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The Travel Episodes

Extrembergsteigerin Tamara Lunger

K2

Die 28-jährige Südtirolerin Tamara Lunger stand schon auf einigen Gipfeln. Doch dies ist ihre größte Herausforderung: Sie will den K2 bezwingen – den zweithöchsten und wohl schwierigsten Berg der Erde.

„Eine Nummer zu groß für mich. Auf diesen Koloss werde ich nie steigen“, dachte Tamara Lunger 2012 beim ersten Anblick des K2. Damals, auf dem Weg zum Broad Peak (8051 Meter), stand sie auf dem Concordiaplatz, Herz des Karakorums, dem Startpunkt für Expeditionen auf den K2.

Angst, Ehrfurcht und Respekt breiteten sich in ihr aus.

 
 
Gipfel
 
 

– Zwei Jahre später –

Als Tamara das 8611 Meter hohe Massiv wiedersieht, da hatte sich etwas in ihr verändert. Der K2 ist hell erleuchtet, die schroffen Spitzen ragen in den Himmel hinein. Die steilen Felspassagen zeigen sich in ihrer ganzen Pracht. In den flacheren Passagen liegt der glitzernde Schnee. Am Fuße des Achttausenders ziehen die weit zerrissenen Gletscherspalten Richtung Basislager. Die Luft ist eisig, der Himmel blau.

Da wurde aus dem Biest ein Prinz.

“Der Berg war von unbeschreiblicher Schönheit und Erhabenheit.“ Der K2 nicht mehr furchteinflößend, löst kein Gefühl des Unbehagens mehr aus. Vielmehr ist er warmherzig und freundlich. „Am besten kann ich diese Harmonie mit dem Verliebtsein beschreiben“, sagt Tamara. „Wenn ich einen Mann wirklich liebe, dann freue ich mich schon Tage zuvor ihn endlich wieder in die Arme schließen zu dürfen.“ So ist es mit diesem Berg. Obwohl der K2 schon über 80 Bergsteigern das Leben genommen hat und als einer der Schwierigsten unter den Achttausendern gilt. Nie zuvor fühlte Tamara diese wahnsinnige Anziehungskraft eines Berges.

* * *

Zweites Kapitel

Mentoring

Der legendäre Extrembergsteiger Simone Moro glaubt an Tamaras Können. Und nimmt sie zum ersten Mal zum Bergsteigen mit ins Himalaya.

Mit 15 Jahren sah Tamara in einer italienischen Zeitung ein Bild von Manuela di Centa. Sie stand auf einem hohen Berg, darüber die Schlagzeile: „Manuela di Centa erreicht als erste Italienerin ohne Sauerstoff den Everest.“ Da wusste Tamara: irgendwann, zur richtigen Zeit, würde sich ihr die Gelegenheit bieten. Sie würde ohne Sauerstoff auf den höchsten Bergen der Welt stehen. Da war sie sich sicher.

Als älteste von drei Schwestern wuchs Tamara in Südtirol auf. Tamaras Eltern hatten nicht viel Geld, aber es reichte für das Wichtigste. An den Wochenenden fuhren sie mit dem VW Bus raus, feuerten ihren Vater bei Radrennen an. Er war ihr großer Held, Tamara sein größter Fan.

Schon früh hat Tamara ihrem Körper alles abverlangt: Während Skitourenrennen war sie als junges Mädchen von der italienischen Nationalmannschaft entdeckt worden. Sie holte Medaillen, stand immer wieder auf dem Podest. Die Schmerzen in ihrem Knie verdrängte sie. Der Sport machte sie glücklich – bis zu einem gewissen Punk. „Alle sahen meine Erfolge, meine Siege. Aber niemand sah mich mit meinen Schmerzen, meinen Tränen und meiner Verzweiflung.“ Manchmal fing Tamara mitten im Training an zu weinen.
 
 
Tamara-Portrait
 
 

Winner Italian Ski Mountaineering Championships 2006 & 2008
Winner Ski Mountaineering World Championships, 2008
Island Peak, 6189 Meter, 2009
Lhotse, 8516 Meter, 2010
Khan Tengri, 7010 Meter, 2011
Muztgah Ata, 7546 Meter, 2012
Pik Lenin, 7134 Meter, 2013
Winner Trans Alpine Run, 2014

Erst nach einer langen Therapie ließ der Schmerz im Knie nach. Doch ihre Karriere bei den Skitourenrennen beendete Tamara.

Sie hatte neue Ziele: Der Extrembergsteiger Simone Moro wollte sie mit nach Nepal nehmen.

Bald war es soweit: Obwohl Simone Moro Tamara noch nie beim Sport gesehen hat, vertraute er ihrem Können. Der Profibergsteiger kleidete sie ein, stellte Tamara die Expeditionsgruppe vor und reiste mit ihr ins Himalaya.

In Nepal angekommen setzte Tamara sich auf einen riesigen Stein. Ihre Haare tanzten im Wind.

„Nie habe ich daran gezweifelt. Ich war mir immer sicher, irgendwann dort zu sein – in meinen Träumen.“

Und obwohl China kurz vorher die Grenzen in Tibet gesperrt hatte und Tamara auf ihrer ersten Nepalreise keinen Fuß auf den Cho Oyu setzte, brachte Simone Moro ihr auf dem Chukhung Peak (5555 Meter) und dem Island Peak (6189 Meter) alles bei, was sie auf den hohen Bergen wissen musste.

 

* * *

Drittes Kapitel

Eine leichte Entscheidung

Verluste sind schmerzhaft. Sie reißen Dir den Boden unter den Füßen weg und bringen dich an deine Grenzen. Und manchmal sogar zum K2.

Tamaras Entscheidung für den K2 fällt ziemlich kurzfristig. Obwohl das Jahr voller sportlicher Erfolge war, hat Tamara mit einem Verlust zu kämpfen. „Ich glaubte, meine eine große Liebe gefunden zu haben“, sagt Tamara. „Doch nach einiger Zeit entschied er sich für die Berge – und seine Freiheit.“ Die Trennung riss ihr den Boden unter den Füßen weg.

„Um ehrlich zu sein, wäre es mir zu dem Zeitpunkt auch egal gewesen, wäre ich nicht mehr zurückgekommen.“

Noch nie zuvor war Tamara mit Klaus Gruber auf einer Expedition gewesen. Sie hatten sich einmal getroffen und wenige Male telefoniert. Aber sie fühlt, er ist der Richtige für den K2.

Der Weg zum K2 ist kein leichter: Das strenge Militär in Pakistan verbietet die Weiterreise, dann erschweren kaputte Brücken und Autopannen den Weg nach Askoli, von wo das Trekking zum Basecamp starten soll.

Endlich in Askoli angekommen, schmerzt Tamaras Achillessehne, ihre Haut schält sich und juckende Wasserbläschen bilden sich an den Innenseiten ihrer Finger.

Tamaras Haut ist seit einer Skitour in der Türkei so verbrannt, dass nichts hilft. „Zu Hause wäre es nur kleine Lappalie, aber hier, wo man nur das Nötigste hat und ich mich auf den Gipfel konzentrieren will, ist das auch psychisch eine Belastung.“

Trotzdem weiß Tamara: Sie ist am richtigen Ort. Zwischen den hohen Eisriesen, im Angesicht des 8611 Meter hohen Massivs, des zweithöchsten Bergs der Erde.

 

* * *

Viertes Kapitel

Basecamp

„So Himmelvater, du hast mich auf die Probe gestellt. Ich kann leiden, das weißt du. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass ich mit Leidenschaft diesen Berg besteigen darf. Geht das in Ordnung?“

Im Basecamp des K2 zieht Tamara täglich ihr Beauty-Programm durch: Leberwickel gegen den Juckreiz, Creme und Milchpulverbad für die Haut. Die Schwellungen gehen zurück, die Haut wird besser.

Tamara und Klaus laufen bald ins erste Lager auf knapp 6000 Meter Höhe. Der Weg geht erst flach hinein bis die Gletscherspalten immer größer werden. Von dort, links haltend, überqueren Tamara und Klaus die Séracs – weiß leuchtende Türme aus Gletschereis.

Italiener, eine nepalesische Frauenexpedition, Mazedonier und viele andere Bergsteiger wollen in diesem Sommer auf den K2. Für Tamara und Klaus bleibt im Lager I kaum Platz. Die freien Stellen sind zu steil oder steinschlaggefährdet. Auf zwei Quadratmetern stellen sie ihr Zelt am Hang auf.

Bild Hang

Expeditionspartner Klaus Gruber schmilzt Wasser in Lager I.

Am nächsten Tag gehen sie weiter ins Lager II: der Weg wird steiler, die felsigen Passagen immer mehr. Schon vor dem „Bill’s Chimney“, eine senkrecht nach oben verlaufene Spalte im Fels, müssen sie eine vertikale Wand überwinden. Der Fels ist eisig, der Wind bläst den beiden ins Gesicht. Doch Tamara fühlt sich gut.
 
 
Bill

Bill’s Chimney ist einer der anspruchsvollsten Abschnitte auf der Abruzzi-Route

 
 
Nach fünf Stunden erreichen Klaus und Tamara das zweite Lager – geschützt von einem riesigen Felsen auf knapp 6700 Metern.

Zerstörte Zelte, Plastikverpackungen, leere Sauerstoffflaschen, alte Bekleidung: Lager II ist übersät von altem Material vorheriger Bergsteiger. Siebzig bis achtzig Zelte, eingefroren ins ewige Eis. Zurückgelassen von erschöpften Bergsteigern, die keine Kraft mehr hatten oder von denen, die ihr Leben am Berg ließen.

Nach einer Nacht kehren Klaus und Tamara wieder zurück ins Basecamp bevor die dritte Akklimatisierungsphase beginnt. Nicht weit von ihrem Zelt im Basislager findet Tamara schon bald die ersten Opfer des Berges. Die meisten Unfälle passieren in einer Traverse oder am Bottleneck, einer engen Kletterpassage auf 8300 Metern Höhe. Von hier fallen die toten Körper in eine Rinne, wo sie von den fließenden Gletschermassen Richtung Concordiaplatz transportiert werden. Überreste tauchen entlang der Gletscherzunge immer wieder auf bis sie von der Gletscherbewegung zermahlt werden.
 
 
Gletscher

Von der Flanke des K2 in 7700 Metern Höhe

 
 
Die Hüfte der Leiche ist an der Oberfläche, der Rest begraben im Eis. Doch dieser Anblick bringt Tamara nicht mehr an psychische Grenzen wie vor vier Jahren. Am Lhotse hat sie zum ersten Mal einen toten Bergsteiger gesehen, am Cho Oyu sogar bei der Bergung des Italieners Walter Nones geholfen. Damals hatten die Berge für sie plötzlich die Schönheit, die Anziehungskraft und die Einzigartigkeit verloren.

Als Tamara jetzt die Überreste sieht, hat sie sich von ihren Ängsten befreit.

„Das lass seine Lebensgeschichte sein, aber du gehst da rauf – und wieder runter.“

„Immer, wenn ich auf Expedition fahre, weiß ich, dass ich meine Heimat nicht mehr wiedersehen könnte“, sagt Tamara. „Wenn jemand in den Bergen stirbt, dann ist mein Trost, dass demjenigen das Risiko wert war. Ich verstehe diese Leidenschaft.“

 

* * *

Fünftes Kapitel

Auf und ab

Auf 7300 Metern Höhe. Extreme Winde, die zwischen dem K2 und dem Broad Peak ziehen, lösen immer wieder Lawinen aus. Es schneit ununterbrochen. Umkehren?

Ein großer Schlitz zieht sich von der Unterseite des Zeltes nach oben. Die Seiten übersäht von Löchern. Gerade haben Tamara und Klaus Lager 1 erreicht. Es ist die dritte Akklimatisierungsphase: dieses Mal direkt zu Lager zwei, dann zwei Nächte in Lager III.

Provisorisch kleben Tamara und Klaus den Schlitz, versuchen das Zelt für Notfälle zu reparieren. An diesem Tag sind viele Bergsteiger und Hochträger am Berg. Die meisten sind schon oberhalb des Lagers, lösen immer wieder Steinschläge aus: Wie Kanonenkugeln pfeifen kopfgroße Steine von oben herab. Tamara hört sie schon von weitem. Ein Knall. Sie blickt nach oben und läuft auf die linke, etwas geschütztere Seite. Ein Stein aus dieser Höhe kann sie erschlagen.

Am nächsten Tag zieht eine Schlechtwetterfront zum Berg. Der Wind pfeift, wirbelt den Schnee auf. Vor Tamara und Klaus: eine fast 400 Meter lange Wand aus Fels und Eis. Es ist die technischste Passage. Doch nach dem ewig langem Weg am Fuße des K2, freut sich Tamara über die Abwechslung.

Foto Wand

Lager III, auf ca. 7300 Metern, liegt auf der Schulter des K2. Hier herrschen extreme Winde, die zwischen dem K2 und dem Broad Peak ziehen, und immer wieder Lawinen auslösen. Nicht selten werden die Lager von den herunterkommenden Schneemassen mitgerissen.

Es schneit ununterbrochen. Bis auf drei Tschechen entscheiden sich alle Gruppen zum Abstieg. Tamara und Klaus warten noch kurz, lassen sich Wetterberichte zukommen, diskutieren. Tamara will zwei Nächte hier bleiben, doch es hat keinen Sinn.

Es ist zu steil, das Wetter zu schlecht – gegen eine Lawine haben sie hier keine Chance.

Wie kleine Nadelstiche bläst der Schnee in Tamaras Gesicht. Sie kämpft beim Abstieg um jeden Schritt. Klaus sieht sie nicht mehr, zu stark ist der Spindrift. Der feinkörnige Schnee wird durch den Wind und die steilen Hänge aufgewirbelt. Kleine Wasserfälle aus Schnee stürzen von den Hängen, erschweren das Atmen, die Sicht.

In Lager I angekommen, bauen Tamara und Klaus das mittlerweile vollkommen zerfetzte Zelt ab. Langsam wird der Wind ruhiger, der Weg ins Basislager entspannter.

 

* * *

Sechstes Kapitel

Für den Gipfel

Es ist der 23. Juli, als Tamara und Klaus für den Gipfel losmarschieren.

Es schneit noch einige Tage weiter. Doch das Gutwetter-Fenster kündigt sich an: viele kommerzielle Gruppen planen am 26. Juli den Gipfel. Die Gefahr auf über 8000 Meter in eine nicht voranschreitende Menschenmasse zu kommen, ist groß. Trotzdem wollen Tamara und Klaus sowie eine italienische Gruppe sich ihnen anschließen. Das Wetter wird schließlich nicht ewig gut bleiben.

„Es lag eine besondere Energie im Basislager. Eine Mischung aus Anspannung und Vorfreude.“

Tamara weiß, sie und Klaus können es schaffen.

Es ist der 23. Juli, als Tamara und Klaus für den Gipfel losmarschieren. Das erste Stück kennen sie jetzt: flach hinein bis der Gletscher sich auseinander zieht, dann alle Seracs überqueren bis sie auf der Moräne zum vorgeschobenen Basislager kommen. Hier ziehen sie ihre Steigeisen an und laufen zu Lager II. Nach der Nacht bauen Tamara und Klaus das Zelt ab, um es auf Lager IV aufzubauen und später nur noch zwei zurück ins Basislager zu bringen.

Der schwere Rucksack zwingt Tamara in die Knie. Es ist der schwerste Rucksack der ganzen Expedition. Immer wieder muss sie ihn absetzen, kurz Rast machen. In Lager III angekommen ist sie den Tränen nahe, erschöpft, ausgelaugt.
 
 
aufstieg
 
 
Der Weg von Lager III zu Lager IV ist eine lange Schneewanderung auf die Schulter des K2. Auf einer weniger steilen Stelle sieht Tamara zum ersten Mal den riesigen Serac: „Er war so gigantisch, ich konnte meinen Augen nicht glauben“, erinnerte sich Tamara. Tamara schaut zum Gipfel, sie strahlt.

„Glück, Angst, Respekt – ich befand mich in einem Gefühlschaos.“

In der Nacht vor dem letzten Aufstieg tut Tamara kein Auge zu. 20 Minuten nach Mitternacht bricht sie mit Klaus auf. Doch schon kurz nach dem Bottleneck, der engen Kletterpassage auf 8300 Meter Höhe, geht es kaum weiter. Eine nicht endende Menschenschlange – völlig apathisch sitzen Bergsteiger mit Sauerstoffflaschen im Schnee, stützten sich auf ihren Oberschenkeln ab und versuchen mit ihren letzten Reserven auf den Gipfel zu kommen.

Erst 300 Meter unter dem Gipfel öffnet sich das Gelände und flacht ab. „Nicht stehenbleiben“, sagt Tamara sich immer wieder. Sie überkommt eine Müdigkeit, die sie noch nie zuvor gespürt hat. Ihr Körper will sich hinsetzen, schlafen – egal, wo und wie. Das würde sie den Gipfel kosten, weiß Tamara. Sie lässt Klaus etwas weiter zurück, sie muss sich zusammenreißen und weitergehen.

Um 15 Uhr des 26. Juli erreicht Tamara den Gipfel. Klaus kurze Zeit später. Tamaras Traum hat sich erfüllt. Auf einmal ist alles andere unwichtig: Es zählt nur der Moment. Tamara, der Berg und seine Energie. Überall fliegen Gebetszettelchen herum. Tamara blickte in die Ferne, dann kommen ihr die Tränen. Nach all den Hürden, den Schmerzen und dem Leid hat sie es geschafft. Sie ist wieder bei sich angekommen.

„Das war alles, was ich brauchte.“

* * *

Letztes Kapitel

Der Gipfel ist gerade mal die Hälfte

„Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist – denn vorher gehörst du ihm.“ Das hatte einst der Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander gesagt.

Die meisten Unfälle passieren auf dem Rückweg. Tamara macht sich auf zu Lager IV. Sie will dort auf Klaus warten. Die Sonne ist nicht mehr zu sehen. Kälte dringt durch die vielen Bekleidungsschichten in ihren Körper. Bei den Abseilstellen bildet sich immer wieder endloser Stau.

Bild Abstieg

Zwei Stunden später erreicht auch Klaus das Lager. Er zittert.

In der Nacht weckt Klaus Tamara. Er hustet, schnappt nach Luft. „Ich glaube, ich habe ein Lungenödem.“ „Ich muss nach unten.“ Doch von Lager IV auf Lager II gibt es nur noch ein Fixseil. Jetzt, im Dunkeln, würden sie sich verlaufen, in eine Spalte stürzen oder erfrieren. Über Funk ruft Klaus einen bekannten Arzt an: Fortecortin könne ihm helfen. Ein befreundeter Bergsteiger gibt ihm schließlich die Tabletten.

Klaus atmet immer schwerer.

Tamara geht raus, holt Sauerstoffflaschen, die einige der Bergsteiger für den Notfall im Lager deponiert haben. Gegen eins oder zwei in der Nacht kommt ein anderer Bergsteiger zu ihnen ins Zelt: Er glaubt auch ein Lungenödem zu haben. Tamara legt ihn neben Klaus und stülpt beiden abwechselnd die Sauerstoffmaske über. Nach eineinhalb Stunden will der Bergsteiger absteigen, allein. Tamara und Klaus warten noch bis acht Uhr am nächsten Morgen.
Klaus ist kraftlos. Tamara versucht so viel es geht in ihren Rucksack zu stopfen. Ein Träger der Pakistani und ein weiterer Bergsteiger bieten ihr Hilfe an.

Nach einer Stunde erreichen sie Lager III. Kurze Pause, dann weiter ins Lager II. Langsam fühlt sich Klaus besser. „Jetzt nur die Konzentration behalten und keine Fehler beim Abstieg“, sagt Tamara zu sich.

Tamara kontrollierte jede Sicherung, jedes Seil in das sie sich hinein hängt. Irgendwann blickt sie die Flanke hinunter: Sie kann Menschen in Lager I sehen. Sie erwarten die Gipfelstürmer.

Tamara und Klaus sind die ersten, die von dem Gipfelerfolg zurück kommen. Der Basecamp Manager sowie einer ihrer Köche schliessen sie in die Arme. Klaus und Tamara bekommen Fruchtsalat aus der Dose, Kekse und Cola.

„Ich fühlte mich wie eine große Heldin.“

Bild Berg

2014 standen 48 Bergsteiger auf dem Gipfel, sechs davon waren Frauen.

– Epilog –

„Für genau diese Momente lebe ich“, sagt Tamara. „Wenn ich zurück denke an die zwei Monate, dann sehe ich nur das Schöne. Nichts und Niemand kann mir in so kurzer Zeit so viel geben. Ich bin bereit für ein Ziel zu kämpfen, dafür zu leiden und vielleicht eines Tages dafür zu sterben.“

 

* * *

Text: Rabea Zühlke
Videos: European Outdoor Film Tour
Fotos: Tamara Lunger Archive 

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Tamara Lunger

Tamara Lunger liebt und lebt die Extreme: Mit 23 Jahren stand sie als jüngste Bergsteigerin der Geschichte auf dem Lhotse (8.516 m), 2014 bestieg die Ausnahmealpinistin den K2 (8.611 m), den höchsten Berg im Karakorum. Die junge Südtirolerin, das Gesicht der European Outdoor Film Tour 15/16, beweist bei ihren Expeditionen immer wieder Talent und Willensstärke.

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