Loading...

The Travel Episodes

Ruanda

Mister Guhonda und die letzten Gorillas

Ich kauere im Dickicht des Bambuswalds an einem Vulkan in Ruanda. Ein Knacken. Und plötzlich steht er vor mir – Mister Guhonda, der gewaltigste Silberrücken auf dieser Erde.
Von Susanne Maier.

Ein Rascheln im Unterholz, schwarze, schemenhafte Gestalten, die sich ringsherum hinter den Ästen bewegten, ein tiefes Grunzen. Dann sind sie plötzlich da.

Die letzten Berggorillas der Erde.
Ohne Scheiben, ohne Zaun.

Adrenalin pulsiert durch meine Adern. Als sei es in diesem Moment das normalste auf der Welt, bewege ich mich vorsichtig und kauernd durch den dichten Wald, näher zu ihnen hin, in meinem Kopf ein wirrer Mix aus unbeschreiblicher Freude, Faszination und Furcht.

Ich staune über eine auf einem Bett aus Blättern liegende, stillende Mutter, balgende und posende Gorillamännchen, verliebe mich in das Baby, das auf dem Rücken seiner Mutter reitet und lache beim Anblick des Kleinen, der sich immer wieder im Kreis um den Baum schwingt und schon fast wie die Großen auf seiner kleinen Brust trommelt. Sie spielen, sie kämpfen, sie dösen, sie mampfen sich genüsslich durch wilden Sellerie und werden beschwipst von saftigem Bambus. Familienidylle auf 3.000 Metern.

Dann ein lautes Knacken und Krachen im Gebüsch, ein kurzes Grollen und dann steht er vor mir: Mr. Guhonda, ältester und gewaltigster aller Gorilla-Silberrücken auf diesem Planeten. Zwei Meter groß und 220 Kilogramm schwer. Ein Kopf dreimal so breit wie meiner und Arme dick wie zwei Schenkel.

Eine Welle aus Furcht überkommt mich, als er direkt auf mich zukommt, doch ich bleibe sitzen und kann ihn nur noch anstarren. Die sieben Meter Abstand, die wir versuchen einzuhalten, sind den Gorillas herzlich egal. Er berührt mich fast, als er ganz nah an mir vorbeischreitet.

Guhonda ist der Boss, und ich bin nur kurz zu Gast in seiner Welt.

 

* * *

Die Virunga-Vulkane von Ruanda

Geheimnisse im Nebel

Ein Tag zuvor: Ich stehe auf einer 2.600 Meter hohen Anhöhe im äußersten Nordwesten Ruandas, auf der Terrasse der Virunga Lodge.

Vor mir erstreckt sich ein weites grünes Tal, aus dem die Vulkane der Virunga-Bergkette in den Himmel ragen, hinter mir liegen tief unten die tiefblauen Zwillingsseen Bulera und Ruhonda, dazwischen überall üppiges Grün und terrassenartige Felder.

Es ist eine der schönsten Landschaften, die ich je gesehen habe.

Hier, im Dreiländereck zwischen Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo, in den Nebelwäldern an den Hängen der Vulkane, leben die letzten Berggorillas der Erde. An die 400 sollen es hier und im Kongo noch sein, weitere 400 leben im Bwindi-Wald drüben in Uganda – nur ein Gorilla auf zehn Millionen Menschen auf der Welt.

Neben den vom Aussterben bedrohten Gorillas leben in den Bergnebelwäldern der Virungas noch die ebenfalls vom Aussterben bedrohten, extrem seltenen Golden Monkeys, aber auch wilde Büffel, Antilopen, Elefanten und viele weitere Arten. Ihr Lebensraum ist seit 1925 durch den ältesten Nationalpark Afrikas geschützt – heute aufgeteilt in den Volcanoes National Park auf ruandischer und den Virunga Nationalpark auf kongolesischer Seite.

So wunderschön und einzigartig diese Landschaft auch ist, so umkämpft und sorgenbeladen ist sie, voller Geschichten von Krieg und Gewalt, aber auch von Neuanfang und Hoffnung.

Und mittendrin die Gorillas. Werden sie es schaffen zu überleben?

Am Vormittag waren wir mit unserem gemieteten Jeep aus Uganda über den nahe gelegenen Grenzübergang von Cyanika nach Ruanda gekommen. Die Grenzbeamten staunten nicht schlecht über die zwei „wazungu“-Frauen, die ohne Guide und Fahrer, dafür aber mit eigenem fahrbaren Untersatz bei ihnen aufschlugen, den wir nun aus Uganda auszuführen und nach Ruanda einzuführen gedachten.

Nach einigem hin und her, Formularen und Stempeln, Parken vor dem Schlagbaum und mehrmaligem Überqueren der Grenze zu Fuß (nur mit Pass in der Hand) konnten wir sie schließlich passieren. Langsam rollten wir zwischen schwer bepackten, vom Markt auf der ugandischen Seite kommenden Fußgängern und meterhoch mit Zuckerrohr und Matoke beladenen Fahrrädern über die Grenze und quälten unseren kleinen Jeep die steile, schlaglochübersäte Piste zur Virunga Lodge hinauf, staunend beim Ausblick über das „Land der Tausend Hügel“, wie Ruanda auch genannt wird.

Der Name ist Programm – auch wenn man angesichts der Virunga-Vulkane hier im Nordwesten nicht mehr von Hügeln sprechen kann. Die üppige Vegetation bis hinauf zu ihren Gipfeln täuscht: Diese Berge sind zwischen dreitausend und viereinhalbtausend Meter hoch. Sie tragen klangvolle Namen wie Mgahinga, Muhabura, Sabyinyo, Karisimbi. Drüben im Kongo erhellen Nyiragongo und Nyamuragira mit ihrem Feuerschein die Nacht, alle anderen Vulkane liegen im Dornröschenschlaf.

Foto 1

Umkämpfte Heimat

Die Virunga-Vulkane bilden die Grenze zwischen Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo und sind Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Sie sind die Heimat der letzten Berggorillas der Erde – und diese ist bedroht.

Wer sich diese Landschaft als unberührte Wildnis vorstellt, irrt. Wie Inseln ragen die Bergnebelwälder aus einem der am dichtesten besiedelten Landstriche Afrikas heraus. Die schwarze Vulkanerde ist fruchtbar, Felder und Dörfer ragen bis an die Flanken der Vulkane heran, direkt dahinter beginnt wie mit einer scharf abrasierten Kante der Wald. Nicht nur die Einschränkung ihres Lebensraums durch Ackerbau und Siedlungen bedroht die Lebenswelt der Berggorillas, sondern auch Wilderei und politische Instabilität in den drei Ländern.

Und auch diejenigen, die die Gorillas schützen, leben gefährlich.

1967 kam Dian Fossey nach Ruanda, um in einer Langzeitstudie das Verhalten der Berggorillas zu erforschen. Sie richtete im Volcanoes National Park ein Forschungszentrum ein und widmete sich dort fast zwanzig Jahre der Erforschung und dem Schutz der Gorillas. Mit ihren Filmen, Artikeln und ihrem Buch „Gorillas im Nebel“ (1988 mit Sigourney Weaver verfilmt) sorgte sie für weltweite Aufmerksamkeit für die Situation der Gorillas, für die sie alles bereit war zu tun, auch mit eigenwilligen Methoden. Vor Ort führte sie nicht nur ihre Feldforschungen durch, sondern kämpfte auch gemeinsam mit Parkwächtern gegen die Wilderei. 1985 fand man sie ermordet in ihrer Forschungsstation. Waren es Wilderer? Stand sie der wirtschaftlichen Ausnutzung der Gorillas durch den Tourismus im Weg?

Ihr Mord ist bis heute nicht aufgeklärt. „No one loved gorillas more“, steht auf ihrem Grab, das man im Rahmen einer Tageswanderung besuchen kann. Es liegt neben ihrer alten und mittlerweile verfallenen Forschungsstation – und den Gräbern ihrer liebsten Gorillas.

Rebellengruppen versuchen auch heute noch immer wieder, sich in den Wäldern des Parks anzusiedeln. Im Kongo mit Erfolg: Dort versuchen die Ranger gar mit paramilitärischen Methoden und unter Einsatz ihres Lebens, die Gorillas zu schützen und die Parks gegen Rebellen zu verteidigen. Ende 2012 wurde ein ruandisches Camp des Dian Fossey Funds zur Wildereibekämpfung von der im Kongo operierenden Hutu-Rebellengruppe Democratic Forces for the Liberation of Rwanda (FDLR) angegriffen.

Die Instabilität in der Region wurzelt im schlimmsten aller Kapitel der jüngeren Geschichte: 1994 gipfelte der Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda in einem unbeschreiblichen Völkermord. Innerhalb von hundert Tagen wurde fast eine Million Menschen auf grausamste Art und Weise ermordet (in einem Land mit acht Millionen Einwohnern); allein zwei Millionen Flüchtlinge sammelten sich entlang der Grenzen des Nationalparks, den sie für Feuerholz und „Bushmeat“ plünderten. Auch das Nationalparkzentrum wurde 1992 bei Kämpfen angegriffen und alle Aktivitäten im Park bis 1999 eingestellt, das Personal musste fliehen, der Gorilla Tourismus kam zum Erliegen.

Die Geschichte des Genozids mit seinen Folgen ist die schrecklichste aller Geschichten, auf die jeder Ruanda-Reisende früher oder später unweigerlich und völlig ungebremst treffen wird, erzählt von den Überlebenden – unserer Generation.

Sie wird dir dein Herz noch mehr zerreißen als der Blick in die dunklen Augen eines Gorillas, doch das Erstaunliche ist: Beides Mal wirst du auch große Hoffnung verspüren.

Foto 2

Das Geschäft mit dem Gorilla Tourismus

Die Berggorillas sind in Ruanda zum Aushängeschild geworden, der Gorilla Tourismus hat sich zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein entwickelt. Man ist stolz auf die Erfolge: Die Wilderei sei eingedämmt, der Bestand der stark vom Aussterben bedrohten Tiere wächst. Derzeit gibt es in Ruanda zehn habituierte, an Menschen gewöhnte Gorillagruppen, die man im Rahmen geführter Gorilla Trekking-Touren in ihrem natürlichen Habitat im Wald des Volcanoes Nationalparks aufspüren kann. Einmal am Tag dürfen sich ihnen maximal acht Menschen für eine Stunde nähern, Mindestabstand sieben Meter.

Reguliert wird die touristische Vermarktung der Gorillas durch eine stark limitierte Anzahl an Gorilla Permits (80 pro Tag in Ruanda), die zudem mit 750 US-Dollar pro Person sehr teuer sind. Mit den Geldern werden zum Beispiel Parkranger ausgebildet und medizinische Versorgung für die Gorillas bezahlt. Die umliegenden Gemeinden erhalten 20 Prozent der Gelder. Ohne den Gorilla Tourismus würde es die Gorillas vielleicht nicht mehr geben, sicherlich wäre ihre Zahl stark dezimiert. Und dennoch…

„Ob das nachhaltig ist?“, frage ich mich mehr als einmal auf dieser Reise (die ich aber genau wegen der Gorillas untergenommen habe). Schadet den Gorillas die Vermarktung? Was ist mit den Krankheiten, die sich von uns auf Gorillas übertragen? Sollten wir sie nicht lieber in Ruhe lassen?

Ja und nein. Die Antwort ist so widersprüchlich wie beinahe alles in diesem Teil der Welt.

Der Gorilla Tourismus ist ein Dilemma.

„It has its place“, sagt Emmanuel, unser Ranger, der uns auf das Gorilla Trekking begleitet, und ich denke, er hat Recht. Sein Vater war Jäger, erzählt er uns (also Wilderer nach unserer heutigen Definition). Seit Emmanuel ein kleiner Junge war, begleitete er seinen Vater in den Wald. Er war vier Jahre alt, als er dabei das erste Mal einem ausgewachsenen Gorilla gegenüberstand. Emmanuel konnte eine Ranger-Ausbildung absolvieren und führt heute Touristen in den Wald zu den Tieren, die er und die anderen Ranger alle namentlich kennen. Er ist stolz auf die Gorillas und dass er sich für sie einsetzen kann.

Seine Geschichte zeigt, wie das Miteinander von Mensch und Gorilla funktionieren kann. Sie zeigt, dass das Überleben der Gorillas eng mit der Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung zusammenhängt, die mit dem Wald interagieren und vom Tourismus in der Region profitieren möchten.

Doch so einfach scheint das noch nicht zu funktionieren. Viele Einheimische sind frustriert, weil sie nicht oder nicht genug von den Geldern der Touristen abbekommen, gleichzeitig aber auch den Wald durch die Einrichtung des Nationalparks nicht mehr nutzen dürfen. Auch die Ureinwohner, die Pygmäen, wurden umgesiedelt. Einige Einheimische profitieren zwar direkt oder indirekt vom Gorilla Tourismus, z.B. durch den Verkauf von Souvenirs oder durch Jobs in Guesthouses, doch wie ich vor Ort erfahre, haben die meisten von ihnen noch nie in ihrem Leben einen Gorilla zu Gesicht bekommen. Es gibt zwar vergünstigte Eintrittspreise für die Lokalbevölkerung, doch diese sind immer noch verhältnismäßig teuer. Das Erlebnis bleibt also reichen Touristen vorbehalten, die – wie wir – bereit sind, für ein Permit 750 Dollar zu bezahlen, nur um den Gorillas eine Stunde nahe kommen zu dürfen.

Sind wir eigentlich verrückt?

 

* * *

In den Urwald

Begegnung im Nebelwald

Niemand kann zu diesem Zeitpunkt genau sagen, wie lange es dauern wird, bis wir die Gorillas finden.

Am nächsten Morgen stehe ich um sieben Uhr im Nationalparkzentrum, wo wir in kleine Gruppen eingeteilt und unserem Team vorgestellt werden: Unsere Ranger Lois und Emmanuel, mehrere Tracker, die uns im Wald zur jeweiligen Gorillagruppe lotsen werden, zwei Eskorten und Porter, die wir anheuern können, damit sie unsere Rucksäcke tragen und wir uns leichter durch Matsch und dichte Vegetation schlagen können.

Niemand kann zu diesem Zeitpunkt genau sagen, wie lange es dauern wird, bis wir die Gorillas finden. Die Gruppe, die wir heute suchen werden heißt Sabyinyo. Dreizehn Mitglieder, zwei Silberrücken. Als erstes bekommen wir sowieso erst einmal eine gründliche Einweisung. Lois und Emmanuel versuchen uns darauf vorzubereiten, was uns gleich erwarten wird, stellen uns die einzelnen Mitglieder der Gorilla-Gruppe vor und geben Anweisungen, wie wir uns zu verhalten haben: sieben Meter Abstand einhalten, sie nicht anfassen, niemals wegrennen.

„Mrrrrrrhm-Mrrrrhm.“ Ein tiefer brummender Laut heißt „Hallo“ und „Hakuna Matata“ – „no problem“ auf Suaheli.

„Mrrrrmmmh-mrrrrrrhm“, üben wir im Chor.

Emmanuel unterscheidet insgesamt achtundzwanzig verschiedene Laute, die er zur allgemeinen Erheiterung perfekt imitieren kann, etwa wenn der Gorilla „Jiggy-Jiggy“ mit einer seiner Frauen machen will. Nur bei einem lauten „AH AH AH AH!“ und Trommeln auf der Brust würde es gefährlich, dann sollten wir uns sofort auf den Boden kauern und unterwürfig verhalten, warnt er uns, auf gar keinen Fall weglaufen – in den meisten Fällen folge dann ein Scheinangriff. Mir wird trotzdem etwas mulmig zumute.
 
 

 
 
Doch wir sind schon unterwegs und stapfen erst einmal an Feldern und wogenden Blumenwiesen entlang. Angesichts dieser ländlichen Idylle an den Ausläufern des Vulkans fällt mir die Vorstellung schwer, dass wir uns gleich durch dichten Urwald kämpfen und dort auf Gorillas treffen werden. So schön sie auch aussehen mögen, die weißen Blumenwiesen hier unten an den Flanken der Vulkane sind eine weitere Ironie von Naturschutz und Entwicklungshilfe: Es ist Pyrethrum, eine Blume, die als natürliches Insektizid fungiert und heute vor allem für den Bedarf westlicher Länder angebaut wird. 40 Prozent des Volcanoes Nationalparks wurden in den 70er Jahren für ihren Anbau freigegeben.

Dann lassen wir die Zivilisation endlich hinter uns und tauchen ein in den Wald, in die Wildnis. In das Territorium der Gorillas. Von nun an stapfen wir immer bergauf, querfeldein, durch Bambus-Haine, riesige Staudengewächse, durch Gebüsch und knöchelhohen Matsch. Mehrmals sinke ich fast bis zum Knie ein, hangele mich mit den Händen an Baumstämmen entlang und greife mehr als einmal in Dornen. Manchmal schlagen die Männer den Weg mit Macheten frei und sprechen in ihre Funkgeräte.

Nach fast zwei Stunden und mitten in einem lichtdurchfluteten Bambuswald – wir müssen inzwischen fast 3.000 Meter Höhe erreicht haben – ist es soweit: Wir haben sie gefunden. Ungefähr 100 Meter seien wir von ihnen entfernt. Lois und Emmanuel geben uns letzte Instruktionen. Ein letzter Schluck Wasser, Kameras aus dem Rucksack, alles andere müssen wir in sicherer Entfernung bei den Trägern zurücklassen. Jetzt wird es Ernst. Ich spüre, wie mich Adrenalin durchflutet, als ich mich immer wieder umsehe und in den Wald hineinstarre. Wo sind sie? Aus welcher Richtung werden sie kommen? Ist dort etwa einer, hinter mir im Gebüsch? Dann geht alles ganz schnell. Freude, Faszination, Panik. Die Stunde vergeht wie im Rausch.
 
 

 
 
Es heißt, man soll den Kopf gesenkt halten und ihnen nicht direkt in die Augen schauen. Doch ist es nicht genau das, was wir wollen? Was unsere Faszination mit diesen uns fremden und doch auf geheimnisvolle Weise vertrauten Wesen ausmacht, mit dem wir immerhin 98 Prozent unserer Gene teilen: In ihre Augen, bis in ihre Seelen hinabschauen. Eine Verbindung spüren. Einen Teil von uns selbst in ihnen erkennen.

So habe ich das jedenfalls immer gehört. Mit keiner anderen Kreatur auf dieser Welt sind wir schließlich enger verwandt als mit diesen urtümlichen „Waldmenschen“. Sie seien irgendwie wie wir.

Doch ich fand das gar nicht. Was ich an jenem Tag im Vulkanregenwald zwischen den dichten Zweigen sah, schmatzend und knurrend und trommelnd und auf uns zu stürmend, war etwas Anderes. Eine fremdartige Kreatur, furchteinflößend und groß und wild, und ich war in ihr Territorium eingedrungen.

Und doch… haben sie Gesichter, wie ich nach einer Weile mit Erstaunen feststelle. Und auch ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Da ist Gishishamwotsi, der posende zweite Silberrücken, der Mr. Guhonda eines Tages herausfordern (und gewinnen) wird, Karema, die eine Hand durch Wilderer verloren hat, Isheja Big Ben mit seiner Glatze, das herzzerreißend tapsige Baby.

Ein letztes Brüllen und Trommeln auf der Brust (das sich seltsam hohl und hoch anhört), ein letzter Angriff von Guhonda, ältester und größter aller Gorillas, der durch den Busch stürmt. Ein letztes Mal zucken wir zusammen, kauern auf dem Boden hinter dünnen Bambusstämmchen und starren wie verzaubert.
 
 

 
 
Dann scheinen sich alle nochmal zu versammeln. „Guys, this is the last minute, please don’t miss this“, sagt Emmanuel. „Look, everybody comes. Here is the alpha, he is now relaxed and very comfortable.“ Es stimmt.

„Mrrrrrmh-mrrrrrhm“, macht er. „Mrrrrrmh-mrrrrrhm“, machen wir. Goodbye.

Dann verschwinden sie im Dickicht, angeführt von Mr. Guhonda. Erstaunlich, wie schnell der Wald sie verschluckt. Sie scheinen mit ihm zu verschmelzen.

Kurze Zeit später stolpern wir schlammverkrustet und blinzelnd aus dem grünen Dickicht heraus ins Sonnenlicht der Blumenwiesen und Felder mit Bauern und lachenden Kindern, wie aus einer anderen Welt kommend. Als wäre alles nur ein Traum gewesen.

„Mrrrrrmh-mrrrrrhm.“

* * *

Weiterlesen

Der Pfad der Erleuchtung

Tempel-Retreat in Thailand

Der Pfad der Erleuchtung

Tatsächlich gehörte Martin Schacht nie zu den Leuten, die sonderlich spirituell veranlagt sind. Yoga und Meditation waren für ihn ein wenig suspekt. Buddhismus für Anfänger in einem Tempel-Retreat in Thailand.

Episode starten

Entdeckung des Kosmos

Wunderkammer Helsinki

Entdeckung des Kosmos

Versteckt in einer finnischen Seitenstraße befindet sich die wohl wundersamste Sammlung kurioser Dinge in Europa. Jedes Objekt hier hat selbst eine Reise hinter sich. Fritz Schumann besucht das Götan Maailma.

Episode starten

Eine Episode von

black dots white spots

Susanne Maier

SUSANNE MAIER ist Reisebloggerin und Möchtegern-Abenteurerin mit Vorliebe für Roadtrips, Berge und Länder mit schlechtem Wetter, aber auch für spannende Entdeckungen im Großstadtdschungel. Als freie Redakteurin, Social Media Beraterin und Bloggerin mit Basis in Berlin verbindet sie besonders gerne Reisen und Arbeiten. Auf ihrem Blog Black Dots White Spots berichtet sie über ihre Reiseabenteuer und gibt Tipps für Individualreisen mit Stil.

Leserpost

Schreib uns, was Du denkst!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Übersicht

Alle Inhalte der Travel Episodes hübsch sortiert

Antarktis
Ozeanien