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The Travel Episodes

 

 

Zu Fuß im afrikanischen Busch

Hör auf die Stille

von Franziska Consolati

 

Vielleicht war es noch nie zuvor so wichtig, dass ich still bin. Und ich meine – wirklich still. So still, dass ich noch nicht einmal meinen eigenen Atem hören kann.

Der Elefant, der vor ein paar Sekunden benommen aus dem Gebüsch gestolpert ist, sieht so aus, als hätten wir ihn bei seinem Mittagsschlaf überrascht. Mit weit aufgerissen Augen starrt er uns an. Den Kopf hat er hoch in die Luft geworfen. Seine Ohren breit aufgestellt. Er macht keinen Mucks. Ist sicher drei Meter groß. Und – wie war das gleich? Fünf Tonnen schwer?
Bei dem Gedanken beschleunigt sich mein Herzschlag. Meine Hände werden schwitzig, meine Beine ganz wackelig.
Stopp. Stille. Ich erinnere mich. Mein Rucksack zerrt an meinen Schultern. So fest ich umklammer ich mit beiden Händen meine Wanderstöcke – weil sie das Einzige sind, das mit grade Halt gibt.
Der Elefant starrt mich an und ich starre zurück.
So leise ich kann, atme ich tief ein, tief aus. Tief ein, tief aus. Der Elefant verliert den Ast, den er sich gerade mit seinem Rüssel wie in Zeitlupe in den Mund gestopft hat. Mit einem leisen Plopp landet der Ast auf der trockenen Blätterdecke.
Ich beobachte, wie der Elefant seinen Kopf ganz kurz nach unten senkt. Dem Ast nachschaut. Sich dann aber entscheidet, dass wir – diese kleine, komische Gruppe – immer noch wichtiger sind.

Das ist er also, denke ich mir: der Moment, für den ich hier bin. Er fühlt sich ewig an, dabei vergehen sicher nur Sekunden.
Diesen Moment – ich, zu Fuß, im afrikanischen Busch, umgeben von wilden Tieren – hab ich mir vorher in Gedanken so oft ausgemalt. Immer wieder, in allen Farben. Habe versucht, mir auszumalen, wie er sich anfühlen wird. Wie er aussehen wird, wie er riechen wird. Ich habe versucht, mir auszumalen, wie sich die Stille anhören wird und hatte sogar eine klare Vorstellung, mit welcher Hose ich den Busch durchstreife. Das Bild musste eben passen.
Aber es ist doch so: Egal, wie sehr wir vorher versuchen, uns etwas auszumalen. Wie farbig die Bilder in unserem Kopf sind – die Wirklichkeit ist bunter. Damit wir unsere Vorstellungen wie ein Bilderbuch mit den echten Erlebnissen füllen können, dafür ziehen wir immer wieder los. Weil es nicht reicht, nur die Umrisse zu kennen.

Und jetzt stehe ich hier, vor diesem Elefantenbullen, der so viel größer ist, als ich es mir je hätte ausmalen können. Weil ich mich so viel kleiner fühle, als ich es mir je hätte ausmalen können.
Die Sonne brennt mir in den Nacken, der Staub kitzelt in der Nase. Meine Lippen sind staubtrocken. Welche Hose ich gerade anhabe? Keine Ahnung. Völlig unwichtig.
Vorher wusste ich nicht, was es bedeutet, jede Verantwortung abzugeben. Jede Möglichkeit, eine Situation zu beeinflussen. Denn alles, was gerade zählt, ist der Elefant. Seine Entscheidung. Will er uns zeigen, wie stark er ist und dass wir zu ihm deutlich zu nah gekommen sind, dann kann er das tun. Und es wird ihm ein Leichtes sein. Will er stattdessen in Frieden weitermarschieren, dann kann er auch das.
Es liegt an ihm.
Und, und das klingt vielleicht verrückt, aber sobald mir bewusst wird, dass gerade nichts in meinen Händen liegt, entspanne ich mich.
Ich bin still, mein Atem stumm.
Und ich wünsche mir, dass dieser Moment nie vorbeigehen wird.
Der Elefant schüttelt kurz seinen Kopf, sein Rüssel wirbelt den Staub unter seinen Füßen auf. Seine Augen werden wieder kleiner, die Ohren fallen entspannt nach hinten. Er sammelt den Ast ein, der ihm vorher aus dem Mund gefallen ist, hält ihn mit seinem Rüssel fest, dreht sich stumm zur Seite und stapft an uns vorbei. Würden die Blätter unter seinen Füßen nicht rascheln, er würde keinen Mucks machen. Er hinterlässt keine Spur. Er geht, die Stille bleibt. Uns lässt er hier stehen, als wäre er nie da gewesen.

Sieben Tage ist es jetzt her, dass wir losgelaufen sind. Wir, das sind eine kleine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus Fremden und zwei Rangern. Ein paar von ihnen kenne ich nach diesen sieben Tagen tiefer als manche der Menschen, die mir im Alltag zuhause ständig begegnen. Wir kommen aus Deutschland, aus der Schweiz, aus Dänemark, Namibia, Südafrika. Aber das spielt gar keine Rolle. Viel wichtiger ist nämlich, wo wir hinwollen.
Zu uns selbst.
Das kann niemand leugnen, der sich entschließt, mit einem Rucksack auf dem Rücken und Stille auf der Zunge durch den Busch im Dreiländereck von Südafrika, Simbabwe und Mosambik zu marschieren. Der lieber draußen unter dem Sternenhimmel schläft und jede Nacht im Wechsel Wache hält, anstatt sich in einer Lodge auszuruhen. Der im Fluss nach Wasser buddelt und sich freut, wenn es nicht wieder nach der Büffel-Herde riecht, die die letzte Quelle von oben bis unten aufgewühlt hat.
Es geht darum, den afrikanischen Busch zu erleben, ohne Spuren zu hinterlassen. Ein wilder Ort, der wild bleiben soll. Nichts soll darauf hindeuten, dass sich eine Gruppe Menschen hier entlang geschleppt hat. Gekocht, gegessen und geschlafen hat. Statt Spuren zu hinterlassen, die dort nicht hingehören, folgen wir Spuren, die eins sind mit dieser wilden Natur. Von Elefanten, Leoparden, Büffeln oder Gazellen.
Und es geht darum, sich selbst wieder näher zu kommen. Denn manchmal brauchen wir genau das: nichts. Nur das Einfachste und die Stille im Kopf. Damit wir uns nicht von dem ablenken lassen, worauf wir uns eigentlich konzentrieren sollten.

Hier im Busch drehen sich die Tage um alles, was für unser tägliches Überleben wichtig ist. Sonst um nichts, aber das reicht ja auch.
Das Credo hat uns unser Ranger Rob* beigebracht, bevor wir am ersten Tag nur einen Schritt gegangen sind. Wir standen vor dem dunkelgrünen Pick-up, der uns mitten in der Wildnis abgesetzt hat, und haben uns die Rucksäcke auf die Schultern gehievt. Robs erste Sätze sind für mich nach wie eine der schönsten und passendsten Ansprachen, an die wir uns alle viel öfter erinnern sollten:
„Hört auf, zu glauben, irgendetwas sagen zu müssen. Hört auf, euch Gedanken zurechtzulegen“, hier machte Rob eine Pause und schaut uns allen tief in die Augen.
Er hat eine leise, sanfte Stimme, die trotzdem so eindringlich ist, dass man ihn nicht überhören kann.
„Seid still. Denkt an nichts, außer an das, was ihr gerade seht, hört, oder riecht. Wir müssen nicht andauern in ein Gespräch verwickelt sein. Weder mit anderen, noch mit uns selbst. Lasst die Natur um uns herum unser Gespräch sein.“
Ich nickte stumm und als ich einen Blick in die anderen Gesichter warf, hatte ich das Gefühl, dass der ein oder andere fast ehrfürchtig zu Rob rüberschaute. Rob selbst wirkt wie die Ruhe in Person. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wenn er nicht hierher passt, dann tut es wahrscheinlich niemand.
Von diesem Moment gehörten Gespräche oder laute Gedanken nur noch ans Lagerfeuer am Abend oder in leise Fragerunden, die Rob einleitet, wenn er das Gefühl hat, sie wären nötig. Zum Beispiel, nachdem wir einen ausgewachsenen Elefantenbullen aus Versehen beim Mittagsschlaf gestört haben.

Der erste Tag zu Fuß im Busch hat mich fast zerrissen. Mit jedem Schritt entdeckte ich hinter einem Baum, auf einem Ast oder über meinem Kopf irgendwas, was mich vor Neugierde beinahe platzen ließ.
Rob, welcher Vogel ist das?
Rob, welches Tier brüllt gerade in der Ferne?
Rob, sind das etwa Löwenspuren?
Rob, wo schlagen wir heute unser Camp auf?
Und überhaupt: Rob, wie funktioniert unser Tag?
So viele Fragen, die ich nicht laut aussprechen konnte. Stattdessen war ich still und lief weiter. Mit jedem Schritt formten sich neue, stumme Sätze in meinem Kopf.
Die Mittagspause verbrachten wir an diesem ersten Tag unter den Kronen von knallgrünen Fieberbäumen.
Während über mir drei blau-schimmernde Vögel aufgeregt zwitscherten und sich von Baumkrone zu Baumkrone jagten, dachte ich an die großen Reisen, die ich schon gemacht habe. Mit „groß“ meine ich nicht unbedingt die Reisen, bei denen ich besonders lang oder weit unterwegs war. Sondern eher die, die mich am meisten verändert haben.

Ich dachte ich an die Mongolei, deren Westen ich mit Felix zu Fuß durchquert habe. Felix, das ist seit Jahren mein liebster Reise- und Weggefährte, mein Partner in allen Zeiten und mittlerweile sogar mein Mann. In der Mongolei hatten wir keine Ranger dabei, überhaupt wussten wir nicht, wann wir das nächste Mal auf Zivilisation treffen werden. Es waren nur wir beide und es gab keine Spuren, denen wir folgen konnten.
Ich dachte an Australien. Das war mein erstes Land, in dem ich auf der Weltreise spontan gelandet bin – ohne irgendeine Erwartung und mit noch weniger Plänen. Australien war vor allem das erste Land, in dem ich bleiben konnte, so lange ich wollte. Dort wurde mir klar, dass ich ganz allein in der Hand habe, was als Nächstes passiert. Und wann das sein wird. In Australien und ganz generell in meinem Leben.
Ich erinnerte mich an eine Frage, die mir öfter gestellt wird: Was gibt dir das Reisen, was du zuhause nicht bekommen kannst? Mir wurde klar, dass ich die Frage für eine Antwort umdrehen muss:
Was habe ich auf Reisen, was ich zuhause nicht habe?
Kein Netz. Keine Verpflichtung. Kein Kalender. Keine Termine. Und vor allem kein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht erreichbar bin, wenn ich mir stattdessen Zeit für mich nehme. Ich bin nicht abgelenkt – und kann mich auf das konzentrieren, was mich wirklich umtreibt. Es ist verrückt, dass mir das zuhause nicht immer gelingt.

Ein kleines Fieberbaum-Blatt, das nach einem langsamen Segelflug auf meinem Oberschenkel landete, holte mich zurück in die Mittagspause im Busch. Ich zerrieb den feinen, grünen Staub zwischen den Fingern, der sich von der Rinde der Fieberbäume ablöst, wenn man sie vorsichtig berührt. Meine Füße steckten im warmen Sand. Die Daisy-Sträucher versprühten einen Geruch, für den man in Seifenläden viel Geld bezahlt und auf der anderen Seite des ausgetrockneten Limpopo zupfte eine kleine Herde Gazellen die letzten Blätter von einem dürren Strauch. Neben mir lehnte mein Rucksack, in den ich alles für die nächsten Tage gepackt habe. Daneben saß Felix.
Das beruhigte mich. Denn zwischen all dem Wandel, all den Dingen, die sich andauern ändern, ist er für mich wie der Fels in der Brandung. Die Stabilität, die auch im Sturm noch neben mir steht und meine Hand hält. Wenn ich mich verlaufen habe, legt er mir neue, leise Spuren, denen ich folgen darf.
Ich war glücklich.
 

 
Nach dieser Mittagspause dauerte es nur ein, zwei Tage, dann war es mir endlich egal, wann wir nach der Siesta weitergehen. Es spielte keine Rolle mehr, wo wir abends unser Camp aufschlagen werden.
Ich machte das, worum Rob uns ganz am Anfang gebeten hat: Ich schob alle Gedanken beiseite, die nicht das betrafen, was ich gerade hören, sehen oder riechen konnte. Und plötzlich, als ich selbst leiser war, hörte ich all die anderen leisen Töne um mich herum lauter. Tagsüber, wenn die Vögel sangen, die Affen kreischten, das Gebüsch raschelte und Rob oder sein Ranger-Kollege Steve* für unsere Aufmerksamkeit mit den Fingern schnippten.
Am meisten leise Töne hörte ich aber nachts, wenn das Gehör zum wichtigsten Sinn wird.

Rob hat uns vorgewarnt: „Wenn wir ehrlich sind, sind uns die Nachtwachen ganz am Anfang ziemlich unangenehm.“
Bevor ich darüber nachdenken konnte, was genau so unangenehm sein kann, lieferte Rob die Erklärung. „Stellt euch vor: Alle aus der Gruppe schlafen, nur ihr seid wach. Ihr schaut, dass das Feuer nicht ausgeht, und ihr hört. Das ist das Wichtigste. Ihr hört ganz genau, was um euch herum passiert. Es kann sein, dass sich Elefanten unserem Camp nähern werden, oder auch ein Leopard. Das müsst ihr merken. So früh wie möglich. Und wenn es ernst wird, müsst ihr Steve oder mich aufwecken. Aber, was sag ich. Ihr werdet schon sehen, was ich meine. In ein paar Stunden ist die Sonne ja weg und dann beginnt die Wache.“

Und so sitze ich hier jede Nacht im Sand, nachdem die Sonne am brennenden Horizont verschwunden ist.
Es war die allererste Nachtwache, die mir heute noch besonders tief im Gedächtnis steckt.
Die Nacht war so schwarz, dass ich die anderen aus der Gruppe, die ein paar Meter weiter auf der anderen Seite des Feuers verstreut auf ihren Camping-Matratzen lagen, schon gar nicht mehr erkennen konnte. Es stand kein Mond am Himmel, dafür funkelten eine Million Sterne über dem ausgetrockneten Limpopo, der die Grenze zwischen Südafrika und Simbabwe bildet. Ich zwirbelte das Stöckchen, mit dem ich ab und zu im Feuer rumstocherte, zwischen Zeigefinger und Daumen hin und her. Jedes Mal, wenn sich wer aus der Gruppe bewegte und ein Schlafsack raschelte, schaute ich hektisch in die Richtung.
„,Unangenehm’ trifft’s ganz gut“, dachte ich über Rob Ankündigung nach. Die erste Nachtwache konnte ich mich kaum auf das Wunder einlassen, dass ich gerade erleben durfte. Nur ich ganz allein bin wach, irgendwo im afrikanischen Busch, zwischen Baobab-Bäumen, Palmen und weiß Gott welchen wilden Tieren.
Ich habe Mars am Himmel erkannt, weil er der einzige Planet war, der orange schimmerte. Ich habe gelernt, Sterne und Planeten zu unterscheiden, weil Sterne funkeln und Planeten nicht. Fast jede Minute schwebte ein leuchtender Satellit durchs Bild. Ein Traum. Aber ein Traum, der mich in diesem Moment ziemlich beunruhigt hat.
Was, wenn das Feuer ausgeht?
Was, wenn ich nicht aufmerksam genug höre und erst zu spät merke, dass sich eine Herde Elefanten oder ein Leopard dem Camp genähert hat?
Was, wenn ich Rob oder Steve dann nicht wach bekomme?
Ich leuchtete immer wieder mit meiner Stirnlampe in die schwarze Nacht, um nach leuchtenden Augen Ausschau zu halten. Und gleichzeitig wünschte ich mir nichts mehr, als auf keinen Fall welche zu sehen. Jedes Rascheln ließ meinen Puls nach oben schnellen.
Wie bin ich hier schon wieder gelandet?
Ach ja, ich hab mir gewünscht, zu Fuß einem Elefanten gegenüber zu stehen…

Am nächsten Morgen grinste Rob, als ich ganz vorsichtig andeutete, dass ich die Nachtwache noch nicht so recht genießen konnte.
„Das wird jede Nacht schöner werden, du wirst schon sehen“, sagte er mit einem Zwinkern. „Wenn dein Kopf still ist, wirst du im Dunkeln sitzen und du merkst plötzlich, dass du dir nichts Schöneres vorstellen kannst. Weil du wieder Vertrauen gewinnst. In dich selbst und in alles um dich herum.“
Und – was soll ich sagen? Rob hat recht. Nicht nur damit, dass ich die Zeit nachts unter der afrikanischen Sternendecke von Mal zu Mal mehr genießen kann. Rob hat ganz generell mit sehr vielem recht, das er uns an den Tagen im Busch beibringt. Er weiß schon tausend Schritte vorher, wenn an einem Wasserloch eine Büffel-Herde warten wird. Er weiß, in welcher Nacht und die Elefanten besuchen werden. Und er erkennt in einer Woche fast 300 verschiedene Vogelarten.
Und Rob hat auch damit recht, dass wir alle davon lernen können, wenn uns ab uns zu echte Stille umgibt. Und damit meine ich nicht nur die, die sich ergibt, wenn man leise ist. Sondern auch die Stille, die entsteht, wenn der eigene Kopf keine Gedanken mehr flüstert.

Die nächsten Tage führen Rob und Steve uns fast 80 Kilometer durch den Busch. Wir buddeln im ausgetrockneten Flussbett des Limpopo nach Wasser und graben in Löchern tiefer nach unten, die Elefanten schon vorbereitet haben. Wir lernen, den Vogel zu erkennen, der immer ein Indiz für Büffel ist, und beobachten Flusspferde, wie sie die letzten Sonnenstrahlen genießen. Wir verfolgen große, runde Elefantenspuren und sehen diese grauen Riesen sogar noch ein paar Mal. Wir laufen Umwege, um Büffeln aus dem Weg zu gehen, und hören bei unseren Nachtwachen die Hyänen schreien.

Ich bin fasziniert, ich staune und versinke in dieser neuen Welt. Und vor allem mache ich mir keine Sorgen mehr. Tagsüber nicht, wenn ein Elefant vor uns aus dem Busch stolpert und wir ihm entgegen. Und auch nachts nicht, wenn ich allein neben dem Feuer sitze und die Hyänen kichern höre.
Ich mache mir keine Sorgen mehr, weil ich angekommen bin. Hier im afrikanischen Busch und auch wieder ein klein wenig mehr bei mir selbst. Mein Kopf ist still.
Und als mir bei der allerletzten Nachtwache die Tränen in die Augen treten, weil ich weiß, dass gerade die letzten Momente allein unter dem funkelnden Sternenzelt laufen, gestehe ich mir eine Sache ein:
Ja, es gibt ein paar Seiten in dem Bilderbuch in meinem Kopf, die kann ich nur mit den Erinnerungen aus der Ferne ausmalen. Und zum ersten Mal denke ich, dass das okay ist.

Manchmal müssen wir weit reisen, um wieder ganz nah bei uns selbst zu sein. Genau wie wir nach Afrika reisen müssen, um den Spuren von Elefanten, Löwen und Leoparden folgen zu können, gibt es auch die Spuren zu all den Antworten und Erkenntnissen nicht überall auf der Welt. Wir müssen sie finden, sie verfolgen und von ihnen lernen. Und das Beste, was wir dann tun können, ist, anderen Menschen von diesen Spuren zu verraten. Unsere Erkenntnisse und Antworten mit ihnen zu teilen.
Wir sind nicht nur Abenteuer. Und Welt-Entdecker. Wir alle können auch Geschichten-Erzähler sein. Und Botschafter. Botschafter sollten wir sogar sein – um zu verbreiten, wie wunderbar bunt die Welt innerhalb der Umrisse ist.

Für mich hat es diesen Moment gebraucht: Der Elefant, die blauen Vögel, die ausgetrockneten Sträucher und der Sand unter meinen Füßen.
Und vor allem: die Stille.
Im Busch und in meinem Kopf.
Für mich hat es genau diesen Moment gebraucht, damit ich begreifen konnte, wie ich für die Welt die Spur hinterlassen kann, die ich hinterlassen möchte. Keine, die ihr schadet und keine, die man hinter sich verwischen sollte. Sondern eine Spur, die davon erzählt, wie wichtig es ist, wilde Orte zu wahren. Eine Spur, die von all dem erzählt, was es zu beschützen gilt.
Denn ich bin sicher: Nur, wer weiß, wie schön die Welt ist, wird für sie sorgen.

* Name zum Schutz der Person geändert

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