einem epischen Refrain. Doch irgendwie hat sich in das Lied PSY mit Gangnam Style eingeschlichen. Am Anfang zwar noch leise, bald darauf aber immer lauter.

Ich bin kein religiöser Mensch, war es noch nie gewesen, doch trotzdem löste die Stadt schon immer eine gewisse Faszination in mir aus. Grundlage und auch Zentrum einiger der größten Religionen dieser Welt, steht sie da, ziemlich unscheinbar sogar. Dank eines Teammitglieds vom Team Kamelroas bekommen wir eine private und sehr spannende Führung durch die Altstadt, vorbei am Grab Jesu und der Klagemauer. Nur um keine 100m davon entfernt auf Stände mit „Hello Kitty“-Shirts und „I love Jesusalem“-Taschen zu treffen.

Mit einem wohl etwas verklärten Blick habe ich mir doch etwas anderes vorgestellt. In dem kurzen Moment meines Besuchs, eigentlich nur einem Wimpernschlag gleich, hat die Stadt die Würde verloren, die sie für mich vorher in weiter Ferne ausgestrahlt hat. Aber ich möchte mir auch kein so richtiges Urteil erlauben, was schließlich in Anbetracht der Geschichte, die die Stadt, ihre Bewohner und jeder einzelne Stein erzählen könnte, ziemlich vermessen wäre. Ich habe mal wieder gemerkt, dass ich noch viele Bücher lesen und noch mehr Gespräche führen muss, um auch nur annähernd den ganzen Umfang verstehen zu können. Eins aber weiß ich mit 100%er Gewissheit: Religion, egal in welcher Form, und ich, wir werden wohl nie zueinander finden.
 
 

 
 
Zurück bei den Autos angekommen und abfahrbereit für das letzte Land auf unserer Reise, erwartet uns ein weiterer Punkt im klassischen Rallyealltag: Nothilfe durch Abschleppen. Der BMW vom Team meh. hat ein Leck in der Leitung der Servolenkung. Zeit für eine Reparatur bleibt keine, da wir bis 15 Uhr an der jordanischen Grenze kurz unterhalb von Syrien sein müssen. Die Abschleppstange, die eigentlich als Vorsorgemaßnahme für Ole gedacht war, wird ausgepackt und das kleine Auto hinter die große Feuerwehr gehängt. So fahren wir in Kolonne die nächsten zwei Stunden durch Israel und diesmal sind es nicht wir, die die Abgase von Elmo schlucken müssen, sondern die Jungs im BMW, die deshalb trotz Hitze die Fenster nicht öffnen wollen.

Wir haben mehrere wasserfeste Lackstifte dabei, damit persönliche Begegnungen von unterwegs sich auf den Autos verewigen können. Meistens fällt die Wahl dabei auf die Feuerwehr, so auch an der israelischen Grenze, als zwei Beamte direkt danach fragen. Die Einreise nach Jordanien ein paar Meter weiter dauert für alle Teams über vier Stunden, Anmeldung und Versicherung ziehen sich bis zum Sonnenuntergang. In der Zwischenzeit werden die Klappstühle aufgebaut, Bierdosen herausgeholt und Musik dringt aus diversen Lautsprechern – Festivalstimmung an der israelisch-jordanischen Grenze. Und ich nehme mir in dem Moment vor, dass ich bald schon wiederkommen muss – in dieses faszinierende Land für alle Sinne.

 

* * *

Kapitel 4

Jordanien

Eines der Länder, auf das ich mich besonders gefreut habe. Und eine der größten Enttäuschungen, zumindest auf zwischenmenschlicher Ebene.

Auch Monate nach der Reise durch Jordanien weiß ich noch immer nicht, wie ich einige erlebte Situationen in dem Land einschätzen soll. Wir, die vermeintlich „reichen“ Europäer, reisen mit unseren großen Autos voller „Reichtümer“ durch ein armes Land. Das und die konservativ ausgelegte Rolle der Frau im Islam führte zu einigen unangenehmen Momenten. Nichtsdestotrotz ist Jordanien ein Land, das vor allem landschaftlich begeistert.

Aber ist es nicht immer das Komplettpaket aus Mensch und Natur, das erst die Erinnerungen und Eindrücke perfekt werden lässt?

Ein unerwarteter Kulturschock, nachdem wir die Grenze endlich überquert haben. Wirkte Israel doch außerhalb Jerusalems modern und wohlhabend, zeigt sich uns in Jordanien ein komplett anderes Bild. Frauen sind wieder verschleiert und eine nicht greifbare Armut finden wir gleich auf den ersten Kilometern im neuen Land vor. Wir fahren zusammen mit zwei weiteren Teams durch die dunklen und unbeleuchteten Straßen und ich versuche in dem schwarzen Nichts, an dem wir vorbeiziehen, etwas zu erkennen. Nachts sind ja bekanntlich alle Katzen grau, deswegen bleibt es eine Kulisse, die überall auf der Welt hätte stehen können.

Bereits die erste Aktion in Jordanien endet mit unangenehmen und eindeutigen Gesten, als wir an einer kleinen Tankstelle mit unseren Autos und Mädels die Aufmerksamkeit etwas zu sehr auf uns lenken. Das Wüstencamp, unser Nachtlager, finden wir erst beim zweiten Anlauf und nur mithilfe einiger Scheinwerfer, die plötzlich am Straßenrand auftauchen. Ein großes weißes Zelt steht mitten auf einer weiten Fläche, davor aufgebaut einige Plastiktische mit Getränken und großen Schalen voller Lamm, Reis und Ziegenmilch (das Nationalgericht Mansaf). Grüppchenweise um die Tische verteilt, dürfen wir unsere westeuropäischen Essensgewohnheiten beiseite legen und mit unserer rechten Hand den Reis in unsere hungrigen Mägen befördern.

Mittlerweile hat sich eine gewisse Morgenroutine eingestellt.

Das Wasser für Kaffee und Tee köchelt auf dem Campingkocher, mit noch schlafendem Geist sitzen wir auf der Bierbank und essen ein kleines Frühstück, bestehend aus lokalen Köstlichkeiten. Danach putzen wir die Zähne unter freiem Himmel und immer mal wieder verschwindet jemand in den hinteren Teil der Feuerwehr, wo wir inzwischen unser DIY-Campingklo untergebracht haben.

Kurz nachdem wir den Großteil unserer Sachspenden an Kinder überreicht haben, deren Schule aus dem Erlös des Verkaufs der Autos unterstützt wird, fahren wir weiter nach Amman, in die jordanische Hauptstadt. Hier sind wir ausnahmsweise mal nicht der Grund für blockierte Straßen und Kreuzungen, stecken aber trotzdem mit Vorliebe darin fest. Hupkonzerte und dichter Verkehr, vorbei an Straßenzügen mit tristen Fassaden. Die Anonymität einer Großstadt, hektisch und intensiv, der komplette Overkill für alle Sinne nach Tagen der Ruhe auf diversen Straßen im Nahen Osten. Für mich in dem Moment nur eine Stadt von vielen.

Herrscherin über 176 Pferde. Oder auch: Die Pferdeflüsterin.

Hatte ich die Wochen vorher immer nur davon gesprochen, dass ich irgendwann auch gerne mal Elmo fahren möchte, wurde ich jetzt dazu „gezwungen“. Ich versuche mich anfangs noch mit fadenscheinigen Begründungen rauszureden, schwafele vom vielen Verkehr, Großstadt und jeder Menge „Mimimi“, lande aber schlussendlich doch in der Fahrerkabine der Feuerwehr. Vielen Dank dafür, sonst wäre es wahrscheinlich nur bei meinem Gerede und viel heißer Luft geblieben.

Da sitze ich nun knapp zwei Meter über der Erde am Steuer eines 7,5-Tonners, vor mir ein Lenkrad so groß wie ein PKW-Reifen und neben mir ein Schalthebel, für den ich meine ganze körperliche Kraft brauche. Ich werfe den Motor an und unter mir dröhnen geballte 176PS. Der erste Gang ist nur Zierde, angefahren wird im zweiten und geschalten wird nach Gehör. Einen Drehzahlmesser gibt es nicht und die Geschwindigkeitsanzeige ist bereits seit einigen Tausend Kilometern defekt. Die Fahrerkabine wackelt, inklusive der Tanknadel, die zwischen „fast voll“ und „fast leer“ hin und her schwankt. Und so fahre ich los, mit schwitzigen Händen und einem breiten Grinsen, barfuß und aufgrund meiner geringen Körpergröße kaum bis zu den Pedalen kommend. Und von nun an versaut auf Lebenszeit.
 
 

 
 
Der letzte offizielle Tag der Rallye ist angebrochen. Unfassbar, aber eben auch nicht von der Hand zu weisen. Ich denke unweigerlich an zu Hause und an das, was dort auf mich wartet. Beziehungsweise eben nicht auf mich wartet. Mein Herzmensch befindet sich an meiner Seite, außerdem steht neben uns ein Auto, in dem es sich hervorragend schlafen lässt. Bestückt mit allen Dingen, die man zum Überleben braucht. Ich würde vielleicht nicht in Jordanien bleiben, eher wieder nach Israel fahren. Und von dort zurück in die Türkei übersetzen, weiter über Georgien bis nach Tadschikistan. Das wäre ganz nach meinem Geschmack. Um aber nicht jetzt schon dem Post-Travel-Blues zu verfallen, fahren wir nach Petra, zur berühmten Felsenstadt und dem Highlight Jordaniens. Ein bisschen Sightseeing nach tausenden Kilometern, bevor wir übermorgen den Heimflug antreten werden (müssen).
 

Auf dem Weg gen Süden, in einem kleinen Dorf, treffen wir auf eine Gruppe Kinder, denen wir unsere letzten Spenden geben – ein paar Packungen Buntstifte. Vor allem das Leuchten in den smaragdgrünen Augen eines Mädchen, das sich über das für uns doch eher banale Geschenk wahnsinnig freut, zeigt mir wieder, in was für einem Überfluss wir Westeuropäer leben.

Und die einfachen Dinge dort oftmals nicht mehr zu schätzen wissen.

Die Felsenstadt Petra. Eines der neuen Sieben Weltwunder, in der Antike Hauptstadt der Nabatäer und Drehort einiger Filme wie „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ oder „Transformers – Die Rache“. Es ist also nicht verwunderlich, dass wir hier eine typisch touristische Infrastruktur vorfinden, mit ausgebautem Parkplatz, einer Vielzahl von Reisebussen und bunten Verkaufsständen. Während ich mir so den Weg durch Siq, die Schlucht, bahne, schlittern immer mal wieder klapprige Kutschen an mir vorbei. Besetzt mit anderen Touristen, die sich die ersten zwei Kilometer chauffieren lassen, wobei die Pferde dabei über den rutschigen Steinboden gejagt werden. Um mich aber darüber aufzuregen, fehlt mir gerade die Kraft.

Die Sonne brennt auf meiner Haut, die nach Schweiß und Sonnenmilch riecht, und nur mit Mühe klettere ich auf die umliegenden Berge, jeden noch so kleinen Schatten für eine kurze Pause nutzend. Da es bereits Mittag ist und diese leuchtend gelbe Kugel am Himmel ziemlich hoch steht, werden die Schattenplätze immer weniger, die Erholung somit auch. Ich trinke zwar aus der Wasserflasche im Minutentakt, trotzdem hämmert es dumpf in meinem Kopf, direkt hinter den Schläfen.

Wie in Zeitlupe setze ich einen Schritt vor den anderen. Eigentlich ist es ja auch eine unglaublich dämliche Idee, sich zur Mittagszeit in einer Gegend aufzuhalten, wo sonst kaum ein Baum wächst. Das denke ich mir zumindest gerade, zusammen mit einigen anderen Flüchen und Schimpftiraden und dem Abwägen des Für und Widers einer Umkehr. Aber: Mein Ehrgeiz ist gepackt und aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Kam es noch nie. In meinem Schneckentempo werde ich von den Jungs aus dem israelischen Team überholt, die meine Wasserreserven wieder auffüllen und mich bitten, die halbe Flasche auf einmal zu trinken. Ein charmantes Grinsen später sind sie auch schon wieder verschwunden.
 

Schlussendlich bereue ich keine Minute. Egal ob das „Schatzhaus“ Khazne al-Firaun, das Römische Theater oder diverse Gräber und Kultstätten – ich fühle mich wie in einem Himmel aus Architektur und Geschichte. Angestrahlt von der Sonne, rot leuchtend, ist die Felsenstadt ein Überbleibsel längst vergangener Tage eines untergegangen Volkes.

Eine eiskalte Cola lässt langsam die Kopfschmerzen erträglich werden und gibt mir wieder neue Energie. Mein persönliches Allheilmittel, wenn gerade kein See, wahlweise auch Meer, in der Nähe ist. Wir laufen zurück zu den Autos und dort kommt es zu einer dieser Situationen, die ich bis heute nicht richtig deuten kann. Zwei große weiße SUVs blockieren die Feuerwehr und die Besitzer fragen barsch nach Spenden und der Verkäuflichkeit von uns Frauen. Die Spannung, die in dem Moment in der Luft liegt, ist schon fast greifbar. Wir wissen nicht so richtig, was die Männer wirklich von uns wollen und manövrieren uns wortlos aus der undefinierbaren Lage. Nur ein paar Kilometer weiter treffen wir aber wieder auf große Hilfsbereitschaft, als wir uns in der nächstgelegenen Stadt in den engen Gassen festgefahren haben.

And now: It’s time to say „Goodbye“.

Die Abschiedsparty der Rallye findet im Wadi Rum statt, dem größten Wadi in Jordanien. Und landschaftlich ein absoluter Augenschmaus. Braun in allen Farbnuancen und eigentlich ziemlich karg und lebensfeindlich wirkend, ist es doch eine faszinierende Aussicht, die wir gerade durch die schmutzigen Windschutzscheiben unserer Autos genießen. Niemand konzentriert sich mehr auf die Straßen, dafür ist das Fleckchen Erde einfach zu schön. Der Fahrtwind schafft etwas Abkühlung durch die heruntergekurbelten Fenster, während die Wüstenlandschaft stumm an uns vorbeizieht und unsere Bewunderung regungslos entgegennimmt.

Wir gehören zu den ersten Teams, die den Torbogen durchfahren und ein leichter Abschiedsschmerz macht sich breit. Um dem schnell entgegenzuwirken, fahren wir in die Wüste, um zu merken, dass sich auch eine tonnenschwere Feuerwehr mit Allradantrieb im feinen Sand festfahren kann.

Wir sitzen alle sechs gemeinsam auf dem Dach der Feuerwehr, ein kühles Bier in der Hand, und genießen den Sonnenuntergang. Ein unwirklicher Anblick, mit all den schrottreifen Autos vor dieser Kulisse. Immer mal wieder gesellen sich weitere Leute über die Leiter am Heck zu uns hoch, zu Spitzenzeiten sind wir ein Dutzend. Und die Gespräche variieren in den nächsten Stunden von angenehm oberflächlich und belanglos zu tiefgründig und abendfüllend.

Das Kamel haben wir nicht gewonnen.

Das macht aber auch nichts, es war sowieso nicht die Absicht unserer Reise. Wir wollten Menschen und Kulturen erleben und die Fremde sehen, die andere Leute ihre Heimat nennen. Wir wollten die Freiheit der Straße spüren und der ein oder andere sich dabei auch selbst finden. Bekommen haben wir all das und vielleicht auch noch ein bisschen mehr.
 

Zeit schien während der Rallye relativ. Wir hatten jegliches Gefühl für Raum, Ort, Himmelsrichtung oder Wochentag verloren. Dinge, die uns Zuhause Kopfzerbrechen bereitet hätten, waren einfach nur noch banal und unwichtig. Existenzielle Sachen wiederum gewannen an Bedeutung. Eine warme Mahlzeit, ein sauberes Klo, eine Dusche und ein frisches Shirt machten uns zu den glücklichsten Menschen überhaupt. Unsere Klamotten rochen wahlweise nach Lagerfeuer oder Diesel, manchmal aber auch nach beidem zusammen. Ich für meinen Teil habe einen Roadtrip erlebt, der mir gezeigt hat, was wirklich wichtig in meinem Leben ist – die Selbstbestimmtheit, in jeder Minute frei entscheiden zu können, wohin der Weg mich führt. Nichts zu müssen, nur zu wollen. Frank Turner hat es in seinem Lied „The Road“ bereits auf den Punkt gebracht: „The horizon is my home“.

 

* * *

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  • Eva on 5. April 2018

    Ich habe diese Reportage mit grossem Interesse bis zum Ende gelesen.
    Ich kann so sagen: die Menschen, die viele Tausend Kilometer unterwegs sind, sind echte Helden!!! Sie reisen durch die ganze Welt, sehen verschiedene Länder und verschiedene Sitten.
    Das ist interessant und toll, aber nicht fur mih.
    Ich konnte das nicht tun
    Вie Fahrer der Rallye!!! Respekt on mir!!!

    Antworten

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