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The Travel Episodes

Im Unimog durch Europa und Asien

Auf der Straße des Lebens

Das erste gemeinsame Zuhause: ein Siebeneinhalbtonner. Jennifer und Peter Glas und ein zwei Jahre langer Roadtrip im Unimog – von München nach Wladiwostok.
Eine Liebesgeschichte.

Jennifer.

Ich sitze am Ufer des Pazifiks an der wilden Ostküste Russlands, im fernen Sibirien, unweit der idyllischen Hafenstadt Wladivostok. Ich blicke auf das Meer und voller unbestimmter Sehnsucht beobachte ich die großen Schiffe in der Ferne. Ich versinke in meinen Gedanken und lausche der melancholischen Folklore, die aus einem kleinen Zelt unweit unseres Trucks zu vernehmen ist.

Neulich wurden wir gefragt, warum wir das eigentlich machen. Diese Reise. Nach kurzem Überlegen kam ich zu einer recht simplen Antwort:

„Weil es eigentlich keinen Grund gibt, das nicht zu machen.“

 
 
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Es ist der frühe Sommer 2012. Peter und ich sitzen in einem kleinen Lokal in meinem Münchner Viertel – und zittern. Beide halten wir uns verkrampft an einem Glas Wein fest und blicken nervös auf die Platzdeckchen auf dem Tisch. „Was tun wir da eigentlich?“ fragen wir uns immer wieder kopfschüttelnd. Sind wir wahnsinnig? Mein Herz klopft. Irgendetwas tanzt in meinem Bauch. Ich trinke einen großen Schluck Wein. Einen sehr großen.

Wir kennen uns gerade viereinhalb Monate. Zugegeben – wir kennen uns für die Kürze der Zeit recht gut. Doch ist das ausreichend, um sich gemeinsam in ein Abenteuer zu stürzen? Wir haben noch nie zusammen gewohnt.

What the hell am I doing here?

Vor uns auf dem Tisch liegt ein handgeschriebener Kaufvertrag. Es geht um einen Truck. Einen fast 30 Jahre alten LKW. Einen Siebeneinhalbtonner! Er soll unser erstes, gemeinsames Zuhause werden. Geht das gut? Und mit diesem Zuhause wollen wir nach Osten fahren. So weit – bis es nicht mehr weiter geht. Oder genau so lange wie wir Freude daran haben.

Doch kann ich das denn einfach so machen? Kann ich nach viereinhalb Monaten einen gemeinsamen Lebensabschnitt on the road planen? Mit einem Menschen, den ich eigentlich kaum kenne? What the hell …? Kann ich einfach meinen sicheren Job kündigen? Darf ich meinen beruflichen Werdegang unterbrechen? Oder gar beenden? Meine Sicherheit aufgeben? Meine Komfortzone verlassen? Kann ich meine großzügige Wohnung gegen sieben Quadratmeter engsten Wohnraum eintauschen? Kann ich einfach alles aufgeben um mich mit Peter auf den Weg in die Welt aufzumachen? Ich schaue ihn an. Wir müssen lachen. Schnell sind wir uns einig: Wir können.

Hell, yeah!

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Als Peter und ich uns kennenlernen, befinden wir uns in einer ähnlichen Lebensphase. Wir sind fleißig, wir leben bewusst und intensiv in Basel – beziehungsweise in München. Wir haben wundervolle Freunde. Wir reisen gerne. Wir haben uns ausgetobt. Wir sind beruflich mehr oder weniger erfolgreich – auch wenn wir unsere Tätigkeiten in regelmäßigen Abständen hinterfragen. Wir sind aktiv. Wir können am Ende jeden Monats etwas Geld zur Seite legen. Wir bezeichnen uns beide als glücklich.

Die Tatsache, dass wir uns im März 2012 kennenlernen, bereichert unser beider Leben unverhofft und völlig unerwartet – vervollkommnet unser beider Glück. Die Welle dieses Glücks und unsere Dankbarkeit darüber verwandeln wir vom ersten Tag an in positive Energie und wagen einen neuen Abschnitt in unserem von nun an gemeinsam gelebten Leben. Wir sind uns darüber bewusst, dass es genügend Gründe gäbe, all das nicht zu tun. Doch wir wissen, dass es für uns in diesem Moment keinen einzigen Grund gibt, es nicht zu tun.

Ich bin an diesem regnerischen Abend 35 Jahre alt. Peter ist 40. Wir stehen in der Mitte unseres Lebens. Doch wir möchten diese Reise wagen, solange wir jung und gesund sind. Wir möchten die Welt sehen, wie sie wirklich ist. Wir möchten unsere Vorstellungen dieser Welt bestätigt wissen – oder auch berichtigen. Wir möchten die Welt jetzt sehen – so lange sie noch so ist. Und wir möchten gerne fremde Kulturen und Menschen kennenlernen.
 
 
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Doch wir möchten vor allen Dingen uns selbst kennenlernen. Wir möchten viel Zeit miteinander verbringen – mehr Zeit als uns unser derzeitiges Leben erlauben würde. Wir möchten wissen, was Freiheit bedeutet und wie wir damit umgehen werden. Aber auch was es bedeutet, weniger zu haben, einfacher zu leben. Wir möchten wissen wie wir als Team funktionieren und aneinander wachsen können. Wir möchten leben und sein und spüren und uns bewegen. Wir möchten uns reduzieren, den Ballast abwerfen und uns frei machen. Wir möchten das Geschehene hinterfragen. Wir möchten uns nicht verändern – doch gemeinsam entwickeln und voneinander lernen.

Vor allem möchten wir uns den nötigen Raum und die Zeit für all das geben!

Und vielleicht möchten wir am Ende sagen, dass alles gut ist wie es vor der Reise war – und uns sakrisch darüber freuen. Wir möchten Schüler sein, von uns selbst, voneinander, von – und in dieser Welt.

Und so stehen wir ganz am Anfang einer sehr langen Straße die uns vielleicht eine Richtung weisen kann – uns aber nicht zwingend an ein Ziel bringen muss.

 

* * *

Warum wir mit dem Auto reisen

Auf die Straße. Fertig. Los

Selbstbestimmung. Freiheit. Unabhängigkeit.

Peter.

Rückblick. Es ist unerträglich heiß. Die Straße furchtbar schlecht. Vor schlappen zwölf Stunden bin ich mit dem Bus in Guatemala City losgefahren. Ölige Teigtaschen vom letzten Umsteigen in der fettigen Tüte. Ein Knoblauch – und noch vieles mehr –ausdünstender Sitznachbar. Vollkommen übermüdet, durchgerüttelt, durchgeschwitzt und hungrig schlage ich an einem trostlosen Busbahnhof auf. Mühsam sind alle Habseligkeiten wieder im Rucksack verstaut, alle Gliedmaßen einigermaßen zurecht gerückt. Tief Luftholen! Und dann trete ich hinaus, in die knallharte Reiserealität!

„Mister! Come come! Taxi! You need taxi?“ „Mister! Mister! I know a very good Guesthouse!“

Paawauw! Der nächste Schlag! Acht My Friends bedrängen mich und schreien etwas von „the nicest“, „the cheapest“, „the best location in town“, „the you-will-never-want-to-leave-again“ … Hotel! … Restaurant … „Come! Very good price for you!“ … wie schön! Ich bin angekommen!

Das ist natürlich nur einer der vielfältigen Gründe, warum ich eine Langzeitreise lieber mit dem eigenen Fahrzeug machen wollte – und immer noch will!

Reisen mit dem Rucksack ist wunderbar. Ich habe es geliebt. Jen auch. Aber dauernd? Rund um die Uhr. Für ein bis zwei Jahre … auf unbestimmte Zeit? Vielleicht bin ich älter – und eigener – geworden?

Um ehrlich zu sein, ich liebe es meinen eigenen Raum zu haben.

Egal wie klein dieser ist. Ein Raum, den ich so gestalten kann, wie er mir gefällt. Meine Sachen sind mehr oder weniger immer an der gleiche Stelle, mein Chaos ist – wie zuhause – komplett selbst verschuldet. Nun, unser Auto ist unser Zuhause! Aber das Wichtigste: wir können diesen eigenen, ganz privaten Raum, unser Zuhause, überall hinstellen. Und wir sind angekommen. Egal wo.

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Da wir beide sehr naturverbunden sind, zieht es uns eh immer an die Flüsse, ans Meer, in die Wälder, die Wüsten, die Berge … in das somewhere out there. Mit unserem Unimog müssen wir uns wegen der Beschaffenheit des Weges dorthin nicht allzu viele Gedanken machen. Wir finden (fast) immer ein traumhaftes Fleckchen an dem man den Sonnenuntergang genießen kann. Und dann kommt die Nacht und mit ihr die Dunkelheit und all die spannenden Geräusche: das Wellenrauschen am einsamen Strand, das Vogel- oder Insektenkonzert im Urwald, die grasende Yakherde, die im Schutz der Nacht vorbeizieht, die perfekte Stille in der Wüste und dieses Rascheln – dieses Rascheln von dem wir nicht so genau wissen was es ist.
 
 

Mitten in der Natur zu stehen, die beeindruckende Landschaft um uns herum wahrzunehmen, den Geruch von Erde, Wald, Wasser, Stein aufzusaugen oder manchmal auch gar nichts riechen zu können, und die Einsamkeit zu fühlen, das sind die besonderen Momente, die ich mit unserem eigenen Fahrzeug sehr oft und sehr intensiv erlebe.

Über all dem steht aber das Gefühl von Selbstbestimmung, Freiheit, Unabhängigkeit, vom Weiterziehen-Können wenn ich es selbst will – und wirklich nur dann, wenn ich es selbst will.

Und dann tauche ich ein in das Leben in einem fremden Land – denn auf der Straße, da ist das Leben! Auf der Straße sind die Menschen auf dem Weg zur Arbeit, zum Markt, zu ihren Liebsten daheim, auf dem Weg zum Essen, wenn sie nicht eh gleich an der Straße essen. Zweiräder werden repariert, Vierräder auch, Tiere kreuzen den Pfad, wir fragen nach dem Weg, finden ihn … oder auch nicht, werden angesprochen. An der Tankstelle versucht man uns über den Tisch zu ziehen, wir lachen, staunen … und wenn wir wollen, dann halten wir an und sind angekommen. Bis wir wieder weiterfahren.

 

Natürlich ist das Reisen mit dem eigenen Truck nicht immer nur romantisch und Abenteuer pur. Technische Probleme oder die einfache, tagtägliche Wartung des Fahrzeugs „bremsen“ uns oft aus. Aber – und das lerne ich unterwegs – es gibt immer eine Lösung! Und was gibt es Lohnenderes als eine Lösung zu einem echten Problem gefunden zu haben?

Und so reisen wir und erfahren Kilometer für Kilometer was „Der Weg ist das Ziel“ eigentlich bedeuten mag.

 

* * *

Die Straßenbedingungen

Der Alltag einer Reise

Weshalb Routine auch auf unserer Reise aufkommt. Und warum dies wunderschön ist.

Jennifer.

Ich sitze „zuhause auf dem Sofa“ – in einer kleinen Autowerkstatt in Vientiane. In der Hauptstadt von Laos haben wir vor allen Dingen eines vor: wir sollten unbedingt herausfinden, wo zum Teufel dieses „seltsame“ Geräusch in unserem Motorraum herrührt. Peter liegt mit einem äußerst netten Herrn unter unserem Getriebe und klopft mit einem Schraubenschlüssel lustige Melodien. Derweil denke ich über unseren Alltag auf der Straße nach, während ich den Salat fürs Abendessen putze.

Das Nomadenleben on the road lässt uns unheimlich viel Freiheit erleben. Wir stehen für 1001 Nacht in der einsamen Dasht-e-Kavier Wüste im Iran unter einer Million Sterne, in der Nächsten stehen wir auf einem heruntergekommenen Parkplatz unweit des pulsierenden Bazars in Shiraz. Wir sind unabhängig von Unterkünften, von Transportmitteln, von den gängigen Routen, von Essen-jagen, von touristischer Infrastruktur.

Wir können uns fast überall auf der Welt hinstellen – und sind zuhause.

 
 

Diese Freiheit erfordert natürlich ein paar Dinge, um die wir uns quasi rund um die Uhr kümmern müssen: Wo bekommen wir das Wasser für den Wassertank her? Können wir das Wasser aus dem Brunnen da trinken? Wo gibt es Gas zum Auffüllen? Welchen Adapter brauchen wir? Wohin führt diese Straße? Wie gut ist sie? Gibt es sie überhaupt noch? Und ist sie nachts sicher? Hält uns diese Brücke? Sind die Stromleitungen hoch genug?

Scheint genug Sonne auf die Solarpanels, wenn wir hier länger stehen? Und stehen wir eigentlich gerade? Wie lange darf unser Auto in diesem Land bleiben? Und brauchen wir ein Carnet de Passage? Wo bekommen wir eine Autoversicherung? Was wenn das Land in dem wir uns befinden die Außengrenzen dicht macht? Wie zum Teufel kommen wir hier wieder weg? Gibt es dieses Ersatzteil in Indien? Und was kostet der Versand aus Deutschland? Was wenn wir aufgrund der Sanktionen keine Teile in den Iran bekommen?

Ist die Qualität des Diesels hier ausreichend? Springt unser Auto auf 5.500 Höhenmetern überhaupt noch an? Wie findet man Schlaf bei 45 Grad in der Wohnkabine? Wo finden wir Hefe zum Backen? Einen 12-Volt Schalter? Eine Lüsterklemme? Oder eine Silikonpumpe? Und wie zum Teufel bitten wir die Ameisen aus der Seitenluke herauszukommen? Wir sprechen doch gar kein Malayalam!

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All diesen Fragen und Herausforderungen stehen wir tagtäglich gegenüber. Zunächst klingt das nach jeder Menge Arbeit. Und ja, das ist es. Doch auf der anderen Seite habe ich in den letzten Monaten gelernt, dass uns gerade diese Routine unheimlich viel Halt gibt und unseren Alltag unheimlich bereichert.

Routine erlebe ich also nur dann als belastend, wenn sie von Dingen geprägt ist, die mir keine Freude bereiten. Eine Routine, bestehend aus unterhaltsamen und spannenden Elementen empfinde ich als etwas Wunderschönes. Routine tut mir gut.

Unser Zuhause gibt mir die nötige Basis, mich in dieser Routine aufgehoben und gehalten zu fühlen.

Es sind meist diese kleinen Besorgungen, die mich dem Leben auf der Straße und vor allem mir selbst näher bringen. Die verzweifelte Suche nach der Lüsterklemme in einer kleinen, unbedeutenden, indischen 5-Millionenstadt lässt mich wahrscheinlich mehr von Indien spüren als der Besuch des Taj Mahals (der zweifelsohne einen Besuch wert ist). Die Diskussion mit dem burmesischen Schweißer über unsere Hinterachsfeder ist im Nachhinein doch irgendwie spannender als der Golden Rock.
 
 

Peter und ich werden natürlich hin und wieder an die Grenzen unserer mittlerweile mächtigen Geduld geführt.

Doch im Rückblick sind gerade diese kleinen unscheinbaren Erlebnisse vielleicht die wertvollsten der ganzen Reise.

Dass das Suchen einer leistungsstarken Lüsterklemme in Delhi, das Finden von Trinkwasser in der Wüste des Oman, die Sicherheit in der Nacht oder die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Lebensmitteln in großen Teilen der Welt eben nicht so selbstverständlich sind wie in unserer Heimat, all das ist mir mit jedem Tag bewusst und ich hoffe, dass ich diese Erfahrung für den Rest meines Lebens tief in mir drin verankern und immer wieder abrufen kann. Ich habe gelernt, geduldig zu sein, Dinge einfach passieren zu lassen – und dass Routine etwas Wunderschönes sein kann. Und wenn alles einfach mal zu viel wird, schließe ich die schwere Tür unserer Wohnkabine, verkrieche mich unter meiner Bettdecke, koche mir einen Tee und mache morgen wieder weiter.

 

* * *

Die Menschen

Die Begegnungen auf der Straße

„It’s not about places!
It’s about people.“
Kevin DeVries, Bergführer, Priester, Reisender, Freund

Peter.

Es sind die großen und die kleinen Begegnungen, die Menschen und die Situationen, die mir im Gedächtnis bleiben – und einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Wir werden oft gefragt, welches Land bisher unser Liebstes sei. Und ich weiß immer noch keine gute Antwort auf diese Frage. Oft sage ich, dass jedes Land durch das wir gefahren sind für uns eine besondere Erfahrung war. Weil es immer etwas zu Staunen gab, wir überrascht wurden, enttäuscht wurden – von Menschen. Weil jedes Land anders ist und die Spielregeln nie offen auf der Straße liegen. Und jedes Mal wenn wir etwas über das Land und seine Menschen gelernt haben, begonnen haben uns zurechtzufinden, dann hat dieses Land so viel mehr „Sinn“ ergeben. Wir konnten begreifen. Zumindest ein bisschen. Für kurze Momente.

In vielen Ländern haben es uns die Menschen sehr leicht gemacht zu begreifen und zu verstehen. Mit großer Offenheit gingen sie auf uns zu, auf uns „Fremde“ in diesem merkwürdigen Truck. Wenn wir selbst offen sind, entstehen die schönsten Begegnungen, das größte Staunen und das meiste Lernen. Deswegen sind alle Länder, die wir bereist haben etwas Besonderes. Wegen der Menschen, die wir kennenlernen durften!

Und dabei ist es gar nicht wichtig, wie lange wir uns mit einem Fremden unterhalten haben, wie tiefgehend:

Das, was es so unbeschreiblich macht, ist die Herzlichkeit.

Wenn wir nach einem langen, holprigen Fahrtag dieses extra-laute Lachen einer Horde Schulkinder hören und sehen dürfen, wenn uns beiden total erschöpft auf 5.000 Höhenmetern ein paar Soldaten beim Reifenwechsel zur Hand gehen, wenn uns von einer Marktfrau plötzlich das herzlichste Lächeln zwischen Erde und Sonne geschenkt wird, wenn wir – am wenigsten damit rechnend – aber schon wieder vom Guten im Menschen überrascht werden, dann ist das nicht nur eine wundervolle Erfahrung, es macht Mut und Hoffnung. Und auch ein bisschen süchtig. Auf das Reisen, auf das Fremde und die vielen fabelhaften Menschen, die es in unserer Welt gibt.

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Manchmal bin ich ein bisschen traurig, dass es nicht möglich ist, mit allen unseren Begegnungen in Kontakt zu bleiben. Hilfsmittel wie Social Networks und Emails helfen natürlich sehr, aber räumliche Distanz ist und bleibt ein Hindernis. Daher entwickeln sich diese Begegnungen immer nur auf Zeit – und niemals in der Tiefe wie unsere Freundschaften zuhause. Und das ist auch völlig okay so.

Noch trauriger macht mich allerdings, dass in manchen Gegenden so viele Menschen auf uns zugekommen sind, dass wir sogar ablehnend sein mussten – sei’s weil wir einfach todmüde waren … oder vor der Nacht ein bestimmtes Etappenziel erreichen sollten. Im Nachhinein beschämt es mich, dass es auf unserem Weg sicherlich Menschen gab, die uns als abweisende Gäste in ihrem Land erlebt haben müssen.

Wir versuchen, der Gastfreundschaft, der Neugier und der schlichten Aufregung über unser Fahrzeug mit größtmöglicher Offenheit zu begegnen. Und mit Fotos aus unserer Heimat, einer kleinen „Hausführung“ im Truck, einem mit Händen und Füßen geführten Gespräch unter unserem Vorzelt bei Chai und Selbstgebackenem. Damit dürfen auch wir manchmal Gäste willkommen heißen – in unserem täglich neuen, temporären, kleinen Zuhause in der Fremde.
 
 
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Die Gastfreundschaft, die uns überall zuteil wurde, ist einfach atemberaubend. Da treffen wir auf den lustigen Mehmet, der uns kurzerhand mitnimmt zum Geburtstag seiner Tochter. Bei einem opulenten Ramadan-Fastenbrechen in Form von türkischen Leckereien erzählen wir uns Geschichten, feiern und singen und tanzen.

Da ist der Sänger Shani, der Mokka im Feuer kocht – in den Steinen der türkischen Schwarzmeerküste. Später singen und tanzen wir mit den Frauen zu seiner anmutigen Sas Musik.
 
 
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Da sind die wundervolle Fathma und ihr Mann Berus, die uns an unserem ersten Abend im Iran in ihr Haus einladen. Bei Tee und persischem Reis und Lamm, dem synchronisierten „Kommissar Rex“ auf dem Fernseher im Hintergrund, erzählen sie uns so vieles über ihr Land, gehen mit uns Äpfel pflücken und zeigen uns ihre Stadt.
 
 
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Da ist der fremde Trucker, der uns während der Fahrt mehrere Mangos durch das offene Fenster wirft. Oder der Trucker in Bandar-e-Abbas, der uns einfach mal zu 120 Litern Diesel „einlädt.“

Wir treffen auf den einzigartigen Djavad in Tabriz, der uns seinen Garten überlässt, mit uns grillt und kurzerhand seine ganze Familie einlädt um uns zu treffen. Djavad, der uns während unserer ganzen Zeit im Iran per Telefon begleitet und schließlich durch das ganze Land fährt um uns am Ende zu verabschieden. Djavad, der heute Freund ist.
 
 
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Da sind die indischen Ranger Steve und Deepti, die uns an ihr Lagerfeuer bitten und uns alles über die Wildtiere ihrer Heimat erzählen. Oder Michael und Vasan in Kashmir, die uns in ihr Zeltlager im Pilgerdorf Baltal bitten und mit nordindischen Chapatis und Dhal verwöhnen. Oder unser Unimog-verrückter Freund Kunal, der uns hilft, die Komplexität Indiens zu entknoten und der seine Liebe zum Unimog verliert, als er Unseren in einem Sandgraben versenkt – wir sind aber alle gesund und munter und haben uns mittlerweile weitere vier Male in ganz Indien getroffen.
 
 
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Da sind der alte Vladimir und sein Genosse Dimitri, zwei waschechte Kommunisten, die uns zu frisch gefangenem Fisch und Pelmenis in ihr buryatisches Wohnzimmer bitten. Wir bringen Salat mit und Kuchen und feiern das Leben zur melancholischen Folklore, die die beiden Jäger und Sammler auf Gitarre und Bayan zum Besten geben. Gerührt und mit Tränen in den Augen verlassen Peter und ich den Hof am Rande des Baikalsees.
 
 
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Da ist auch der einzigartige Lamaji Tashi Namgyal, der uns mit seiner Herzenswärme für viele Wochen am Leben seiner tibetischen Schule teilhaben lässt, der uns Lehrer für die Kinder und Schüler des Lebens sein lässt – und uns durch sein selbstloses Handeln und Wirken in Spiti für immer in Erinnerung bleiben wird.

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Ja, da sind die unzähligen Menschen aller Länder die uns zum Tee oder Çay eingeladen haben, uns mit Früchten, Gemüse und Gebäck beschenkt haben. Ein Kilo Datteln „einfach so, weil ihr Gäste seid in unserem Land!“

Wir sind dankbar für die kleinste Schraube, jeden Holzpflock, jedes Werkzeug und jedes aufmunternde Lächeln – das in einer bestimmten Situation mehr Wert war als jedes Königreich. Da sind unendlich viele Menschen auf der Straße die unvoreingenommen auf uns zukommen, um uns den Weg zu zeigen oder gar mit dem Motorrad vor uns her zu fahren, damit wir nicht verloren gehen.

Wir sind dankbar für jeden Garten in dem wir stehen durften, für das Wasser das wir tanken … für das Trinkwasser das wir abfüllen durften, für das Feuerholz das uns überlassen wurde. „Do you need help!“ hören wir öfter als wir das jemals erwartet hätten. Und wir erfahren, dass es keine Floskel ist. Und vor allem sind wir unendlich dankbar für alle Menschen und deren Geschichten, die Gespräche, die Feste und Feiern, derer Schilderungen den Rahmen dieser Erzählung sprengen würden.

Doch jede einzelne Geschichte bleibt in unserer Erinnerung, in unseren Herzen als großes Geschenk der Straße dieses Lebens.

 

* * *

Ein Road Movie

Die Schönheit der Straße

Eigentlich ist das wie Kino! Ganz großes Kino. Ganz oft zumindest. Und ein Privileg, das erleben zu dürfen.

8.30 Uhr in der Früh. Unser Zuhause ist rüttelfest aufgeräumt, die Tür verschlossen, die Einstiegsleiter eingehängt, der Motor läuft, Handbremse los und dann beginnt die Vorstellung. Der Schauplatz: irgendwo im Himalaya.

Film ab. Wir fahren die zwei Kilometer über Stock und Stein zurück zur sogenannten Hauptstraße. Es schaukelt ziemlich. Da war schon gestern Nachmittag als wir ankamen kein richtiger Weg. Ein letzter Blick gilt der friedlichen Wiese auf der wir die Nacht verbracht haben, den wilden Pferden und dem einsamen Schäfer, der uns am Abend noch um ein wenig Diesel für seine Lampe gebeten hatte.

Aber dann sind wir wieder auf der Straße – oder was noch davon übrig ist. Die Spannung steigt. Knappe 80 Kilometer haben wir uns für heute vorgenommen. Mal sehen, ob wir die schaffen. Wir haben es ja nicht eilig. Die Straße lässt das gar nicht zu. Unser Film läuft in Slow Motion. Schlaglöcher und Geröllhaufen zwingen uns zu einem eleganten Slalom. Manchmal. Meist bestaunen wir die Nebenschauplätze um uns herum. Jen und ich sitzen quasi in der Loge. Wir erheben keine Ansprüche auf den Regiestuhl. Wir lassen uns treiben.

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Alles was Räder hat oder diese vorwärts schiebt ist auf der Straße. Güter und Waren, Obst und Gemüse jeglicher Größe werden abenteuerlich auf Ladeflächen, Autodächer, Motorradsitze oder Eselsrücken geknotet. Ja Tiere gibt es auch. Kühe, wilde Pferde, Hunde, Katzen, Schafe, Ziegen, Yaks und noch vieles mehr. Mehr oder weniger einträchtig bewegen sich hier alle auf der Straße.

Und wir mittendrin in dieser fließenden Choreographie.

 
 
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Manche Leute schauen ungläubig wenn sie uns sehen, manche winken, hupen, oder kommen gefährlich an uns herangefahren. Wir müssen unterwegs noch was zu essen einkaufen. An einem kleinen Shop auf dem Weg nach Lossar halten wir. Viele Touristen waren wohl noch nicht hier. Mit einem Lächeln und viel Deuten gelingt es uns, Gemüse für die nächsten Tage off the road einzukaufen.

Tomaten, Blumenkohl, Kartoffeln und zwei andere Gewächse, von denen wir die Namen nicht kennen, die aber schmecken. In einem kleinen, vor dem Wind schützenden Versorgungszelt gönnen wir uns einen heißen Chai, etwas köstlich Herausgebratenes und wollen schließlich weiterfahren. Plötzlich werden wir von Soma angesprochen. Er hat uns schon vor ein paar Tagen weiter unten am Berg gesehen und lädt uns zum Tee ein. Wir unterhalten uns über die beeindruckende Gegend, dass die Menschen hier im Tal besonders ausgeglichen sind, dass er selbst auch gerne nach Spiti kommt um aufzutanken, und dass man einfach ehrfürchtig wird, sobald man dieses Tal erreicht.

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Wahrscheinlich schaffen wir die 80 Kilometer heute nicht. Müssen wir das? Wir wollen es gar nicht. Wir genießen den Moment. Wollen, dass der Film noch nicht zu Ende ist. Die Hauptrolle überlassen wir dem Hier und Jetzt. Jen und ich fühlen uns als winzig kleine Statisten im großen Kino der Natur. Wir rollen durch Kulissen, die zu einzigartig sind, zu mächtig, zu fabelhaft um sie mit einem oder vielen Worten zu beschreiben.

Ein paar Stunden später haben wir in genau dieser gewaltigen Kulisse unseren Schlafplatz gefunden. Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen, die das Drehbuch für uns bereit hält und freuen uns schon auf den Morgen. Hier kommt doch keiner und räumt über Nacht die Bühne weg?

Ach so, es gibt auch Scheißfilme im Kino!

 

* * *

Entlang der Straße

Das Reisen in Echtzeit

Beobachtungen: Wenn sich die Umwelt in kleinen Schritten verändert.

Jennifer.

Ich sitze an einem Strand im Osten Malaysias. Der Muezzin singt in der Ferne. Ich erinnere mich an den ersten Muezzin den wir auf dieser Reise bewusst wahrgenommen haben. Es muss damals in Bosnien gewesen sein. Das war vor mehr als zwei Jahren. Es ist seltsam, wenn ich bei Erinnerungen an den Beginn unserer Reise von „damals“ spreche. Kann das denn sein? Ich denke nach über das Wesen der Zeit.
 
 
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Das Spannende am Reisen über Land ist für mich die Fortbewegung in Echtzeit – die ausgesprochen langsame Veränderung unserer Umwelt: Kirchen, Gesänge, religiöse Stätten, Kleidung, Vegetation, Landschaften, Architektur, Infrastruktur, Sprachen, Dialekte, Grußworte, Gesichtszüge, Fortbewegungsmittel, Schriften, Traditionen, Speisen … ihre Wesen verändern sich unheimlich langsam, aber dennoch stets. Sie gehen ineinander über, verschwinden und erscheinen an anderer Stelle wieder. Die Kleidung von Dolma in Ladakh erinnert mich an die Kleidung der Nomadenfrau der Wüste Gobi. In Nagaland, im Nordosten Indiens verändern sich die Gesichtszüge der Menschen so sehr, dass ich mich überall – nur eben nicht in Indien vermute.
 
 
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Der Austausch über diese Beobachtungen nimmt einen unheimlich großen Raum in meinen Gesprächen mit Peter ein.

„Riechst du das?“ „Hörst du das?“
„Schmeckst du das?“ „Siehst du das?“

Immer wieder entdecken wir Neues, Überraschendes, Wiederentdecktes und Bekanntes. Wir freuen uns über kleine Details oder Dinge, die unsere kurz zuvor erlangten Erkenntnisse wieder ad absurdum führen.

Das Reisen mit unserem Truck passiert so langsam, dass wir es in zwei Jahren gerade mal von München nach Malaysia geschafft haben. Man kann das auch in drei Monaten schaffen, doch wir genießen die Freiheit der Langsamkeit, die Freiheit uns in Nepal zwei Monate in das Pokhara Valley zu stellen oder in Goa für genauso lange an den Strand, die Freiheit des Innehaltens wann immer wir das Bedürfnis danach haben. Mir persönlich erscheinen die letzten zweieinhalb Jahre unverhältnismäßig länger. Ich habe das Gefühl, seit mehreren Jahren unterwegs zu sein. Aber sollte es nicht genauso sein?

So muss ich vielleicht den Begriff des „Reisens in Echtzeit“ berichtigen. Vielleicht führt das langsame Reisen mit dem eigenen Fahrzeug eher zu einer immensen Ausdehnung der Zeit? Ich weiß es nicht.

Da werde ich vielleicht morgen noch einmal drüber nachdenken. Oder vielleicht auch übermorgen.

 

* * *

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Diese Straße fahren wir gemeinsam

Über die Liebe

Jennifer.

Singapur. Der 15. Mai 2015. Das ist unser zweiter Hochzeitstag. Peter hat mich in ein richtig großes Hotel eingeladen. Am Abend werden wir ausnahmsweise zum Dinner äußerst schick ausgehen. Zum Franzosen. Zwei volle Tage genießen wir ein klimatisiertes Zimmer, eine Dusche mit ordentlichem Druck, eine Badewanne, ein ausgiebiges Frühstück, ein großes Bett, ja sogar frische Bademäntel und hoteleigene Pflegeprodukte, einen Föhn und ein richtig großes Schwimmbecken mit sauberem Chlorwasser.

Glücklich, dankbar und unheimlich bewusst drehe ich meine Runden in dem großen Pool auf dem Dach, der nachmittägliche Regen stört mich wenig. Ich freue mich über diesen außergewöhnlichen Luxus, den mein wundervoller Mann mir geschenkt hat – und über das Geschenk das mir mein Leben gemacht hat: meinen wundervollen Mann. Und dann denke ich nach – über die Liebe und das Leben.
 
 
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Wir sind gemeinsam ins kalte Wasser gesprungen und haben Schwimmen gelernt. Meistens planschen wir fidel, doch wir haben uns auch dem ein oder anderen Sturm oder den Naturgewalten gestellt, die von außen auf uns einwirken. Gemeinsam. Wir müssen uns aufeinander verlassen können, wenn wir einen Siebeneinhalbtonner durch die Welt fahren. Auch wenn wir gerade mal keine Lust dazu haben. Schmollen ist nicht – wenn man an einem 700m tiefen Abhang entlang rollt.

Auf den Straßen Indiens mit Linksverkehr reichen zwei Augen nicht.

Und wenn man den Truck im Matsch versenkt oder den Tee über den Spannungswandler schüttet sind Wutausbrüche oder Vorwürfe wenig zielführend. Wir müssen handeln. Gemeinsam. Hand in Hand. Rund um die Uhr. Zugegeben: Sieben Quadratmeter können manchmal eng sein – besonders wenn es regnet. Doch sie sind unser Zuhause geworden. 24 Stunden am Tag zusammen zu sein ist gewiss eine große Herausforderung – doch Achtsamkeit ist unser Mantra.

Peters Schwester Elisabeth hat uns vor Abfahrt in München eine Kerze geschenkt. Wir sollten sie gemeinsam anzünden, wenn wir zwei miteinander an unsere Grenze stoßen. Sie steht noch immer hier im Schrank. Unangetastet. Und das ist schön.

Ach so. Und bevor die Reise richtig los ging, haben wir ganz am Anfang spontan geheiratet. In Italien. Als Symbol unserer Liebe und dem großen Wunsch, die Straße des Lebens gemeinsam gehen zu wollen.
 
 
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„Danke, Peter, für deinen Mut, dein komplettes Leben über den Haufen zu werfen, um mit mir in die Welt zu fahren. Danke, dass du dich um all die technischen Dinge kümmerst, für die ich alles nur kein Händchen habe. Danke, dass du das Steuer übernimmst, wenn mein Oberschenkel vom vielen Kuppeln müde wird. Danke, dass du es als äußerst ordentlicher Mensch wagst, auf sieben Quadratmetern mit einer großen Überzeugungs-Chaotin zu leben.

Danke, dass du meine Launen erträgst, die es selbstverständlich gar nicht gibt. Danke dass du meine Wunden versorgst, nach allen gefühlten einhundert Unfällen, bei denen ich mir irgendein Körperteil aufgeschlagen habe. Danke, dass du die Leute vor dem Truck ablenkst, damit ich hinter den Büschen Pipi machen kann. Danke, dass du mir die Decke an den Füßen einschlägst, wenn mir nachts kalt ist. Danke, dass du mich hoch hältst als deine Frau – und mich dennoch manchmal ein kleines, ängstliches Mädchen sein lässt. Danke, dass du länger nachdenkst, wenn ich viel zu impulsive Entscheidungen treffen möchte. Danke für deine Beharrlichkeit, den schönsten Stellplatz dieser Welt zu finden. Jeden Tag aufs Neue. Danke dass du die Sterne mit mir zählst, immer und immer wieder.

Danke, dass du da bist.“

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Peter.

Wir wurden mal gefragt, warum wir mit einem Unimog losgefahren sind. Meine vermeintlich sinnvolle Antwort war „dass wir ein Fahrzeug wollten, dass unseren Wunsch nach Freiheit zu 100% mittragen kann!“ Das stimmt schon, ist aber ganz schnell null und nichtig, wenn dein Reisepartner kein Bedürfnis nach Freiheit hat. Mit der Freiheit kommen sehr viele Entscheidungen und die machen das Leben manchmal ein bisschen komplizierter. Und das muss man mögen, man muss es eigentlich lieben, wenn man für längere Zeit auf Reisen geht. Und genau dafür liebe ich meine Frau über alles! Nicht nur, weil sie die Freiheit liebt, nein, auch weil sie uns jeden Tag daran erinnert, dass wir die Freiheit leben dürfen!
 
 
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„Danke, Jen, dass du unsere Freiheit lebst und beschützt. Danke, dass du immer noch eine Idee hast, wenn es scheinbar nicht mehr weiter geht. Und Danke, dass du auch in ätzenden Situationen immer noch eines deiner vielen zauberhaften Lächeln parat hast. Danke, dass du immer noch die Muse hast auf viel zu wenig Küchenraum nicht nur unseren Proviant zu verstauen, sondern auch aus einfachsten lokalen Zutaten ein grandioses Abendessen zuzubereiten. Und Danke, dass du mich erträgst, wenn ich mal wieder was am Auto kaputt repariert habe, auch wenn es bedeutet, dass wir wieder einmal stundenlang Werkstätten oder Baumärkte oder sonstige Läden abklappern müssen.

Danke, dass du mir mein Buch aus der Hand nimmst bevor es mir beim Einschlafen auf die Nase fällt. Und danke, dass du mir beim Aufwachen die Zeit gibst, die mein schlaftrunkenes Ich benötigt, um in einen neuen aufregenden Tag zu starten. Ich weiß, dass das nicht jeden Tag gleich ist, aber deswegen bewundere ich dich so sehr: du schaffst es, dich immer wieder auf mich einzustellen. Danke, dass du mich deine Sachen wegräumen lässt, weil es mir Spaß macht.

Aber am meisten möchte ich dir danken, dass du die letzten mehr als zwei Jahre immer genau da warst, wo ich auch war!

 

* * *

Bild letztes Kapitel

Die Straße des Lebens geht weiter

Jennifer und Peter.

Ist das nun das Ende? Nein, wir sind nicht Thelma & Louise. Nein, es wird keinen dramatischen Show Down geben. Das Ende unserer Reise kündigt sich sanft und ausgesprochen friedlich an. Es passiert an einem Strand in Thailand. Nach ein paar anstrengenden Wochen und einigen kräftezehrenden Werkstattbesuchen gönnen wir uns einige Tage an einem einsamen, paradiesischen Strand. Wir sind erschöpft und brauchen eine Pause.
 
 
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Nach einer Weile der Ruhe soll es aber wieder weitergehen. Mit Sand zwischen den Zehen und das türkisblaue Meer beobachtend brüten wir über Karten und den ersten Angeboten von Verschiffungsunternehmen. Doch als wir in die Details über die Fortsetzung unserer langen Reise über Canada nach Südamerika einsteigen – in unserem Tempo ein Unterfangen von mindestens weiteren zwei bis drei Jahren – spüren wir zum ersten Mal etwas ganz Neues und äußerst Spannendes: die Sehnsucht nach Freunden und Familien – nach Heimat – überwiegt zum allerersten Mal unsere Sehnsucht in die Ferne. Wir schauen uns an, halten uns, lächeln – und plötzlich entsteht ein ganz warmes und zauberhaftes Gefühl.

Peter blickt aufs Meer und sagt „Ich glaube, wir sind angekommen!“

Kurzerhand werden in den nächsten Tagen viele Pläne und Gedanken über den Haufen geworfen. Es passiert das, was uns während der Reise immer wieder passiert ist: die Route wird neu berechnet! Schnell wird uns klar, dass wir nicht von heute auf morgen zurückkehren wollen. Nein. Wir wollen langsam nach Hause rollen, die Runde zu Ende fahren. Zeit und Raum haben zu reflektieren, Abschied zu nehmen und uns auf die Fortsetzung der Straße des Lebens vorbereiten. Ein neuer Streckenabschnitt beginnt, irgendwann in den nächsten Monaten, wenn wir nach zweieinhalb Jahren den langen Weg von Russland über die Mongolei und Kasachstan nach Deutschland gefahren sind.

Die Freude ist groß. Über das Gewesene. Über das Geschehene. Über das Hier und das Jetzt. Und die Vorfreude? Sie ist fast noch größer:

Auf alle Wege und Straßen und Umwege und Schotterpisten die diese Straße des Lebens noch für uns bereit halten wird.

 

* * *

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Leserpost

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  • philippe on 28. Dezember 2015

    Your story read like a book,i’m flemish end 65y,a little bid to old to travel like you do but I injoing to folow you on your travel.If you comme to Belgium let my know,I want to meet both.

    Antworten
    • Jennifer und Peter on 30. Dezember 2015

      Hi Philippe …
      thanks a lot. We would love to meet you in Belgium, so we’ll keep you posted!
      Best from Germany and a Happy New Year,
      Jen & Peter

  • Reni - Swiss Nomads on 2. Januar 2016

    Hi Jennifer and Peter

    What a great read and very inspiring story. I just stumbled upon your post on twitter and couldn’t stop reading. Thanks for sharing.

    My husband and I love road trips and we’re planning our next big adventure. Can’t wait to get back on the road ☺

    Safe and happy travels,
    Reni

    Antworten
    • Jen & Peter on 7. Januar 2016

      Hi Reni,
      good to hear from you. Thanks a lot.
      We wish you all the very best for your upcoming trips, take good care and enjoy!
      Keep on *road tripping.‘
      Best, Jen & Peter

  • Susan on 3. Januar 2016

    Hi Jen and Peter! Nice story. My husband and I just downsized and bought a truck camper. We can’t yet leave our lives like you did but enjoy the mini trips in between. Thanks for the inspirational story!

    Antworten
    • Jen & Peter on 7. Januar 2016

      Hi Susan!
      Thanks a lot!
      Every trip is a good trip!
      Enjoy … and safe travels.
      Jen & Peter

  • ute on 11. Januar 2016

    WAS SEID IHR FÜR SPANNENDE; tolle Leute, um es milde auszudrücken. Ich wünsche Euch noch viele Abenteuer auf dieser Welt. Das Nachhausekommen und Weiterleben hier in D.(?) hätte mich auch sehr interessiert…

    Mir gefallen eure Begegnungen, Eindrücke, Lebensphilosophien…und v.a. euer Fahrzeug (die Einrichtung)… da würd ich auch gern drinnen schlafen!

    Habt ihr schon ein Buch geschrieben? Ich bin absolut nicht into Lesen, aberEuch les ich gerne!!!

    Antworten
    • Jen & Peter on 23. Januar 2016

      Liebe Ute,
      herzlichen Dank für dein schönes Feedback. Und danke für die guten Wünsche.
      Ein Buch gibt es derzeit (noch) nicht …. allerdings kannst du zwei unserer Geschichten im großartigen Buch der Travel Episodes finden.
      (Danke nochmal an Johannes Klaus an dieser Stelle – für dieses wunderschöne Projekt!)

      Es wird auf jeden Fall bald noch einzwei Geschichten zu unserer Rückkehr in Deutschland und den damit verbundenen Gefühlen und Eindrücken geben. Auch das ist alles sehr spannend gerade.
      Bis dahin grüßen wir dich,
      Jen und Peter

  • Brigitta on 18. April 2016

    Hallo,
    was für ein schöner Bericht.ich bewundere Euch für diese Reise.
    Mit diesem Unimog zu fahren , schalten und schaukeln ist ja schon
    eine irre Arbeit und dieses klettern. Alle Achtung.Aber es ist natürlich auch schön auf kleinem Raum, wenn mal im Dunkeln genau weiß wo alles liegt und alles einteilen muss und creativietät gefragt ist.und Mut gehört dazu. Euch alles Gute.
    Brigitta (wohnmobilmitfahrerein light, allerdings auch ein Autarkmobil aber mit Luxus )

    Antworten
  • Suryaveer Singh on 24. April 2016

    Great story, great multimedia! I met you briefly after you had crossed over Kunzum Pass into Spiti, I was headed up the pass in a silver Tata SUV. Am now planning a trip towards southeast Ladakh, and came across your site again. All the best for your future journeys! If you happen to pass through Abu Dhabi, get in touch. Prost!!!

    Antworten
  • Arthur Pelchen on 7. Juli 2016

    Liebe Jennifer, lieber Peter,

    danke für die schönen Bilder und den berührenden Text, der mir Herz und Seele gewärmt hat, und mich davon überzeugt hat, unser Wohnmobil weiterzubauen und mindestens wieder auf mehrmonatige Touren zu gehen, um wieder in die von Euch sehr treffend beschriebene Stimmung zu kommen …

    Arthur

    Antworten

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