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The Travel Episodes

Vom Iran durch Pakistan nach Indien

Per Anhalter durch Pakistan

Fliegende Teppiche auf Rädern. Ein Stelldichein mit Mafiabossen. Verzweiflung und Euphorie.
Morten Hübbe und Rochssare Neromand-Soma reisen per Anhalter durch Pakistan.

Dicke Schweißperlen rollen träge über meine Stirn, verfangen sich in meinen Brauen und suchen ihren Weg entlang meiner Schläfen. Als wir die Grenze zwischen Iran und Pakistan überschreiten, sind wir bereits von der Reise gezeichnet. Um uns herum tobt ein heftiger Sturm. Kleine Sandkörner peitschen unsere Körper. Jeder Versuch uns vor ihnen zu schützen, scheitert. Der Sand ist zu fein, dringt durch jede kleine Öffnung, erschwert das Atmen, knirscht zwischen den Zähnen. Wir sind mitten in Belutschistan, einer Region, die seit Jahrzehnten von Unruhen, Rebellion, Unabhängigkeitsbewegung und Terrorismus gezeichnet ist. Sicherheit ist hier ein seltenes Gut.

Wilder Westen Belutschistan

Wir betreten Terrorgebiet – das sagt unser Auswärtiges Amt. Doch die pakistanischen Grenzbeamten sind auffällig entspannt. Dafür, dass wir hier in realer Gefahr sind entführt zu werden, ist die Stimmung recht gelöst. Wir erledigen die Einreiseprozedur und werden fünfhundert Meter weiter querfeldein zur Polizeistation des Grenzortes Taftan geschickt. Niemand begleitet uns, niemand sorgt sich um unsere Sicherheit. Alles halb so schlimm?
 
 
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Taftan in der Dunkelheit

In der Polizeistation sitzen wir im Dunkeln. Taftan, an das iranische Elektrizitätsnetz angeschlossen, ist vom wütenden Sandsturm lahm gelegt, der irgendwo im Nachbarland mehrere Strommasten umgeknickt hat. Allein durch die offene Tür dringt etwas Licht in das dunkle Büro des diensthabenden Kommandanten. Das dicke Registerbuch, in das wir uns eintragen, ist mit feinem Sand überzogen, genauso wie alles andere im Zimmer auch.
 
 

Heute gibt es kein Weiterkommen. Eine Eskorte, für Reisende durch Belutschistan unabdingbar, steht nicht zur Verfügung und so verbringen wir den Rest des Tages in der Polizeistation. Der Stromausfall hat weitreichende Folgen für uns. Das Computernetz der einzigen Bank im Ort fällt aus. Wir haben weder Geld für eine Unterkunft noch für die allerkleinste Mahlzeit. Stattdessen verbringen wir die Nacht bei Kerzenschein in einem Büro der Polizeiwache und essen mit dem Kommandanten zu Abend. Dieser gibt sich große Mühe unsere Unbekümmertheit zu bewahren. Im lustigen Akzent des Subkontinents stimmt er uns auf sein Land ein. Ja, wir sind in Pakistan. Nein, das Kopftuch ist hier, anders als im Iran, keine Pflicht mehr. Ja, in Belutschistan kam es bereits zu Entführungen und tödlichen Angriffen. Nein, wir brauchen uns nicht zu sorgen – heute Nacht können wir ganz unbeschwert schlafen. Wir sind sicher.

Draußen, im Innenhof der Polizeistation, versammeln sich ein paar Männer – Polizisten und Dorfbewohner. Lebhafte Gespräche dringen durch die Dunkelheit und ab und an klingt offenherziges Lachen zu uns herüber.

 

Die Karavane zieht weiter: Mit den Levies durch Belutschistan

Am nächsten Morgen steigen wir in einen rostigen Geländewagen – das erste von vielen pakistanischen Militär- und Polizeifahrzeugen auf dem Weg durch Belutschistan. Eskortiert werden wir von drei bewaffneten Levies: Mitglieder einer paramilitärischen Einheit aus einheimischen Wehrpflichtigen, Offizieren, Soldaten und Polizisten. Nur wenige Kilometer trennen uns hier vom Territorium der Taliban in Afghanistan. Die Levies patrouillieren entlang der einzigen asphaltierten Straße, haben stets die Wüste und alles, was sich in ihr bewegt, im Blick.

Unsere drei Bewacher dienen schon lange in dieser Gegend. Weiße Bartstoppeln sprießen auf der wettergegerbte Haut ihrer Gesichter. Die Augen liegen in tiefen Höhlen. Die ganze Erscheinung der Männer lässt das harte Leben in Pakistans größtem Bundesstaat erahnen.

Seit der Gründung Pakistans 1947 schwelen immer wieder Konflikte in Belutschistan. Obwohl sich die Region gegen eine Fusion mit dem neuen Staat ausspricht, annektiert das pakistanische Militär 1948 das Gebiet. Unruhen und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Separatisten und Militär gehören seitdem zum Leben in der ärmsten und unterentwickeltsten Provinz des Landes.

 
 
Pakistan-Route
 
 

Die ersten von etwa sechshundert Kilometern durch die Wüste sind eine Katastrophe.

Die Löcher, die sich hier auf der Straße aneinander reihen sind so tief, dass unser Fahrzeug alle paar Meter zu springen beginnt. Das Fahrzeug ist zu klein für uns und unsere Begleiter, sodass vor allem der Levie im Kofferraum unter den Stößen leidet, denen wir ausgesetzt sind.

Etwa eine Stunde reisen wir so durch Belutschistans Wildnis, bis wir an einer kleinen Hütte halten. Mitten im Nichts, umgeben von Sand, Staub und Wind, tauchen immer wieder kleine Baracken, Hütten und Unterstände am Straßenrand auf. Überall die gleiche Einrichtung: ein Raum, eine Pritsche, ein Stuhl, ein schweres Maschinengewehr und ein dickes Register. Von hier wird die Straße quer durch Belutschistan überwacht. Ein Wachposten folgt auf den nächsten und jedes Mal heißt es für uns Pässe vorzeigen und im Register unterschreiben. Unsere Fahrt wird genauestens dokumentiert. Oft wechseln wir bei diesen Kontrollen auch das Fahrzeug, so dass wir im Laufe der Zeit immer mehr Levies kennenlernen.

Von Beruf Soldat, aber keine Berufssoldaten. Statt einer Uniform tragen die Levies ihr Shalwar Kamiz, die traditionelle Kleidung Belutschistans. Weite Pumphosen und ein langärmeliges Oberteil, das bis zu den Knien reicht. Gegen Wind und Sand schützen sie sich mit Decken und Tüchern, die sie um Kopf und Körper schlingen.
 
 
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Als der Wind endlich nachlässt,gibt er den Blick in die weite Wüste frei. Sand und grauer Stein erstrecken sich bis zum Horizont, wo ein grauer, wolkenverhangener Himmel das Ende des Nichts begründet. Riesige Sandwehen versperren unsere Fahrbahn, denen wir in ständigem Zickzackkurs ausweichen. Ein paar Dromedare schaukeln nur wenige Meter neben der Straße durch die Wüste.

Auf der Ladefläche lächelt mir der Levie in der Cordjacke aufmunternd zu. In gebrochenem Englisch erkundigt er sich über mein Wohlbefinden, bevor er nach rechts auf die Berg- und Hügelkette in einiger Entfernung weist.

Dort drüben liegt Afghanistan.

Hinter den Hügeln, keine fünfzig Kilometer entfernt, herrscht die Taliban, die auch immer wieder in pakistanisches Territorium eindringt. Dann sprechen wir über Familie, Frauen und Kinder. Terror und Alltag liegen in Belutschistan nah beieinander. Die Levies selbst sind immer wieder Opfer terroristischer Übergriffe. Zuletzt sterben im Januar 2014 sechs Levies bei einem Schusswechsel, als sie einen spanischen Radfahrer durch Belutschistan eskortieren, fünf weitere Levies und der Spanier selbst werden verletzt.

Dennoch, die Gelassenheit und Freundlichkeit mit der die Levies uns gegenübertreten, erstaunt mich. Wir sind mit den Gedanken stets bei all den Schrecken, die uns hier zustoßen könnten. Doch unsere Begleiter freuen sich über unseren Besuch und im Nu werden wir Facebookfreunde.
 
 
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Gastfreundschaft in der Wüste

Zwei Tage reisen wir so durch die Wüste in Richtung Quetta, der Hauptstadt Belutschistans. Nach dem Sandsturm begleiten uns nun dunkle Regenwolken. In einer der Lehmhütten erwarten uns bereits drei Levies. Auf einer Decke auf dem staubigen Boden sitzend, servieren sie uns Chai in kleinen Gläsern und teilen ihr Essen mit uns. Saif, einer der Levies, präsentiert uns stolz seinen eben zubereiteten Salat. Gurken, Tomaten, Kichererbsen, Kartoffeln, Zwiebeln – gemeinsam greifen wir tief hinein in die Schüssel bis metallisches Kratzen am Boden das Ende der Mahlzeit verkündet. Wir sind satt und zufrieden. Dann kramt Saif ein Handy hervor. Mit breitem Grinsen zeigt er uns Fotos seines zweijährigen Sohnes und erzählt von den ersten Sprechversuchen des Nachwuchses. Aus dem rauen Beschützer der Wüste ist schlagartig ein freundlicher Familienvater geworden.

Doch Saif ist nicht der einzige Levie, der uns im Gedächtnis bleibt: Wir werden von Baba Saeed eskortiert, sein ganzes Wesen strahlt eine unbändige Fröhlichkeit aus. Jedes seiner Worte ergänzt er mit einem warmen Lächeln. Als wir vom Regen durchnässt in einer kleinen Baracke pausieren und bei einem heißen Chai erneut auf die nächste Eskorte warten, dreht Baba Saeed eine Karaffe auf den Kopf, schlägt ein paar Takte auf dem metallenen Boden und beginnt für uns Liebeslieder auf Urdu und Belutsch zu singen.

Mitten in der verregneten Wüste Belutschistans und weit weg von allem, was uns vertraut ist, fühlen wir uns plötzlich ganz heimisch. Wären da nicht die vielen Waffen und die Patrouille vor der Tür, wir würden nichts von der schwierigen Lage um uns herum bemerken.

Dann endlich erreichen wir Quetta von wo wir uns mit dem Zug in den Süden aufmachen – diesmal eskortiert von der pakistanischen Polizei. Unser Ziel ist die Megametropole Karachi.

 

* * *

Zweites Kapitel / Karachi

Pakistans ureigene Kunstform

Die Könige der Straße sind auf Hochglanz poliert, klingeln, rasseln und rauschen mit hunderten kleiner Glöckchen und Ketten – und sind der ganze Stolz ihrer Besitzer.

Karachi ist ein Monster, eine Megacity. In der Stadt am Arabischen Meer leben dreiundzwanzig Millionen Menschen – mehr als auf dem australischen Kontinent insgesamt. Karachi ist das Wirtschafts- und Handelszentrum Pakistans und zugleich Spielwiese der Schönen und Reichen. Für uns bedeutet Karachi aber vor allem, dass wir uns zum ersten Mal während unserer Pakistanreise ohne Polizeischutz bewegen dürfen. So bleibt im Anblick des Molochs ein Lächeln auf unseren Gesichtern zurück.

So bedeutend Karachi für Pakistan ist, so mäßig ist der Ruf der Stadt. Schon als wir mit dem Zug die Stadtgrenze erreichen fallen uns die vielen heruntergekommenen Zeltunterkünfte entlang der Gleise auf. Gleichzeitig taucht Karachi immer wieder auf den vorderen Plätzen in den Rankings der gefährlichsten Städte der Welt auf. Es heißt, in keiner anderen Stadt werden so viele Menschen ermordet wie hier. Das alles erfahren wir jedoch erst, als wir Karachi bereits verlassen haben.

Unsere Zeit in Karachi ist dagegen phänomenal.

Mit Freunden trinken wir Whiskey am Strand der Hawks Bay, betrachten aufwendig geschmückte Kamele am Clifton Beach, treffen Musiker, Filmemacher und Journalisten und lernen jeden Tag etwas mehr über Pakistan. Wir sind fasziniert von der Vielfalt Karachis – Armut und Gewalt neben schicken Cafés und riesigen Einkaufszentren in denen sich die High Society des Landes regelmäßig über den Weg läuft. Eine hochwertige Oldtimer-Ausstellung mitten in der Stadt ist der für uns überraschendste Höhepunkt dieser Glitzerwelt.

Draußen, auf den Straßen Karachis, geht es chaotisch zu. Fußgänger, Eselkarren, Kamele, Motorräder, Autorikschas, PKWs und Minibusse drängen sich durch ein heruntergekommenes koloniales Ambiente. Ambulante Obst- und Gemüsehändler verengen die ohnehin schon völlig überfüllten Straßen. Die Luftverschmutzung ist hoch, die Abgase giftig. Dennoch sind wir gerne hier. An jeder Ecke lächelt man uns freundlich zu. Wir werden mehrfach im Vorbeigehen zum Chai eingeladen; einfach, weil man sich mit uns unterhalten möchte. Viele zeigen sich erfreut über unseren Besuch, ohne jedoch aufdringlich zu werden.

Von Neppern und Schleppern fehlt hier jede Spur.

 
 
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Doch noch etwas treibt uns immer wieder auf die Straßen. Es sind die aufwendig geschmückten und eindrucksvoll dekorierten LKWs, die schwer durch die Stadt donnern. Die Könige der Straße erscheinen in majestätischem Gewand. Auf Hochglanz poliert, klingeln, rasseln und rauschen sie mit hunderten kleiner Glöckchen und Ketten. Nie zuvor haben wir etwas Derartiges gesehen: kräftige, leuchtende Farben, detaillierte Motive, umfangreiche Dekorationen.

Pakistans LKWs sind mit Abstand die schönsten der Welt. Den dekorierten Schwerlastern widmet sich eine ganze Kunstszene. „Phool Patti“ – „Blume und Blatt“, so der Name dieser ureigenen pakistanischen Kunstform.

 
 
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Wir sitzen auf einer Pritsche in einem kleinen zementierten Raum in einer engen Gasse irgendwo in der dreiundzwanzig Millionen Metropole und schlürfen Chai. Uns gegenüber sitzen Ali und Haider, zwei sogenannte Truck Artists, deren rollende Kunst wir bereits seit Tagen bestaunen. Haider, mittlerweile vierunddreißig Jahre alt, schmückt seit seinem achten Lebensjahr LKWs. Zunächst an der Seite des Vaters und nun selbstständig mit etwa zehn Mitarbeitern.

Wenn Ali und Haider von ihrer Arbeit berichten, dann schwärmen sie: Phool Patti ist tief verwurzelt in der pakistanischen Kultur. Es ist Pakistans einzige originäre Kunstform, besitzt einen eigenen Stil, eigene Designs, Muster und Motive. Sie verwandelt monströse Trucks und Abgasbestien in fliegende Teppiche auf Rädern. Die dekorierten LKWs sind Statussymbole ihrer stolzen Besitzer.

Nicht selten geben die Fahrer mehr Geld für die Verzierung ihrer Fahrzeuge aus als für ihre Häuser und Familien.

Auf den LKWs prangen vor allem volkstümliche Motive Pakistans. Übergroße Blüten und Blätter, wie der Name Phool Patti es bereits andeutet, tragen eine übergeordnete Rolle. Daneben sind es Landschaften und Wahrzeichen aus der Heimat der Fahrer, die auf den Außenwänden der Trucks verewigt werden. Die Fahrer, so erklärt uns Haider, wollen zeigen woher sie stammen. Auch Kalligrafie und Tierzeichnungen sind allgegenwärtig. Vor allem der Bengalische Tiger als Ausdruck für Stärke und Eleganz taucht immer wieder auf. Heldenszenen aus der pakistanischen Mythologie zieren einige Trucks und nicht wenige Helden ähneln dabei ganz zufällig den Fahrern selbst. Mit diesen Darstellungen suchen die Straßenkapitäne spirituelle Unterstützung für die langen Wege kreuz und quer durchs Land – vom Arabischen Meer bis in den Himalaya. Religiös, sentimental, emotional, regional – das sind die prägenden Attribute Phool Pattis.

Doch Phool Patti ist mehr als nur kräftige Farbe und bunte Motive. Die LKWs werden komplett neu auf- und umgebaut, erzählen Ali und Haider. Wir wollen es genau wissen und treten hinaus aus dem zementierten Raum in die gleißende Sonne. Eine enge Gasse, wenige hundert Meter lang, erstreckt sich vor uns. Alle paar Schritte öffnen sich eine Tür, ein Tor, eine Pforte. Dahinter schweißen, klopfen, hämmern und feilen die Arbeiter.
 
 

Hier wird Metall zu langen Auspuffrohren gedreht, dort werden Gewinde gefräst.

Hier wird Metall zu langen Auspuffrohren gedreht, dort werden Gewinde gefräst.

In dunklen, hohen Hallen türmen sich die unterschiedlichsten Metallarbeiten.

In dunklen, hohen Hallen türmen sich die unterschiedlichsten Metallarbeiten.

In einem Hinterhof bearbeiten drei Männer etwas, das irgendwann einmal ein Tank für Benzin oder Öl werden wird.

In einem Hinterhof bearbeiten drei Männer etwas, das irgendwann einmal ein Tank für Benzin oder Öl werden wird.

An anderer Stelle werden gerade zwei LKWs lackiert.

An anderer Stelle werden gerade zwei LKWs lackiert.

Jeder beliebige Aufbau eines LKWs wird in diesen Werkstätten hergestellt – von der Ladefläche bis zur Fahrerkabine.

Jeder beliebige Aufbau eines LKWs wird in diesen Werkstätten hergestellt – von der Ladefläche bis zur Fahrerkabine.

Karachi ist die wichtigste Stadt für die Kunst des Phool Patti. Aus dem ganzen Land kommen Anfragen für LKW-Dekorationen und die Anfertigung spezieller Aufbauten. Einige Fahrer legen mehrere hundert oder gar tausend Kilometer zurück, nur um ihrem alten Redfort Truck hier ein neues Gesicht zu verleihen.

So verschieden die Dekorationen der einzelnen LKWs sind, so verschieden sind auch die Schulen der Dekorateure. Karachi und die Provinz Sindh im Süden Pakistans sind berühmt für Arbeiten aus Kamelknochen. Besonders eindrucksvoll sind die aus Holz angefertigten Arbeiten in Belutschistan und um Peshawar im Nordwesten. Wunderschön geschnitzte Holzverkleidungen zieren die Fahrerkabinen, massive Holztüren ersetzen die Originale aus Metall. Rund um Islamabad setzt man dagegen hauptsächlich auf Kunststoff.

Nachdem wir die Werkstatt verlassen und Haider und Ali schon lange aus dem Gedächtnis verloren haben, bleibt Phool Patti doch stets unser Begleiter. Im ganzen Land sehen wir die kunstvoll dekorierten LKWs, Minibusse, und Rikschas – in Karachi, auf der Landstraße, in Islamabad und auf dem Weg in den Himalaya. Überall begegnen uns die fliegenden Teppiche auf Rädern.

 
 
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* * *

Drittes Kapitel / Islamabad

G-11/3 st.110 #112

Zweieiige Zwillinge: Die Hauptstadt Islamabad und Rawalpindi, die hässliche Schwester.

Wir erreichen Islamabad nach einer unbequemen Nacht. Von der Polizei eskortiert, wechseln wir im zwanzig Minuten Takt das Fahrzeug. An Schlaf ist so nicht zu denken. Im Morgengrauen, wenige Kilometer vor Islamabad, geht unserem Polizeigefährt jedoch das Benzin aus. In der Vorstadt bleiben wir stehen und nach einigem hilflosen Beratschlagen der Beamten setzen sie uns in ein Taxi und wir tauchen ein in die Hauptstadt des Landes.

In Islamabad verlassen wir gefühlt Pakistan.

Vom chaotischen Verkehr, der uns bis hierher begleitete, ist nicht mehr viel übrig. Die Straßen sind breit und sauber, Parks und Grünflächen lockern die Betonödnis auf, wildes Marihuana wächst am Straßenrand. Die umherziehenden Eselkarren sind verschwunden. Stattdessen finden wir westliche Cafés, Fast-Food-Ketten und Restaurants – ein Einfluss der vielen ausländischen Diplomaten und Expats.

Islamabad ist geprägt von Ordnung und Regelmäßigkeit. Als sich die pakistanische Regierung in den 1950er Jahren dazu entschließt Karachi als Hauptstadt abzulösen, wird in wenigen Jahren eine Planstadt aus dem Boden gestampft – Islamabad.

Die Stadt vom Reißbrett ist unterteilt in Sektoren, gerade Linien, rechte Winkel. Breite Alleen führen kilometerlang in eine Richtung. Der mehrspurige Kaschmir Highway durchschneidet die Stadt exakt in der Mitte. Adressen sind kryptisch: Man wohnt in G-11/3 st.110 #112 oder F-7/4 st. 28 #20. Jeder Sektor ist um einen eigenen Markt angeordnet, in dem alles Wichtige erledigt wird: einkaufen, essen, Haare schneiden. Islamabad ist der symmetrische Stolz des Landes.
 
 
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Ein richtiges Stadtzentrum gibt es dagegen nicht. Wer ausgehen möchte, den verschlägt es in die bessergestellten Sektoren F-7 und F-6. Der Khosar Market ist fest in ausländischer Hand. Kaffeehausketten und teure Restaurants reihen sich hier aneinander, ein privater Sicherheitsservice und Videokameras überwachen den Parkplatz davor. Taschenkontrollen sollen vor Terroristen schützen. Es heißt sogar, dass in einem der Lokale Pakistanis nicht willkommen sind, sie seien schlecht für das Geschäft. Stattdessen schlürfen hellhäutige Diplomaten und Anzugträger an ihren Frapucchinos, während nicht einmal hundert Meter entfernt Bettler auf der Straße sitzen.
 
 
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Doch nicht nur Expats begegnen uns hier. Wir treffen Studenten, angehende Grafiker, Webdesigner und Kommunisten. Eines Abends sitzen wir in einer dunklen Dreizimmerwohnung. In Pakistan herrscht Energienotstand. Elektrizität gibt es nur für zwei Stunden am Stück, dann wird der Strom per Dekret für eine Stunde abgeschaltet. Lichter gehen aus, Computerbildschirme erlöschen, das Wi-Fi-Signal verschwindet: Zeit für Gespräche. Mit Murad, Politikdoktorand an der Militärakademie, und Muhammad werden wir politisch. Die beiden Studenten in ihren beginnenden Dreißigern nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Die Regierung sei vom Militär gelenkt, das Land versinke in Korruption auf allen Ebenen, Kontrollinstanzen gäbe es keine. Probleme werden mit Geld gelöst.

Wer kein Geld hat, der hat Probleme.

Unweigerlich kommen wir auf Pakistans Image als Terrorstaat zu sprechen und erfahren Delikates. Der Terrorismus im Staat war lange Zeit Teil der Bildungspolitik. Von der Hilfsorganisation USAID finanziell unterstützt wurden in den 1980er Jahren Millionen ideologisch aufgeheizte Schulbücher im Land verteilt, die den Dschihad, den heiligen Krieg, propagierten. Während in deutschen Klassenzimmern mit Äpfeln und Birnen gerechnet wurde, multiplizierten pakistanische Schüler mit Bomben und Maschinengewehren. Sie sollten vorbereitet werden, als junge Männer in die nahe Sowjetunion zu ziehen, um dort als Mudschahedin das Land zu destabilisieren. Aus heutiger Sicht ging dieser Schritt für die westliche Welt gewaltig nach hinten los.

Auch Murad und Muhammad erinnern sich noch immer an damalige Aufgabenstellungen:

Wenn du zehn Bomben hast und eine zündest …

Mittlerweile sind sie und viele ihrer Kommilitonen desillusioniert. Pakistan bietet ihnen keine Möglichkeiten. Doch das Land verlassen können sie auch nicht. Der pakistanische Pass ist nicht viel Wert in der Welt – das scheint für viele von ihnen das schlimmste Schicksal zu sein.
 
 
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Wir treffen Kamran, Geschäftsmann aus Islamabad, zum Mittagessen. Der begeisterte Radfahrer und großer Fan des VW-Käfers zeigt uns die Belletage des Lebens in Islamabad. Auf Kamrans Anraten nehmen wir uns vor, durch die Margalla Hills zu wandern. Die grün bewachsene Hügelkette im Norden der Stadt ist durchzogen von mehreren Wanderwegen und verspricht eine herrliche Aussicht auf Islamabad. Hauptstädter verbringen hier ihre Wochenenden, picknicken mit der Familie oder halten ihre Körper beim Joggen fit. Wir genießen einfach die Natur, bis wir auf halber Strecke von zwei Soldaten aufgehalten werden. Es geht nicht weiter. Keine Erklärung. Nachfragen unerwünscht. Es ist nicht das erste Mal, dass wir ohne ersichtlichen Grund von den Autoritäten aufgehalten werden, natürlich immer im Namen der Sicherheit. Wir vermuten, dass irgendein General oder Politiker in einem nahen Restaurant zu Mittag ist. Derlei Triviales liegt meistens zugrunde.

Unangenehm sind diese „Sicherheitsaktionen“ für uns vor allem durch die allgemeine, beinahe arrogante Einstellung des Sicherheitspersonals. Als wir mit unseren Rucksäcken auf einer Bank in einem der bessergestellten Sektoren sitzen, kommt plötzlich ein Typ auf uns zu und fängt selbstgefällig und kommentarlos an, unser Hab und Gut zu untersuchen. Erst auf unsere Empörung hin gibt er sich als Angestellter eines Sicherheitsdienstes aus. An seinem Aussehen ist das jedoch nicht zu erkennen.

Überall wimmelt es von Sicherheitskräften und Check Posts.

Vor jedem Café und jedem Restaurant warten mindestens zwei Sicherheitskräfte, um uns gründlich zu kontrollieren. Immer wieder betonen sie, dass es unserer Sicherheit dienen würde – wir fühlen uns jedoch eher als potenziell Verdächtige. Manche ausländischen Lokale gleichen regelrechten Festungen. Wer mit dem Auto zum McDrive will, muss seine Karosse erst einmal nach Bomben untersuchen lassen. Selbst Spürhunde kommen dabei zum Einsatz.
 
 
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Die Diplomatische Enklave im Osten der Stadt, in der sich fast alle Botschaften und Konsulate hinter einem hohen Sicherheitszaun befinden, sticht besonders hervor. Hierhin gelangt man nur durch mehrere Check Posts und Sicherheitskontrollen. Pro Besuch der Enklave wird nur eine Genehmigung für eine Botschaft erteilt. Ein Shuttleservice bringt die Besucher zu ihrer gewünschten Botschaft und holt sie von dort auch wieder ab. Wer eine zweite Botschaft besuchen möchte, muss sich eine neue Genehmigung ausstellen lassen.

Ein Spaziergang durch die Diplomatenstadt? Ausgeschlossen!

Auf dem Weg zur indischen Botschaft, in der wir unsere Visa für die Weiterreise beantragen müssen, sehen wir die verschiedensten Flaggen im Wind wehen: China, Kuweit, Saudi-Arabien, Finnland. Auf einer Fläche, so groß wie einundzwanzig Fußballfelder, lässt die USA gerade ihre neue Botschaft errichten. Was hier entsteht, dient ganz offensichtlich mehr als bloßem Konsularwesen.

Wir sehen einen in die Jahre gekommenen Diplomaten in hellblauem T-Shirt und neon-grüner Hose die Straße hinunter joggen – im Schritttempo gefolgt von einer schwarzen Limousine mit verdunkelten Fensterscheiben. Cafés und Bankautomaten ziehen durch unser Blickfeld. Es gibt kaum einen Grund für die Diplomaten ihren Hochsicherheitstrakt zu verlassen. Hier wird sogar gefeiert. Die kanadische und französische Botschaft unterhalten jeweils einen eigenen Club mit Live Musik und Alkoholausschank – Eintritt nur für Ausländer.

Islamabad ist komfortabel, perfekt, um ein paar Tage abzuschalten, nichts zu tun außer essen und schlafen.

Doch der Stadt fehlt auch das Besondere. Für uns ist Islamabad kein Ort, der lange in Erinnerung bleibt.

Ganz anders dagegen Rawalpindi, liebevoll Pindi genannt, angrenzend an den Süden Islamabads. Rawalpindi, so sagt man, sei die hässliche Schwester der Hauptstadt. Tatsächlich scheinen Islamabad und Rawalpindi wie Zwillinge; zweieiige, mit unterschiedlichen Vätern. Sie liegen so nah beieinander, dass kaum ein Blatt Papier zwischen sie passt. Dort wo die eine Stadt endet, beginnt die nächste.

In Rawalpindi ist es staubig und laut, hupender Verkehr zwängt sich ununterbrochen durch die überfüllten Straßen der Stadt. Kleine Gassen und heruntergekommene Häuser prägen das Bild. Ambulante Händler verkaufen Obst und Gemüse auf riesigen, improvisiert zusammengehämmerten Holzkarren. Ganze Straßenzüge sind gesäumt von Sockenverkäufern und Blumenbindern. Hier gibt es alles, von Abführmitteln bis Zahnersatz. Chai Wallahs, Teeverkäufer, hetzen von einer Straßenseite zur anderen, um ihre Ware möglichst heiß zum nächsten Kunden zu bringen. Die hässliche Schwester ist für uns die wesentlich Charismatischere.

Jeder macht hier seine Geschäfte. In Rawalpindi fühlen wir schnell, dass Pakistan ein Land ist, in dem alles passieren kann. Es gibt keine Begrenzungen, keine Schranken, solange man mit den gegebenen Umständen umzugehen weiß.
 
 
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Wir lernen Babar kennen. Der Mann mit dem freundlichen Gemüt und dicken Schnauzer unter der Nase, lässt es sich nicht nehmen, uns sein ganz persönliches Rawalpindi zu zeigen – und das liegt tief in der dunklen Unterwelt. Babar, bis vor kurzem Immobilienmakler, träumt schon seit seiner Kindheit von Mafiageschichten. Während Gleichaltrige Feuerwehrmann oder Polizist werden wollten, hatte Babar nur einen Wunsch: Pate sein.

Doch die Karriere im Familiengeschäft, so merkt Babar mit der Zeit, entspricht nicht seinem Naturell. Babar ist kein Krimineller, sondern nur ein Sympathisant. Er zieht sich aus dem Geschäft zurück, doch die Mafia bleibt ihm treu. Noch immer trifft er sich mit Paten und Oberhäuptern der Klans. Auch wir bekommen während unserer Zeit mit Babar die Gelegenheit mit einem der Mafiabosse Rawalpindis betrunken am Tisch zu sitzen.

Unsere Bekanntschaft zahlt sich aus: Plötzlich arbeitet der Schneider viel schneller und beim Obsthändler zahlen wir nur noch die Hälfte.

Doch das bleibt nicht unser einziger Kontakt mit der Unterwelt. Babar, so scheint es, weiß alles und kennt alle. Korruption bei Bauprojekten? Da drüben! Illegaler Verkauf von Schmuggelware? Hier entlang! Drogen und Prostitution? Zwei Straßen weiter!
Über allem steht die Mafia, die sich aber auch um die Probleme der Bevölkerung zu kümmern weiß. Der Polizei und den staatlichen Behörden traut hier in Pakistan kaum jemand. Stattdessen hilft die Mafia mit ihrer parallelen Gesetzgebung.
 
 
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Bei einem unserer Spaziergänge bleiben wir vor riesigen Mauern und einer Menschenmenge stehen, die sich vor ein verschnörkeltes, eisernes Tor drängt. Dutzende Männer haben sich hier versammelt. Einige in schicken Anzügen, andere im traditionellen Shalwar Kamiz. Sie tragen Blumenketten und kiloschwere Schachteln voller Süßigkeiten in ihren Händen. In ihrer Mitte stehen zwei Schimmel, gestriegelt und herausgeputzt.

Wir stellen uns zu der Menge und in wenigen Sekunden wird auch Babar ein Blumenkranz in die Hand gedrückt.

Wir befinden uns kurz vor der öffentlichen Gratulation zur Ernennung eines Senators. Das schwere Eisentor öffnet sich und gibt den Blick auf ein riesiges Grundstück frei. Rosengärten, Springbrunnen, Alleen – und am Ende einer langgezogenen Auffahrt eine riesige, säulenumringte Villa.

Die Menge strömt auf das Grundstück, Musik erklingt, die Pferde beginnen zu tanzen, Konfetti regnet und ein älterer Herr mit schwarzgefärbtem Haar und tief liegenden, braunen Augen, wird von allen Seite mit Blumenketten geschmückt, nimmt Glückwünsche entgegen, lächelt mal nach links und mal nach rechts. Der neue Senator.

Babar klärt uns auf: Wer in Pakistan zum Senator ernannt wird, hat nur in den wenigsten Fällen eine starke politische Laufbahn hinter sich. Stattdessen ist jede Menge Geld geflossen. Etwa elf Millionen US-Dollar kostet ein Senatorposten für die Regierungspartei (in der Opposition ist er naturgemäß etwas günstiger). Das ist eine stolze Summe, die von niemandem allein getragen werden kann. Wer also Senator werden möchte, der sucht sich Sponsoren und er sucht in allen Ecken, auch in den dunklen.

Die öffentliche Gratulation ist weniger eine Feier für den neu ernannten Senator, als vielmehr eine Vorstellung seiner Finanziers.

Draußen vor der Villa steht eine lange Tafel. Getränke werden ausgeschenkt, Häppchen serviert. Wir schauen uns auf dem Gelände um und finden uns bald vor der riesigen Eingangstür zur Villa wieder. Bedienstete hetzen hinein und wieder hinaus, ein paar Gäste versammeln sich in der Vorhalle und auch wir treten ein. Plötzlich eilt ein Mann herbei, verspricht uns Chai und schickt uns energisch in geschlechtergetrennte Säle. Ich finde mich in einem kolossal eingerichteten Wohnzimmer wieder. Ölgemälde hängen an der Wand, ein Kristallleuchter strahlt von der Decke, dicke Teppiche dämpfen meine Schritte, schwere Polstermöbel stehen in der Mitte des Raumes. Es ist totenstill, doch ich bin nicht allein. Ungefähr zwanzig Männer sitzen um mich herum, alte und junge, im feinen Anzug oder Lederjacke. Die Meisten tragen Schnurrbärte, buschig oder dünn gestutzt. Was sie alle eint ist der finstere Blick. Ich lasse mich auf den einzigen freien Platz auf einer Couch nieder, wage ein freundliches „Salaam“ und lächle schüchtern in die Runde.

Keine Reaktion – und wenn doch, dann nur, weil einige finstere Blicke noch etwas grimmiger werden.

Unruhig rutsche ich hin und her, betrachte meinen Nebenmann, einen Lederjackenträger, der stur geradeaus starrt. Ich fühle mich fehl am Platz und suche das Weite noch bevor mich der versprochene Chai erreicht.

Im Nebenzimmer treffe ich Babar in einem vergoldeten, samtbezogenen Ohrensessel sitzend. Hinter ihm faucht ein ausgestopfter Leopard vom Beistelltisch, davor steht ein Familienfoto. Als ich Babar von der merkwürdigen Konstellation, aus der ich gerade flüchtete, erzähle, bricht dieser in Gelächter aus. Ich saß, so erfahre ich von Babar, zwischen den wichtigsten Mafiabossen Rawalpindis und Vertretern verschiedenster Klans. Sie alle haben den neuen Senator finanziell unterstützt und erwarten nun Gegenleistungen. Tatsächlich huscht der Senator wenig später an uns vorbei ins Zimmer der Männer und nur wenige Minuten später verlässt die Gruppe geschlossen die Villa.
 
 
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Rawalpindi raubt uns den Atem. Wir atmen den Dreck der Stadt und kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Wo sind wir hier nur hineingeraten? Doch irgendwann ist es Zeit für uns zu gehen. Über den Karakorum Highway gelangen wir tief hinein ins Himalayagebirge.

 

* * *

Viertes Kapitel / Northern Area

Hindukusch, Karakorum und Himalaya

Northern Area – Pakistans Himalayaregion. Der Weg in den Norden, der Weg durch die Berge ist naturgemäß ein schwieriger. Angesichts des katastrophalen Weges schlottern uns die Knie.

Der Weg in den Norden, der Weg durch die Berge ist naturgemäß ein schwieriger. Schmale, von Erdrutschen stark beschädigte Straßen und das ständige Hin und Her entlang der kurvenreichen Strecke halten uns im Tempo zurück. Unser Geschwindigkeitsrausch setzt bereits bei 40km/h ein und bei einer Geschwindigkeit von 50km/h, was zugegebener Maßen nur selten vorkommt, schlottern uns angesichts des katastrophalen Weges bereits die Knie. Wir befinden uns auf dem Karakorum Highway (KKH), der höchstgelegenen Fernstraße der Welt. Unter uns fließt der Indus in Richtung Arabisches Meer und um uns herum erheben sich faszinierende Berghöhen. Imposante Massive wie der Nanga Parbat, der Killerberg, stechen in den Himmel.

Die drei höchsten Gebirgsketten der Welt – Hindukusch, Karakorum und Himalaya – treffen hier aufeinander.

Noch bevor wir ins Gebirge eindringen, durchqueren wir einen brisanten Ort. Nur fünfzig Kilometer von Islamabad entfernt, erreichen wir Abbottabad, die Stadt in der am 2. Mai 2011 eine US-Spezialeinheit Osama bin Ladens Anwesen stürmte und den Kopf der Terrororganisation Al-Qaida nach kurzem Feuergefecht erschoss. So präsent ist uns der gottgeführte Terror, dass wir auch jetzt, vier Jahre danach, noch ehrfürchtig und etwas verängstigt aus dem Fenster starren. Viel Militär ist auf den Straßen unterwegs. Mehrere Check Points liegen entlang des Highways. Doch in der Stadt selbst scheint das Leben normal zu verlaufen, wir sehen Marktstände und Händler, ein paar Eselkarren.

Dann reisen wir drei Tage durch die Gebirge, bis wir das Hunza-Tal erreichen. Plötzlich rücken die umliegenden Berge auseinander und geben eines der malerischsten Täler Asiens frei. Hunderte Aprikosen- und Mandelbäume tragen rosafarbene und weiße Blüten. Dahinter ragen massive, schneebedeckte Sechs- und Siebentausender empor.

Das Hunza-Tal liegt zentral auf dem Karakorum Highway, gilt aber lange Zeit als isoliert, abgeschnitten vom Rest des Landes. Mythen und Legenden ranken sich um die Region. Von einer besonderen Langlebigkeit der Menschen ist die Rede.

Hunza Foto

Hunza gilt als Tal der Hundertjährigen. Es heißt, Hunza sei eines der letzten Paradiese – ein Himmel auf Erden.

In Karimabad, Hunzas Hauptort, richten wir uns ein. Stundenlang sitzen wir zwischen den Obstbäumen des Ortes und betrachten die Landschaft oder wandern durch die nahegelegenen Berge. Weit über Karimabad führen schmale, nur wenige Fuß breite Pfade am Fels entlang. Schroffes Gestein ragt über unsere Köpfe hinauf und senkt sich nur eine Armlänge weiter in einen tiefen Abgrund, dessen Ausmaß wir nur erahnen können.

Was die Natur hier schuf, ist in seiner Schönheit nur schwer zu beschreiben.

Karimabad und das Baltit-Fort, ein Königspalast aus dem 13. Jahrhundert, stechen aus den grün leuchtenden Feldern hervor. Dahinter, an den unteren Berghängen, ebbt das Meer der rosafarbenen und weißen Blüten langsam ab, bis nur noch die Braun- und Beigetöne des nackten Felsens zu sehen sind. Darüber glitzern schneebedeckte Bergkuppen und raue Gletscher. Auch der 7788 Meter hohe, eisige Rakaposhi gehört zu ihnen.

Mit ein paar getrockneten Aprikosen und Maulbeeren lassen wir uns auf einem Felsvorsprung am Wegrand nieder. Der Himmel auf Erden offenbart ungewöhnliche Gaumenfreuden. Vor allem Aprikosengerichte sind sehr populär. Die getrockneten Früchte, zerstoßenen Kerne und das gepresste Öl sind Bestandteile vieler Gerichte. Sandwiches, gefüllt mit gehackter Minze, Koriander, Käse und Aprikosenkernen oder eine süße Aprikosensuppe. Die Hunza-Schokolade, ein Energieriegel aus getrockneten Aprikosen und Aprikosenkernen, die mit Hönig und weiteren Früchten und Nüssen zubereitet wird, ist besonders lecker.

Derart gestärkt treffen wir Mumtaz, einen jungen Naturkundelehrer der örtlichen Schule, in Karimabad. Viel sei hier in der siebentausend Einwohner Stadt nicht los, erklärt er ohne Umschweife. Doch dem begeisterten Cricketspieler wird es dennoch nicht langweilig. Jede freie Minute verbringt er mit seinen Freunden auf dem nahen Cricketfeld, einem Schotterplatz, auf dem einst Material für den Straßenbau abgetragen wurde. Gerade beginnt die neue Trainingssaison und scheinbar alle jungen Männer Karimabads haben sich versammelt, um ihren Platz im Team zu ergattern. Auch Mumtaz ist hoch motiviert und schwingt einen imaginären Schläger durch die Luft. Überhaupt ist Cricket der mit Abstand beliebteste Sport in Pakistan. Überall im Land werden Bälle geworfen und mit breiten Holzschlägern in die Ferne gedroschen.
 
 
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Nach Sonnenuntergang lädt uns Mumtaz ein, ihn ins nahe Casino zu begleiten. Wir stutzen ungläubig: Ein Casino im Paradies? Die Spielhalle ist das Foyer eines heruntergekommenen Hotels. Mehrere Tische stehen in dem schmalen, langgezogenen Raum. Eine Gasfunzel spendet schummriges Licht, um welches Rauchschwaden aus dutzenden Zigaretten wabern. Es sind ausschließlich Männer im Raum. Stimmengewirr dringt zu uns herüber, Lachen. Würfel rollen über die Tische, Karten fliegen von links nach rechts, Spielfiguren klacken auf Spielbretter. Es wird Tee serviert.

Glücksspiel ist im muslimischen Pakistan eigentlich untersagt, doch hier geht es nicht um Black Jack und Roulette, sondern um Mühle, Dame und Mensch-ärgere-dich-nicht. Die komplette Spielesammlung meiner frühen Kindheit liegt hier ausgebreitet auf den Tischen. Mit Mumtaz versuche ich mich an einer Partie Dame und muss mich bereits nach wenigen Zügen geschlagen geben. Im Casino gibt es kein Pardon. Die Spieler sind pfeilschnell und jeder Fehler wird gnadenlos bestraft. Bis spät in die Nacht ertönt das Klack-klack-klack in irrsinnigem Tempo – jeden Abend, jedes Jahr.
 
 
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Shimshal: Ein ungeplante Wanderung

Wir verlassen Karimabad entlang des Karakorum Highways in Richtung Norden. Doch schon nach ein paar Dutzenden Kilometern endet die Straße vor einem ausufernden See, dem Attabad-See. Von einem gewaltigen Erdrutsch blockiert, staute sich der Hunza Fluss 2010 zu einem gigantischen Wasserreservoir. Umliegende Dörfer wurden ganz oder teilweise überflutet, Felder vernichtet. Der Weg in den Norden ist zerstört, der Karakorum Highway verschwindet auf einer Länge von fünfundzwanzig Kilometern in den Fluten.

Heute setzen Langboote über den See und befördern Passagiere und Waren auf die andere Seite. Alles wird hier per Hand verladen: schwere Zementsäcke ebenso wie Kisten voller lebender Hühner. Etwa vierzig Minuten dauert die Überfahrt. Wer mit dem Auto über den See setzen muss, dem steht ein wackeliger Balanceakt bevor. Auf zwei Planken, die im neunzig Grad Winkel über den Langbooten liegen, wird das Fahrzeug ausgerichtet – gesichert nur mit ein paar Steinen, die die Räder blockieren.

Hinter dem Attabad-See ist der ohnehin schon geringe Verkehr merklich ausgedünnt. Kaum ein Fahrzeug ist auf dem Highway unterwegs. Doch wir haben Glück und gelangen mit ein paar Einheimischen bis nach Passu. Von hier wollen wir in das Seitental Shimshal, fünfzig Kilometer abseits des KKHs trampen. Doch auf der staubigen Piste, die zwischen gigantischen Felswänden in Haarnadelkurven entlang führt, ist außer uns niemand unterwegs. So laufen wir durch die enge Schlucht hinein in die Berge, immer entlang der Shimshal, dem gleichnamigen Fluss.
 
 
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Völlig unvorbereitet machen wir uns auf den Weg. Wir rechnen nicht damit, eine weite Strecke zu Fuß zurückzulegen. Außer einigen getrockneten Maulbeeren haben wir kaum Proviant dabei. Auch die Gaskartusche für unseren Campingkocher ist schon lange aufgebraucht. Doch unsere Kalkulation schlägt völlig fehl.

Wir bleiben allein auf der Straße.

Als die Sonne untergeht und es empfindlich kalt wird, ist noch immer kein einziges Fahrzeug zu sehen. Wir beginnen vereinzelte, trockene Sträucher einzusammeln. Mit ein bisschen Holz, das wir am Wegrand finden, entzünden wir ein Feuer, kochen die spärlichen Pasta-Reste, die als Notration irgendwann einmal den Weg in unsere Rucksäcke gefunden haben, und kriechen zitternd in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen machen wir uns schon früh wieder auf den Weg. Hungrig schleppen wir uns vorwärts; wandern auf gleicher Ebene am Fluss entlang oder steigen mehrere hundert Meter weit über ihn hinauf. Die Straße, noch immer staubig, steinig und unbefahren, führt uns immer weiter durch das Gebirge. Gletscherzungen lecken über die Steilhänge bis zur Straße. Riesige Gerölllawinen und tonnenschwere Gesteinsbrocken säumen unseren Weg in der kargen Landschaft. Hoch über uns leuchten schneeweiße Berggipfel unter einem strahlend blauen Himmel.

Den ganzen Tag laufen wir in dieselbe Richtung. Ab und an überqueren wir eine Brücke, hören das Rauschen des Flusses unter uns. Unsere Mägen knurren, die Höhensonne verbrennt unsere Gesichter und bis nach Shimshal ist es noch sehr weit. Als die Sonne bereits hinter der Bergkette verschwindet, ist noch immer kein einziges Auto an uns vorbeigefahren. Langsam plagen uns ernste Zweifel, wie wir die eiskalte Nacht überstehen sollen. Brennmaterial haben wir schon länger nicht mehr gesehen und seit knapp vierundzwanzig Stunden außer ein paar getrockneten Maulbeeren auch nichts gegessen. Uns bleiben zweihundert Gramm Instantnudeln, doch der Versuch ein Feuer mithilfe einiger grüner Sträucher zu entfachen misslingt.

Statt wärmender Flammen stechen dicke Rauchschwaden in unsere Nasen, lassen unsere Augen tränen.

Als unsere Not gerade am Größten scheint, hören wir ein fernes Motorengeräusch. Tatsächlich erreicht uns kurz vor Einbruch der Dunkelheit ein Fahrzeug auf dem Weg nach Shimshal und nimmt uns die letzten verbleibenden Kilometer mit.

In Shimshal ist das Leben schwierig. Nicht nur, weil der Weg hierher weit und beschwerlich ist. Der Boden ist trocken, die Nächte eiskalt. Wer hier überleben will, muss hart arbeiten. Es gibt keine Wasserleitungen, keine Heizungen und kein dauerhaft funktionierendes Stromnetz. Nur im Sommer, wenn die Gletscherschmelze einsetzt, produziert ein kleines Wasserkraftwerk Elektrizität. Leben in Shimshal besteht vor allem darin die Felder zu bestellen und mühsam Wasser vom Fluss zu holen. Feuerholz muss kilometerweit herangeschafft werden. Bauern treiben riesige Schaf-, Ziegen- und Yakherden durch das Tal zu ihren Weidegründen. Keine Arbeit dient hier einem niederen Zweck als dem puren Überleben.
 
 
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Und dennoch: Die Menschen in Shimshal genießen etwas ganz Besonderes. Beinahe jeder ist ein Bergsteiger. Hier gibt es eine eigene Bergsteigerschule und stolz erzählt man sich, dass die besten Kletterer in diesem kleinen Tal geboren werden.

Auf unserem Weg durch das zweitausend Seelen Dorf Shimshal werden wir von Niamat angesprochen. Der junge Mann lädt uns zu seiner Familie nach Hause ein.

Gerade bäckt seine Schwägerin auf der heißen Metallplatte eines niedrigen Ofens Brot.
Um die Feuerstelle herum versammelt sich die Familie.
Niamat reicht uns Chai.
Sein Haus besteht aus einem einzigen Zimmer.

An der hinteren Wand befindet sich ein kleiner Küchenschrank, daneben ein Schlaflager. Der Wohnbereich wird durch ein einziges Loch im Flachdach über dem Ofen erhellt. Fenster gibt es nicht. In einem Regal stapeln sich Haushaltsutensilien und ein paar Bücher. Auf dem Boden liegen zahlreiche Kissen und Decken. Hier isst, schläft und lebt die Familie auf wenigen Quadratmetern. Das kleine Kofferradio in der Ecke wird mit Batterien betrieben. Über ein Solarpanel werden Taschenlampen geladen.

Strom gibt es erst wieder in ein paar Wochen – dann beginnen die Gletscher zu schmelzen.

Wir sprechen über den harten Alltag in Shimshal und die Freuden, in diesem abgelegenen Winkel zu leben. Mehr durch Zufall erfahren wir, dass Niamat und sein ebenfalls anwesender jüngerer Bruder Mansoor pakistanische Geschichte geschrieben haben. 2013 sind Niamat und Mansoor die ersten Pakistanis, die erfolgreich eine Alpinski-Expedition im eigenen Land unternehmen. Die beiden Abenteurer erklimmen in sechs Stunden den Gipfel des 6.050 Meter hohen Manglik Sar, nur um in weiteren siebzehn Minuten auf ihren Skiern bis hinab zum Basislager zu rasen. Innerhalb von fünf Tagen bezwingen sie drei weitere Sechstausender und hinterlassen mit ihren Skiern tiefe Spuren im Pulverschnee. Rekord!

Doch Niamat und Mansoor sind nicht die einzigen Teufelskerle im Ort. Wir treffen Hasil in einem kleinen Restaurant. Auch er ist Bergsteiger und Erstbezwinger eines der höchsten Gipfel im Shimshal-Tal, der nun den Namen Sunset Peak trägt. Doch Hasil klettert nicht nur in der nahen Umgebung, sondern nimmt auch regelmäßig an Expeditionen zum K2 und Nanga Parbat teil. Er erzählt von den schwierigen, oft tödlich endenden Aufstiegen dieser unberechenbaren Berge und den mit Leichen und Körperteilen übersäten Routen zur Spitze. Dann folgen die Anekdoten: Lachend schildert er seine Begegnungen mit den berühmten Bergsteigern Hans Kammerlander und Reinhold Messner, die er auf ihren Touren durch die pakistanischen Berge begleitete.

Hasil erzählt vom lustigen Hans und vom grimmigen Reinhold – den einen mag er, den anderen nicht.

 
 
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Der höchste Grenzübergang der Welt

Nach zwei Tagen, in denen wir das Tal erkunden, Gletscher besteigen und noch weitere Male von Bauern und Bäuerinnen zum Tee eingeladen werden, kehren wir zurück zum Karakorum Highway. Auf unserer letzten Etappe in Richtung Norden wollen wir bis zur chinesischen Grenze vordringen. Am Khunjerab-Pass, in knapp 4.700 Metern Höhe, treffen Pakistan und China aufeinander. Es ist der höchste befestigte Grenzübergang der Welt. Doch auf dem Weg dorthin leiden wir erneut an den Folgen des aufgestauten Attabad-Sees und dem kaum vorhandenen Verkehr. Von Passu, zurück auf dem Karakorum Highway, nach Sost gelangen wir noch mit drei freundlichen Telekommunikationsingenieuren. Doch dann sitzen wir fest.

Fünfundachtzig Kilometer vor der Grenze kommt uns kein einziges Auto mehr entgegen. Wir warten. Ausgestattet mit einem Schild auf das wir die Worte „China“ und „Khunjerab“ schreiben, stehen wir am Straßenrand. Doch es bietet sich keine Gelegenheit es in die Luft zu halten. Außer einem Polizisten vor einer geschlossenen Schranke ist niemand da, der unsere Zeichen lesen könnte.

Ganze drei Tage warten wir: Vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang.

Stunde um Stunde, Tag für Tag. Lediglich die aufmunternden Worte und der gelegentlich spendierte Chai des Polizisten lassen uns weiter an das Gelingen unseres Plans glauben.

Am dritten Tag ist es soweit. Unsere Geduld ist erloschen.

Wir schwanken noch, ob wir aufgeben oder weitere Stunden ereignislos hoffen sollen, als Theo und Sereen, zwei abenteuerlustige Reisende aus Neuseeland und England, uns zu sich ins Auto einladen. Auch ihr Ziel ist der Khunjerab-Pass und gemeinsam machen wir uns auf den Weg. Höher und höher fahren wir. Die Luft wird merklich dünner, es wird kalt. Schnee und Eis breiten sich zu beiden Seiten der Straße aus. Ein Murmeltier huscht in einiger Entfernung durch den Schnee, Steinböcke klettern über unmöglich erscheinende Pfade von Felsvorsprung zu Felsvorsprung.

Als wir den Khunjerab-Pass erreichen, will es der Zufall, dass bereits eine chinesische Reisegruppe dort eingetroffen ist. Witziger Weise halten sie uns für echte Pakistanis und sind ganz erpicht darauf mit uns für Erinnerungsfotos zu posieren. Unsere Erklärungsversuche gehen in der überschwänglichen Aufregung der Chinesen schnell unter und wir verzichten auf weitere Richtigstellungen. Stattdessen schütteln wir unzählige Hände zum Zeichen der chinesisch-pakistanischen Freundschaft und fühlen uns als vollwertige Botschafter unseres Gastgeberlandes.
 
 
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Dann verschwindet die Reisegruppe geschlossen in ihrem Bus und macht sich auf den Weg zurück ins Landesinnere.

Auch wir kehren wieder zurück, überqueren den Attabad-See, trampen erneut durch das Hunza-Tal und weiter bis nach Islamabad von wo wir uns nach Lahore begeben, wenige Kilometer vor der indischen Grenze.
 

* * *

Fünftes Kapitel / Lahore

Beinahe Indien

Hitzeschock und ein alberner Zirkus an der Grenze zu Indien.

Islamabad und Lahore sind mit einem komfortablen Highway verbunden. Mehrspurig zieht er durchs Land und wir gleiten in angenehmer Reisegeschwindigkeit über den Asphalt. Die Klimaanlage im Auto unserer Mitfahrgelegenheit leistet gute Arbeit. Während draußen die Temperatur gefühlt von Minute zu Minute steigt, sitzen wir wohl akklimatisiert im Inneren und lassen uns Eis am Stiel schmecken.

Doch als wir Lahore, nur wenige Kilometer vor der indischen Grenze, erreichen, trifft uns der Schlag. Die Sonne ist schon lange hinter dem Horizont verschwunden, doch noch immer herrschen etwa fünfunddreißig Grad Celsius. Für uns, die wir gerade aus den Bergen und einer Höhenlage von knapp 5.000 Metern kommen, ist das ein kräftiger Schlag. Wir laufen gegen eine Hitzewand.

Mani und Shareez, zwei junge Studenten, nehmen uns bei sich auf. Ihre Zwei-Zimmer-WG teilen sie sich mit Meero und Hamzar. Ein Deckenventilator wirbelt die heiße Luft in der Wohnung durcheinander und wirkt dabei wie ein Fön, der uns unablässig Wärme ins Gesicht bläst.

Mani und Shareez sind ein Herz und eine Seele, die beiden lachen ständig, machen Witze und wenn sie sich zu sehr langweilen, dann prügeln sie sich – nur so zum Spaß. Dazwischen rauchen wir Wasserpfeife, Manis größtes Hobby und liebster Zeitvertreib. Vier bis fünf Mal täglich stopfen wir feuchten Tabak in den Keramikkopf und lassen Kohle auf der Gasherdplatte glühen.

Lahore macht uns das Leben schwer. Es ist heiß, viel zu heiß.

Täglich steigt das Quecksilber auf vierzig Grad Celsius und mehr. Dem können wir nicht standhalten. Bereits am Morgen sind wir von der Hitze zur Lethargie gezwungen. Mit jeder Wasserpfeife werden wir noch ein bisschen antriebsloser.

Ausgestreckt auf dem Zimmerboden lassen wir uns vom Leben der beiden Studenten erzählen. Mani und Shareez bewundern unsere Reise, unsere Freiheit. Für sie selbst ist derlei unvorstellbar. Einfach losgehen und die Familie zurücklassen? Diese Idee scheint zu extrem zu sein. Tatsächlich berichtet Shareez, dass er nicht einmal von Lahore nach Islamabad fahren könne, ohne seinen Vater um Erlaubnis zu fragen, die er ihm sehr wahrscheinlich verweigern würde. Mani stimmt dem heftig nickend zu.

Die Familienbande in Pakistan sind ausgesprochen stark. Der Vater ist das Oberhaupt. Sein Wort ist Gesetz.

Da bleibt nicht viel Platz für individuelles Handeln. Auch das ist ein Grund, warum wir während unserer Reise durch Pakistan stets neugierige, verwunderte Blicke auf uns ziehen.

Als uns die Decke auf den Kopf zu fallen droht, raffen wir uns endlich auf und erkunden Lahore. Die Stadt gilt als besonders indisch. Kein Wunder, schließlich liegt sie nur dreißig Kilometer von der Grenze entfernt und ist Hauptstadt des, seit der Loslösung Pakistans von Indien, ebenfalls geteilten Bundesstaates Punjab. Hier ist es noch ein bisschen voller, noch ein bisschen chaotischer als im Rest des Landes. Von allen Seiten werden wir neugierig beäugt. Ohne Scheu wechseln Passanten die Straßenseite oder ändern ihren Weg, nur um uns noch besser betrachten zu können. Hier passiert es uns zum ersten Mal, dass wir zum Fotoobjekt werden anstatt selbst zu fotografieren.
 
 
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Lahore hat eine lange, ereignisreiche Geschichte. Die Stadt ist voller architektonischer Zeitzeugen. Koloniales aus der Zeit der britischen Eroberer neben eindrucksvollen Moscheen, Schreinen und Tempeln. Die Altstadt, umringt von hohen, Jahrhunderte alten Stadtmauern, ist noch immer das lebendige Zentrum. Wir gelangen durch das Delhi-Tor, eines von dreizehn Eingängen in die Altstadt. In den schmalen Gassen wimmelt es von Händlern und Käufern, Warenträgern und Schaulustigen. Wir schlendern durch die Gasse der Schneider, durch die Gasse der Textilverkäufer, durch die Gasse für Kindergeburtstagsutensilien, durch die Gasse für Gewürze und Haushaltsgegenstände, durch die Gasse für Schrauben und Ersatzteile. Ein paar Jungs folgen uns neugierig. Wie paralysiert starren sie zu uns herüber und lösen sich auch nicht aus ihrer Trance, als wir belustigt zurückstarren.
 
 

Lahores Altstadt ist seit jeher auch ein kulturelles Zentrum, ein Symbol für Reichtum und Macht. Der Legende nach wurde die Stadt vor viertausend Jahren von Loh, Sohn des Hindugottes Rama, gegründet. Die Moguln errichteten hier wunderschöne Moscheen, Paläste und Gärten, die noch heute zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt zählen. Sie bauten Lahore zu einem der bedeutendsten islamischen Zentren auf dem Subkontinent aus. Theologen, Philosophen, Mystiker, Dichter und Künstler wurden gleichermaßen vom Ruf der Stadt angezogen. Später hinterließen die Sikh ihre Spuren, bevor die Briten die Kontrolle übernehmen. Lahore ist ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Religionen und Kulturen und heute das kreative Herz des Landes.

Stolz sind die Bewohner auf die Einzigartigkeit ihrer Stadt und immer wieder ist auf den Straßen „Lahore, Lahore aye“ – „Lahore ist Lahore“ zu hören.

 
 
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Wir betreten die Festung Shahi Qila, Lahores Weltkulturerbe. Von den Moguln errichtet, muss sie einst prachtvoll ausgesehen haben. Heute darbt das Gelände jedoch vor sich hin. Farbe blättert von den Wänden, Müll sammelt sich in den Ecken. Ein Feuer bricht in einem der Gebäude aus und zwingt die Feuerwehr zum Einsatz. Lediglich das massive Alamgiri-Tor wirkt auch heute noch beeindruckend in seiner schieren Größe.

Foto Moschee

Gleich nebenan erhebt sich die Bashahi-Moschee, die einst als größte Moschee der Welt gefeiert wurde. Im riesigen Innenhof ist es brütend heiß. Kein Luftzug bewegt sich. Von der gnadenlosen Sonne erhitzt, verbrennen wir uns unsere Füße auf den Steinplatten. Nur auf ein paar dicken Gummimatten, die in schmalen Wegen über den Platz führen, ist es einigermaßen auszuhalten.

Schnell sehnen wir uns nach Manis WG-Zimmer zurück. Leckeres Eis und Wasserpfeife erwarten uns.
 

Ein Zirkus mit alberner Gangart

Nur wenige Kilometer östlich befindet sich die Grenze zu Indien. Seit der Unabhängigkeit und Teilung herrschen politische Spannungen zwischen den Atommächten Pakistan und Indien, die oft gnadenlos und stets zum Leidwesen der Zivilbevölkerung ausgetragen wurden. Erzfeinde, wie es sie wohl kein zweites Mal gibt. An der Wagah-Attari-Grenze findet diese politische Feindschaft einen kreativen Ausdruck in der Grenzschließungszeremonie. Jeden Abend findet hier ein ganz besonderer Zirkus statt.

Es ist wohl die unterhaltsamste aller Militärparaden.

Hochgewachsene Soldaten in herausgeputzten Uniformen, dekoriert mit lustigen Hüten, die einem Hahnenkamm nicht unähnlich sind, stolzieren auf und ab. Die Bärte sind fein säuberlich gestutzt, der Blick grimmig. Entschlossen präsentieren sie den Grenzbeamten im Nachbarland ihre vermeintliche Stärke. Überspitzt und auf beiden Seiten bis ins Detail synchronisiert.

Doch die Soldaten marschieren nicht einfach, sie bekriegen sich auch. Die ultimative Waffe ist der High-kick, bei dem sie ein Bein hoch über ihre Köpfe schleudern und mit dem Knie gegen die Stirn schlagen. So malträtieren sie die Luft, die, wahrscheinlich aus dem Nachbarland kommend, ebenso zum Feind erklärt wird. Hochgerissene Fäuste und wilde Gesten gehören ebenso zum Repertoire. Roboterartig nimmt die Parade ihren Lauf. Monthy Python hätte es nicht besser arrangieren können.

Wäre dieses Theater allein nicht schon genug, sind auf beiden Seiten Hunderte, wenn nicht Tausende Schaulustige anwesend. Anheizer im Flaggen-Outfit machen Stimmung, motivieren ihre Landsleute möglichst viel Lärm zu machen, um es „denen da drüben“ ordentlich zu zeigen. Ohrenbetäubend schrillt „Pakistan Zindabad“ – „Lang lebe Pakistan“ durch die Luft und wird von einem brachialen „Hindustan Zindabad“ – „Lang lebe Indien“ beantwortet. Fäuste wedeln wild über den Köpfen. Immer wieder springen die vom Patriotismus ergriffenen Massen von ihren Sitzen. Es ist schwer zu sagen, ob die Stimmung eher einem Festival oder einem Fußballspiel ähnelt. Aber wahrscheinlich macht es auch keinen Unterschied, ob man in den ersten fünf Reihen auf “Rage Against the Machine” wartet, oder im Westfalenstadion auf der Südtribüne steht. Es geht auf jeden Fall heftig zu.
 
 

Nach einer Stunde voller Geschrei und Drohungen ist die Vorstellung vorbei und es passiert endlich das, worum es sich die ganze Zeit gedreht hat. Die Grenze wird geschlossen. Langsam und gleichmäßig werden auf beiden Seiten die Nationalflaggen eingezogen. Wehe, wenn eine der beiden Flaggen länger oben bleibt als die andere. Dann schließlich schütteln sich ein pakistanischer und ein indischer Offizier kurz, energisch und vermutlich schmerzhaft einander die Hände.

Am Ende fallen beide Grenztore krachend in ihre Schlösser. Die Zeremonie ist beendet.

Es kehrt Ruhe ein. Auf beiden Seiten ist es Zeit für Erinnerungsfotos mit den adretten Soldaten. Wenn nun ein Pakistani oder ein Inder mal auf die andere Seite über den niedrigen Grenzzaun schauen würde: Er würde sein Ebenbild erblicken. Die Feindschaft, die beide Nationen zumindest politisch trennt, würde ihren Nährboden verlieren. Auf beiden Seiten sind es die gleichen Menschen, die gleiche Mentalität, selbst die gleiche Sprache, Punjabi. Doch statt zu schauen, kaufen sie lieber Souvenirs: Zeremonie-DVDs, Mousepads und Tassen mit Bildern der Soldaten.

Morgen beginnt der Zirkus von neuem.

Morgen sind wir in Indien.

 

* * *

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Die bewegende Geschichte des Höhenbergsteigers Greg Mortenson in Pakistan
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Eine Reise durch Pakistan: 3000 Kilometer von Karatschi bis Kaschgar
Hajo Bergmann, mehr als 20 Jahre in Pakistan unterwegs, reist über 3000 Kilometer den Indus entlang, vom Flussdelta in Südpakistan bis zur chinesisch-pakistanischen Grenze im Karakorum. Er begleitet eine forsche Kriminalreporterin in Karatschi und eine couragierte Anwältin in Lahore, die dem Militär die Stirn bietet, besucht den berühmtesten Musikschrein der islamischen Welt in Bhit Shah und erlebt in den Bergen des Karakorum das legendäre Poloturnier der besten Teams der Region auf 4000 Meter Höhe. Frei von politischen Vorurteilen, eröffnet uns Bergmann die Traditionen der fast 10 000 Jahre währenden Hochkultur am Indus und befreit sie und ihre Menschen eindrucksvoll vom Stigma des »Schurkenstaats«.

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Eine Episode von

Pakistan-Autoren

Nuestra América

Morten Hübbe & Rochssare Neromand-Soma

Zwei Jahre reisten sie per Anhalter und couchsurfend zwischen Feuerland und der Karibik. In die andere Richtung geht es nun weiter: Überland nach Indien, natürlich wieder per Anhalter.

Leserpost

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  • Mandy // Movin'n'Groovin on 24. Januar 2016

    WOW! Was für ein Trip!! Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen – sehr spannend und sehr schön beschrieben!

    Antworten
    • nuestra américa on 24. Januar 2016

      Vielen Dank, liebe Mandy. Wir freuen uns, dass dir unsere Geschichte gefallen hat. Unser Trip durch Pakistan war ein grandioses Abenteuer und ganz anders, als wir es uns jemals vorgestellt hatten.

  • Alex Sefrin on 24. Januar 2016

    Danke für diese wahnsinnig schöne Reise durch Pakistan!
    Wenn man sich manchmal die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes durch liest und dann selbst das Land besucht, dann hat das meistens nichts mit der selbst erlebten Realität zu tun. Genauso gut würde niemand Deutschland frohen Mutes besuchen, nachdem er das Kapitel Danger & Annonce im Lonely Planet gelesen hat.
    Unsere eigene Einstellung, ein Land ohne Vorurteile mit offenen Augen und Ohren zu bereisen, wirkt sich darauf aus, wie wir von einem Land aufgenommen werden.
    So wie ihr es gemacht habt, wurde euch nicht nur Haus und Hof geöffnet, sondern ihr habt auch einen Platz in den Herzen der Menschen gefunden!

    Antworten
    • nuestra américa on 24. Januar 2016

      Schön, dass dir unsere Geschicht gefällt, liebe Alex. Die Einstellung beim Reisen ist ganz entscheidend, da geben wir dir absolut recht. Die Rechnung ist ganz einfach: Man bekommt, was man gibt. Wir haben Pakistan als ein wunderschönes Land kennengelernt und die Pakistanis als sehr herzliche und gastfreundliche Menschen. Wir waren gerne dort.

  • Kai on 24. Januar 2016

    Wahnsinnig interessanter Bericht von einem Fleck Erde, den man sonst fast nur aus den Nachrichten oder der Serie Homeland kennt. Vielen Dank dafür! Und verrückt das ich hier das erste Mal von einer Stadt mit 23 Millionen Einwohnern höre ;)

    Antworten
    • nuestra américa on 24. Januar 2016

      Wir freuen uns, dass dir der Bericht gefällt, lieber Kai. Es ist schade, dass Pakistan häufig nur in einem schlechten Licht präsentiert wird. Das Land und seine Menschen haben wir sehr viel positiver wahrgenommen, viel herzlicher und freundlicher, als es in den Medien dargestellt wird.

  • Tabitha on 24. Januar 2016

    Schon lange habe ich keinen Bericht mehr so verschlungen und dabei sogar noch Gänsehaut bekommen. Unglaublich beeindruckend! Und vor allem, weil sich die wenigsten aktuell so tief hinein wagen, ist der Einblick um so kostbarer.

    Antworten
    • nuestra américa on 24. Januar 2016

      Vielen Dank für dein Lob, liebe Tabitha. Die Reise durch Pakistan hat uns auch sehr berührt. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen ist unbeschreiblich. Schade, dass das Land aufgrund geopolitscher Interessen seit Jahrzehnten so einen schlechten Ruf hat.

  • Hamad on 24. Januar 2016

    Hi guys,

    I am reading your blog from Karachi and found it super interesting and funny for even a local. Well done on documenting your adventure across Pakistan. We hope you will visit us again soon!

    Thanks,
    Hamad

    Antworten
    • nuestra américa on 24. Januar 2016

      Thanks a lot for your kind words, dear Hamad. We appreciate the laud of a local very much. Pakistan is a country worth visiting a second time. We will consider going back one day.

  • Johanna Stöckl on 26. Januar 2016

    So eine schöne, aufregende und spannende Episode!
    Toll, toll, toll … Und die Bilder, Videos …
    Musste das jetzt loswerden :-)

    Lieben Gruß aus München,
    Johanna

    Antworten
    • nuestra américa on 31. Januar 2016

      Vielen Dank, liebe Johanna!

      Wir freuen uns sehr, dass wir dir eine Freude machen konnten. :-)

  • Eva on 28. Januar 2016

    Was für ein Abenteuer. Wunderschöne, spannende Episode und mitreißend geschrieben. Aber wie geht es Euch denn? Die Kälte, der Hunger, die Hitze, die Menschen und das Angewiesen sein auf jene, Rochssare als Frau – oftmals bestimmt ganz allein auf weiter Flur in diese Männderdomäne?
    Das würde mich mega interessieren. Ich reise heute nicht mehr so abenteuerlich, weiß aber wie ich früher auf solchen Reisen so oft an meine Grenzen kam.

    Antworten
    • nuestra américa on 31. Januar 2016

      Vielen Dank, Eva! Wir freuen uns über dein Lob.
      Uns geht es sehr gut. Mittlerweile sind wir in Indien und reisen noch immer per Anhalter kreuz und quer durchs Land. Hunger, Kälte und Hitze haben wir gut überstanden. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen hat dazu beigetragen, dass wir mit den Unwägbarkeiten der Reise gut klargekommen sind.

      Auf der Straße in Pakistan sieht man nur selten Frauen (abgesehen von Islamabad und Karachi). Der öffentliche Raum ist von Männern dominiert. Dennoch sind wir beide stets mit Respekt behandelt worden.

  • Chris on 28. Januar 2016

    Wirklich gigantisch toller Bericht über ein Land, dass ein Freund und ich auf unserer Eurasien-Fahrradtour (soweitzuzweit.wordpress.com) leider nicht durchqueren konnten. Das war 2010 kurz nach dem schweren Hochwasser am Indus, auf Grund dessen die Einreise nicht möglich war. Dabei hatten wir schon so viel gutes gehört. Mit am besten hat mir euer Abstecher ins Himalaya gefallen. In den abgeschnittenen Ort möchte ich jetzt auch gern einmal reisen! Schön auch die Bemerkung das ihr in Lahore Indien sehr nahe kommt. Verrückter Verkehr, mehr Chaos, zum Fotomotiv werden. Genau so ist Indien! ;)

    Antworten
    • nuestra américa on 31. Januar 2016

      Vielen Dank für dein Lob, Chris!
      Schade, dass euch damals die Einreise verwehrt wurde. Ihr hättet das Land und seine Menschen bestimmt sehr schätzen gelernt. Wir haben unsere Zeit in Pakistan unglaublich genossen. Nicht nur in den Bergen, auch am Arabischen Meer und überall dazwischen.

  • Patricia O'Brien on 31. Januar 2016

    Love Pakistan. Thanks for reminder

    Antworten
    • nuestra américa on 31. Januar 2016

      Most welcome! :-)

  • Basti on 15. April 2016

    Moin und vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Eine Frage habe ich: Würdet ihr nach dem kürzlichen Attentat in Lahore die Stadt in nächster Zeit bereisen oder ist dies in Anbetracht der Lage (trotz aller Sympathien für das Land) gerade der falsche Zeitpunkt?
    Sollte man so etwas grundsätzlich im Auge behalten oder trotz allem mit einer zwar vorsichtigen, aber (zum Teil) naiven Einstellung nach Pakistan fahren, um sich selbst, abseits der Massenmedien, ein Bild zu machen? Wie steht ihr dazu? :)

    Antworten
    • Morten und Rochssare on 16. April 2016

      Hi Basti,
      In Pakistan kann es leider immer wieder zu Anschlägen kommen. Darüber solltest du dir immer im Klaren sein. Wenn du dann immer noch Lust hast, nach Pakistan zu reisen, solltest du das machen. Lahore ist eigentlich eine sichere Stadt. Das Attentat zu Ostern galt ja auch explizit einer christlichen Gemeinde. Es war eine Angriff auf eine religiöse Minderheit im Land und nicht auf den Alltag. Von diesem Standpunkt betrachtet ist es eher unwahrscheinlich, dass du als Tourist fürchten musst, Opfer eines Anschlags in Lahore zu werden.

    • Basti on 27. April 2016

      Hey und vielen Dank für eure Antwort!
      Ich bin gedanklich schon einen Schritt weiter und darf mir hoffentlich bald selbst ein Bild davon machen!
      Leider war bei all den Leuten, die ich bisher unterwegs kennengelernt habe, noch kein Pakistani dabei und nun stehe ich vor der kleinen bürokratischen Hürde ‚Invitation Letter‘ im Visa-Antrag. Mit einer (noch nicht vorhandenen) Hostel-Reservierung komme ich da wahrscheinlich nicht weiter, oder? Habt ihr einen Rat und/oder vielleicht sogar einen Kontakt, den ihr empfehlen könnt? Zudem bin ich gerade (auch?!) in Indien, was die Beantragung nicht gerade einfacher macht. Aber zumindest der Plan steht!

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